Review

London in den 1960er Jahren, die Kray Zwillinge haben Londons Unterwelt fest im Griff – dank einem Händchen für rohe Gewalt und finanzieller Unterstützung aus dem Ausland. Doch so ähnlich sich die Brüder sehen – so unterschiedlich scheinen sie zu sein. Während Ronnie sich gern im Knacken der Knochen verliert, ist Reggie eher ruhiger Natur. So ruhig ein Gangster eben sein kann.

Als Reggie ins Gefängnis gehen muss, überlässt er die Geschäfte seinem psychisch instabilen Bruder. Damit beginnt der Thron der Krays zu wackeln.

Die Kray Zwillinge sind nicht nur Filmfiguren in „Legend“, sondern historische Persönlichkeiten. Ronald und Reginald Kray haben sich in den 1950er und 1960er Jahren in London einen Namen gemacht. Auf ihr Konto und das ihrer Bande The Firm gehen diverse Fälle von Raubüberfällen, Brandstiftung, Schutzgelderpressung und Mord. Und damit ist auch schon klar, wie die Geschichte im Film enden wird und muss.

Dennoch bietet die Story um das Gangster-Duo genug Spannung – was wahr ist und was nicht, das ist bei Gestalten wie diesen häufig eher unklar. Wie sie ihr Imperium in der Form Londons aufgebaut haben, das ist weithin bekannt und wurde zugunsten interpersoneller Interaktionen im Film vernachlässigt. Zumindest was Reggie angeht – dieser erhält in Form von Frankie eine charmante Frau an die Seite gestellt. Was Ronnies Liebesleben angeht, dürfen sich die Zuschauer ihre eigenen Gedanken machen.

Zwar wird in „Legend“ mehrfach deutlich gemacht, dass Ronnie homosexuell ist – Szenen, die ihn privat mit einem Partner zeigen sind quasi non-existent. Sicher ist das nicht zwingend nötig – aber warum Reggie eine Liebesgeschichte geben, um dem Gangster eine weitere Dimension hinzuzufügen, aber das nicht auch für den homosexuellen Ronnie tun? Dieser bleibt reduziert auf seine Brutalität und seine psychische Störung.

Ein Happy End für den Gangster? Reggie und Frankie heiraten. | Copyright: STUDIOCANAL

Ein Happy End für den Gangster? Reggie und Frankie heiraten. | Copyright: STUDIOCANAL

Trotz dieses verschenkten Potenzials ist „Legend“ seine Zeit wert. Das liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung Tom Hardys, der hier nicht ein, sondern zwei Hauptcharaktere spielt. Er schlüpft in die Haut zweier Personen, die nicht unterschiedlicher sein können. Es wird deutlich: Die Oscar-Nominierung in diesem Jahr war mehr als gerechtfertigt.

Daneben verblassen die anderen Charaktere – nicht, weil die Schauspieler schlecht sind, sondern weil ihnen nicht allzu viel Platz gegeben wird, sich zu entwickeln. Selbst Frankie, gespielt von Emily Browning, die die Narration für den Film übernimmt, erhält nur wenig Spielraum.

Insgesamt ist „Legend“ ein sehenswerter Film, bei dem jedoch erzählerisches Potenzial verschenkt wurde.

Trailer

Handlung

Mit Gewalt, Entschlossenheit und Furchtlosigkeit erobern und beherrschen die Zwillinge Reggie und Ronnie Kray Londons Unterwelt der 1960er Jahre. Viele Jahre bleiben sie durch brutale Einschüchterung unantastbar für ihre Rivalen und die Polizei. Doch als sich der enge Bund zwischen den Zwillingen durch Reggies Liebe zum fragilen East-End-Girl Frances und durch Ronnies unkontrollierbares psychotisches Verhalten zu lockern beginnt, droht der unaufhaltsame Absturz der glamourösen und gefürchteten Gangsterkönige.

(Quelle: Studiocanal)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Studiocanal Home Entertainment
Erscheinungstermin: 12.05.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 131 Minuten

Copyright Cover: Studiocanal



Über den Autor

Jen
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"Bro. Seriously. Seriously, Bro." "Bro. BroBroBroBro. Seeeeriously." - Hawkeye, Vol. 1