Review

Die Liste der Adaptionen ist lang und divers. Ob für die Musical- oder Theaterbühne, ob als Film, Comic, Hörbuch oder Hörspiel, der Roman „Die Elenden“ (im Original „Les Misérables“) von Victor Hugo aus dem Jahre 1862 erfreut sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit.

2018/19 machte sich auch die BBC daran, den Stoff aus der Epoche der Romantik zu verfilmen. Entstanden ist die sechsteilige (in Deutschland achtteilige) Miniserie, die unter dem schlichten Namen „Les Misérables“ nun auf DVD und Blu-ray auch für das Heimkino erscheint.

Die Daseinsberechtigung der Miniserie

Die britische Serienadaption führt die Zuschauer in ein zerrüttetes Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts und zu den Schicksalen einzelner Charaktere zur Zeit des Juniaufstands und politischer Unruhen. Dies passiert auf authentische Art und Weise, ohne zu romantisieren. Deutlich wird das schon in der ersten Folge:
Juni, 1815: Die Schlacht bei Waterloo ist beendet, die gezeigte Szenerie eindringlich dargestellt. Fortan wird die Serie dem deutschen Namen „Die Elenden“ mehr als gerecht.

Obschon eine jede Folge nur durchschnittlich 44 Minuten andauert, geschieht in dieser Zeit sehr viel. So vergeht bereits in der ersten Episode ein ganzes Jahr, in der zweiten Episode vier weitere Jahre und kaum wechselt man von DVD 01 auf DVD 02 (von Folge 4 zu Folge 5), sind sogar schon über 10 Jahre ins Land gezogen.
Diese „Zeitraffer“ respektive -sprünge gelingen dem Drehbuchautor Andrew Davies und Regisseur Tom Shankland allerdings sehr gut und äußerst atmosphärisch. Nahtlos, ohne dass der Zuschauer Informationen oder Hintergründe vermisst, brillieren dies betreffend gekonnte Schnitte, die für plausible Anschlüsse sorgen.

Schnell findet man zudem Zugang zu den einzelnen Figuren – und entsprechend schnell ist man mitten in das Geschehen der Serie hineingezogen worden. Diese hält das Interesse des Zuschauers permanent aufrecht, obwohl der Stoff als solcher (für die meisten) bekannt ist.

Sehenswerte Besetzung

Dass es ein Leichtes ist, sich von „Les Misérables“ in den Bann ziehen zu lassen, ist vor allem den Schauwerten der Serie sowie den schauspielerischen Leistungen zu verdanken.

Letztere setzen auf die Empathie der Zuschauer – und gewinnen jene ohne Weiteres für sich. Allen voran liefert diesbezüglich Phil Collins‘ Tochter, Schauspielerin Lily Collins (zuletzt u.a. in „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“), hervorragend ab. Wenngleich ihre deutsche Synchronisationsstimme nicht immer ganz passend erscheint und zuweilen auch enorm leise ausfällt, stellt sich Collins insgesamt als gute Wahl für die Rolle der Fantine heraus. Ihr emotionales Spiel wirkt angemessen und nicht überzogen.

Dies trifft auch für Dominic West (u.a. „Colette“) zu, der als Jean Valjean die meiste Bildschirmzeit erhält und starke Performances hinlegt.

Doch auch in den weiteren Haupt- und Nebenrollen lässt sich mit Namen wie Adeel Akhtar (u.a. „Murder Mystery“), David Bradley (u.a. „Harry Potter“, „Captain America: The First Avenger“), David Oyelowo (u.a. „Gringo“, „Das Zeiträtsel“) oder Olivia Colman (u.a. „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“, „Broadchurch“) ein Staraufgebot erkennen.

Lily Collins als Fantine in der BBC-Miniserie „Les Misérables“. (Copyright: Robert Viglasky / Universum Film GmbH)

Kritik

Trotz der packenden Inszenierung und emotionalen Bindung zu den einzelnen Charakteren stolpert man jedoch teilweise über ein paar wenige langatmige Stellen. Hier hätte es dann gerne etwas knackiger sein dürfen.

Dass darüber hinaus erneut eine „Les Misérables“-Verfilmung den Weg auf die Bildschirme gefunden hat, dürfte so manchen Zuschauer von einem Kauf abhalten. Genügend Auswahl an Alternativen gibt es diesbezüglich bereits.

Fazit

Zwar lässt sich im Vorfeld darüber streiten, inwiefern es sinnvoll ist, die x-te Adaption dieses Klassikers zu präsentieren, schnell kristallisiert sich jedoch die Daseinsberechtigung der Serie heraus.

Nicht nur, aber vor allem für Historienfilm-Fans ist „Les Misérables“ daher eine Miniserie, die kaum Wünsche offenlässt.

 

Trailer

Handlung

Vor der epischen Kulisse Frankreichs in einer Zeit bürgerlicher Unruhen erzählt Les Misérables die Geschichte von Jean Valjean, einem ehemaligen Sträfling, dem es nicht gelingt, den Schatten seiner Vergangenheit zu entkommen. Seine Zukunft wird durch seine Nemesis in Gestalt des boshaften Polizisten und ehemaligen Gefängniswärters Javert bedroht, der fest entschlossen ist, Jean Valjean seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Unterdessen wird Fantine – eine Frau aus der Arbeiterklasse, die von ihrem reichen Geliebten verlassen wurde – zu immer auswegloseren Schritten gezwungen, um ihre kleine Tochter versorgen zu können. Die Wege der beiden kreuzen sich, und während sich auf den Straßen von Paris revolutionäre Gewalt entzündet, beginnt Jean Valjean eine epische Reise in Richtung Selbstakzeptanz, Erlösung und Liebe.

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 15.11.2019
Spieldauer: 365 Minuten
Extras: An Introduction / Battle of Waterloo / Behind the Barricades / The Look of Les Misérables

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde