Review

Vom Buch zum Film

Über 60 Jahre ist es her, dass der Autor Sebastian Lybeck seinen ersten Roman über die Figur Latte Igel veröffentlicht hat. Erst jetzt schafft es der kleine stachelige Freund auch auf die Leinwand. Zu verdanken ist dies den Regisseurinnen Nina Wels und Regina Welker, die sich mit „Latte Igel und der magische Wasserstein“ nicht nur der Filmadaption des Kinderbuchklassikers angenommen haben, sondern ihm gleichzeitig auch eine Frischzellenkur verpasst haben – die allerdings nicht jedem gefallen könnte.

Denn bereits mit der Titelfigur werden deutliche Unterschiede zur Buchvorlage ersichtlich, indem aus dem kecken Igel-Jungen nun ein toughes Igel-Mädchen wird.

Animiertes Tierabenteuer mit modernem Anstrich

Mit ihr im Zentrum nimmt das 83-minütige Tierabenteuer in animierter Form seinen Lauf und wirkt durch den Einsatz von vermeintlich angesagter Jugendsprache (wie etwa Latte Igels Aussage „läuft bei mir“) nicht mehr länger wie ein Klassiker für Kinder ab 6 Jahren, wie von den Büchern ursprünglich angedacht. Ein Vor- und Nachteil gleichermaßen, da die jüngere Zielgruppe mit dem modernen Anstrich ein wenig ausgeklammert wird und die Figuren mutwillig allzu hipp erscheinen, dafür aber die Zuschauerschaft insgesamt vergrößert wird.

Diese wird durch die Handlung nicht nur mit einem klassischen Tierabenteuer und einer integrierten Freundschaftsgeschichte konfrontiert, sondern auch mit zeitaktuellen Themen (z.B. Wasserknappheit) – kindgerecht verpackt.

Darum geht es

Unter den Tieren einer tief im Wald versteckten Lichtung herrscht Unruhe. Der nahe Bach ist vor Wochen versiegt, die letzten mühsam gesammelten Wasservorräte gehen dramatisch zur Neige. Trotz der drohenden Not schenkt einzig Igelmädchen Latte den Worten des verschrobenen Raben Korp Glauben, Bärenkönig Bantur hätte den magischen Wasserstein gestohlen und in seiner Palasthöhle versteckt. Mutig wagt sich Latte auf die weite, ungewisse Reise, fest entschlossen den wasserspendenden Stein zurück zum Gipfel des Weißen Berges zu bringen.

Völlig unerwartet folgt ihr Tjum, ein schreckhafter und ängstlicher Eichhörnchenjunge. Das ungleiche Paar macht sich gemeinsam auf einen Weg voller Abenteuer. Und ganz nebenbei wird dabei aus einem kleinen Igel-Mädchen eine große Heldin.

Bewertung

Der Auszeichnung mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ kann man zustimmen, muss man aber nicht zwingend.

Sicherlich besticht die filmische Adaption des Kinderbuchs durch farbenfrohe Animationen. Grob, aber dennoch detailreich, bunt, aber nicht zu aufdringlich hoppeln, kugeln und springen die Figuren über den Bildschirm, eingebettet in ein schön inszeniertes Wald-Setting und sich im Laufe des Abenteuers wandelnde landschaftliche Kulissen. Das ist abwechslungsreich und schmeichelt dem Auge.

Krisenbesprechung in „Latte Igel und der magische Wasserstein“. (Copyright: Koch Media)

Auch der Inhalt und dessen moralische Botschaften kommen – ohne erhobenen Zeigefinger – ausreichend zum Tragen.

Losgelöst von der Buchvorlage ist „Latte Igel und der magische Wasserstein“ damit durchaus sehenswert und durch seine kompakte Länge sowohl kurzweilig als auch unterhaltsam.

Störend mag für Kenner der Romane jedoch die freie Interpretation des literarischen Stoffes sein. Auch die in diesem Zusammenhang entstandene moderne Herangehensweise wirkt in der Mehrheit der Szenen zu aufgesetzt.

Fazit

Pädagogisch wertvoll eventuell mitunter und eher zweitrangig, empfehlenswert aber allemal.

Trailer

Handlung

Unter den Tieren einer tief im Wald versteckten Lichtung herrscht Unruhe. Der nahe Bach ist vor Wochen versiegt, die letzten mühsam gesammelten Wasservorräte gehen dramatisch zur Neige. Trotz der drohenden Not schenkt einzig Igelmädchen Latte den Worten des verschrobenen Raben Korp Glauben, Bärenkönig Bantur hätte den magischen Wasserstein gestohlen und in seiner Palasthöhle versteckt. Mutig wagt sich Latte auf die weite, ungewisse Reise, fest entschlossen den wasserspendenden Stein zurück zum Gipfel des Weißen Berges zu bringen.

Völlig unerwartet folgt ihr Tjum, ein schreckhafter und ängstlicher Eichhörnchenjunge. Wegen der großen Gefahren, die außerhalb der Lichtung lauern, will Tjum Latte zum Umkehren überreden, was jedoch bei der eigensinnigen Latte auf taube Ohren stößt. So muss das ungleiche Paar auf einem Weg voller Abenteuer erst noch lernen einander zu vertrauen, am Ende aber, zu echten Freunden zusammengewachsen, können sie selbst gegen die größten und gefährlichsten Tiere des Waldes bestehen.

(Quelle: Koch Media)

Details

Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 23.07.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 83 Minuten
Extras: Kinotrailer / Konzepttrailer / Produktionsteaser / Interviews mit Cast & Crew / Deutsch (Erstfassung) / Bildergalerie / Trailershow

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde