Review

Bieder, kitschig, altbacken, klischeebehaftet, „rosamundepilcheresk“, das sind wohl nur einige der Vorurteile, mit denen die britische Krimiserie „Lewis: Der Oxford Krimi“ zu kämpfen hat, besieht man sich lediglich die Cover der jeweiligen Veröffentlichungen. Wirft man jedoch einen Blick hinter die angestaubt wirkende Fassade des Spin-offs zu „Inspector Morse“, so entpuppt sich die Produktion als intelligente, anspruchsvolle Krimiunterhaltung, die zudem mit malerischer Kulisse und dezent eingesetztem britischem Humor überzeugt.

Nach „Lewis: Der Oxford Krimi – Collector’s Box 1 (Staffel 1-3)“ legt Edel:Motion nun mit der zweiten Box nach, die auf insgesamt zwölf DVDs die Staffeln 4 bis 6 für den Zuschauer bereithalten.
Fernab jeder modernen Technologie, mit der CSI und Co. aufwarten, ermitteln Inspector Lewis und sein Assistent James Hathaway auf ganz herkömmliche Weise in den hier zu sehenden zwölf Fällen. Köpfchen und Beinarbeit sind bei den Ermittlern gefragt, die sich zwar auf die Unterstützung der Rechtsmedizinerin Laura Hobson verlassen können, an dem einen oder anderen Querdenken jedoch nicht vorbeikommen.

Ähnlich ergeht es auch dem Zuschauer, der gebannt die komplexen Fälle verfolgt.
Jene bauen sich zunächst stets ähnlich auf: Nachdem erst zahlreiche Figuren mit jeweils eigenen Handlungssträngen eingeführt werden, die gleichzeitig eine Bandbreite an potenziellen späteren Tatverdächtigen darstellen, stößt man anschließend auf den ersten Mord. Die Ermittlungen beginnen, der jeweilige Fall nimmt konkretere Strukturen an, doch eingefleischte „Lewis“-Fans wissen, so einfach, wie es scheint, ist es natürlich nicht und meist bleibt es auch nicht bei nur einem Todesfall. Der Verschleiß an Nebenrollen ist diesbezüglich recht hoch und kommt oftmals unerwartet. Dies baut die Spannung einer jeden Folge gelungen auf bzw. hält diese bis zum Schluss aufrecht. Unvorhergesehene Wendungen beleben ferner den Verlauf der Ermittlungen, die es letztlich auch dem Zuschauer erschweren, vorschnell auf die Lösung eines Falls zu kommen.

Die Kriminalfälle selbst beschränken sich nicht nur auf plumpe 08/15 Morde, die man bereits zuhauf über den Bildschirm flimmern sehen hat, sondern sie sind abwechslungsreich, raffiniert überlegt, anspruchsvoll, vertrackt und eng verbunden mit dem altehrwürdigen Oxford.
Es mag daher vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, sich in dieser Kulisse wiederzufinden, dessen Charme und Landschaft immer in „Lewis“ präsent sind, gerade der damit einhergehende Anspruch und eine Art elitäres Stadtbild verleihen der „Lewis“-Reihe allerdings das gewisse Etwas.

Nur selten trifft man während der Staffeln 4-6 auf Folgen, die die etwaige Vorahnung der Langeweile bestätigen. So zum Beispiel die Episode „Das Rätsel des Genies“. Dabei wird man jedoch die Erfahrung machen, dass es sich lohnt, trotzdem am Ball zu bleiben, denn wie so oft bei „Lewis: Der Oxford Krimi“ wissen sich auch diese Folgen zu entwickeln und mit der einen oder anderen Überraschung aufzuwarten.

Bei der Arbeit: Rechtsmedizinerin Laura Hobson (Clare Holman), DS Hathaway (Laurence Fox) und DI Lewis (Kevin Whately). (Copyright: Edel:Motion)

Bei der Arbeit: Rechtsmedizinerin Laura Hobson (Clare Holman), DS Hathaway (Laurence Fox) und DI Lewis (Kevin Whately). (Copyright: Edel:Motion)

Wen die unterschiedlichen Kriminalfälle noch nicht überzeugen, der könnte eventuell Gefallen an dem ungleichen Ermittlerduo finden. Mit Inspector Lewis und seinem Kollegen James Hathaway könnte der Kontrast zwischen den Partnern nicht größer ausfallen. Jung trifft auf alt, modern auf traditionell, unkonventionell auf konservativ, hochintelligent auf normal gebildet; und diese Mischung führt nicht nur zu kleinen verbalen Scharmützeln, die den Unterhaltungswert steigern, sondern ebenso zu unterschiedlichen, sich aber ergänzenden Ermittlungen, die sich spiralförmig im Laufe der spielfilmlangen Laufzeit einer Folge zuspitzen und schließlich den/die Täter überführen.
Prinzipiell ist diese Kombination eines ungleichen Zweiergespanns nicht neu, beide Figuren besitzen jedoch ausreichend Profil, um mit- und gegeneinander zu bestehen und sie für den Zuschauer interessant genug zu machen, um einmal einen Blick in die Serie „Lewis“ zu riskieren. Dazu trägt auch die Besetzung durch Kevin Whately und Laurence Fox bei, die wie keine anderen in den Schauplatz der Universitätsstadt passen.

Da es auch am Preis-Leistungs-Verhältnis kaum etwas zu kritisieren gibt, zumal als Bonus noch die zweite Folge der ersten Staffel von „Inspector Morse“ (allerdings in englischer Sprachfassung mit deutschen Untertiteln und damit eher ein Liebhaberstück als ein Must-have) beiliegt, folgen „großartige“ 4 Sterne.

Trailer

Inhalt

Oxford ist die Stadt des Geschehens und die Stadt der Mordfällefür das grandiose Ermittlerteam Inspector Robert Lewis (Kevin Whately) und seinen Assistenten James Hathaway. Zusammen lösen sie die kniffligsten Fälle in der Erfolgs-Krimiserie, die das Spin-off zu Inspector Morse bildet.
Inspector Lewis war selbst früher Assistent des überragenden Inspector Morse (Joihn Thaw) in der gleichnamigen britischen Krimiserie und hat das Handwerk für die Aufklärung von Verbrechen somit vom Meister gelernt.

Aufgrund dieses immensen Erfahrungsschatzes, gepaart mit einem unschlagbaren Gespür, bilden Lewis und Hathaway ein Traumgespann. Sie ergänzen sich in jeder Hinsicht perfekt. Gerade durch die beiden unterschiedlichen Charaktere entstehen vor der malerischen Kulisse von Oxford raffinierte und amüsante Dialoge. Da in diesem Gespann der Assistent der Intellektuelle ist, nutzt der Inspector jede Chance, um seinen Sergeant zu korrigieren und zu foppen.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

Staffel 4:

  • Auf falscher Fährte (The Dead Of Winter)
  • Unter dem Stern des Todes (Dark Matter)
  • Die Alles-oder-Nichts-Frage (Your Sudden Death Question)
  • Die Geister, die ich rief (Falling Darkness)

Staffel 5:

  • Offene Wunden (Old, Unhappy, Far Off Things)
  • Im Zeichen der Rache (Wild Justice)
  • Die Todesdroge (The mind has mountains)
  • Mörderisches Verhängnis (The gift of promise)

Staffel 6:

  • Das Rätsel des Genies (The Soul Of Genius)
  • Gefangen im Netz (Generation Of Vipers)
  • Heimliche Spiele (Fearful Symmetry)
  • Der unauslöschliche Makel (The Indelible Stain)

Bonus: „Inspector Morse“ – 2. Folge von Staffel 1 (Die Stille Welt des Nicholas Quinn / The Silent World Of Nicholas Quinn) in englischer Sprachfassung mit deutschen Untertiteln

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch, Englisch
Anzahl Disks: 13
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 18.09.2015
Spieldauer: 1079 Minuten

Copyright Artikelbild: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde