Review

Eltern – vor allem Mütter –  haben es nicht immer leicht mit ihren Teenie-Töchtern. Die Töchter mit ihren Müttern allerdings auch nicht. Denn zum Erwachsenwerden gehören bekanntlich Reibungen, Diskussionen, Abkapselungen und der Versuch, mehr und mehr auf eigenen Beinen zu stehen. Loslassen, Freiheiten gewähren und diese sinnvoll zu nutzen gelingt den einen dabei mehr, den anderen weniger. Das muss auch „Lady Bird“, die Protagonistin der gleichnamigen Coming-of-Age-Dramedy, lernen.

Kein typischer Teenie-Film

Regisseurin Greta Gerwig greift in ihrem Film auf bekannte Zutaten von typischen amerikanischen Teenie-Filmen zurück, verarbeitet diese allerdings zu keinem Zeitpunkt allzu klischiert. Vielmehr geht sie mit einer gewissen Ernsthaftigkeit an das Thema heran, die sich auch inhaltlich auf der Spielzeit von 91 Minuten widerspiegelt.

Nicht nur Gerwigs Herangehensweise, auch die visuelle Inszenierung unterscheiden „Lady Bird“ von Genre-Mitstreitern. Sonst eher knallbunt und mit plattem Humor daherkommend, finden Slapstick und schrille Farben hier keinen Platz. Optisch mit einem gewissen Retro-Charme versehen, stößt man den Humor betreffend auf in temporeichen Dialogen integrierte Wortgefechte und auf einen niveauvollen verbalen Schlagabtausch (insbesondere zwischen Mutter und Tochter).

Mutter vs. Tochter

Insgesamt ist das Mutter-Tochter-Verhältnis sehr gut herausgearbeitet. Teils mit Ironie versehen, teils als distanzierte „Bestandaufnahme“ präsentiert, kann sich der Zuschauer sowohl in die Figur der Mutter Marion McPherson (authentisch dargestellt von Laurie Metcalf) als auch in die Rolle der Christine „Lady Bird“ McPherson (besetzt durch eine ebenso fabelhaft spielende Saoirse Ronan) hineinversetzen.

Das Verständnis für alle Charaktere (bis hin zu den Nebenfiguren) sowie ihre stets nachvollziehbaren Handlungsweisen und -motive ist groß; genau so das Identifikationspotenzial. Die überschaubare Anzahl von Figuren in „Lady Bird“ trägt ebenfalls positiv dazu bei.

„Lady Bird“ geht einen Schritt weiter

Die Hauptrollen Saoirse Ronan und Laurie Metcalf in „Lady Bird“ (Copyright: Universal Pictures)

Abgesehen von den typischen Coming-of-Age-Themen, fokussiert auf die familiären Beziehungen untereinander, geht „Lady Bird“ noch einen Schritt weiter. Soziale Probleme, elterliche Existenzängste und die Wertschätzung der gebürtigen Herkunft, verbunden mit dem Begriff „Heimat“, spielen weitere zentrale Rollen im Film, der dies mit nötigem Tiefgang und Ernst behandelt und an die Zuschauer transportiert.

Damit öffnet sich die fünffach Oscar nominierte Komödie mit Drama-Elementen zudem einem breiten Publikum, das besonders die brillante schauspielerische Leistung kritiklos würdigen wird.

Auch wenn „Lady Bird“ gegen Ende zugunsten von Botschaften an Tempo und Ungezwungenheit verliert. Die bis dato flotte Handlung und die lebhaften Dialoge bleiben nun etwas auf der Strecke. Es dominiert vermehrt die Bildsprache. Nichtsdestotrotz: die Messages kommen an, die Kameraaufnahmen erzeugen ihre Wirkung und es bleibt ein Film im Gedächtnis, der sich von anderen abzuheben versteht.

Trailer

Handlung

Christine „Lady Bird“ McPherson (Saoirse Ronan) ist ein rebellisches Mädchen, das nichts mehr will, als das langweilige Leben in der Kleinstadt weit hinter sich zu lassen. Ihre Mutter (Laurie Metcalf), die genauso leidenschaftlich, dickköpfig und willensstark ist wie sie selbst, arbeitet unermüdlich als Krankenschwester, um die Familie über Wasser zu halten, nachdem der Vater seinen Job verlor. Mutter und Tochter geraten ständig aneinander und ziehen zwischen Trotz, Wut und Resignation sämtliche Gefühlsregister.

(Quelle: Universal Pictures)

Details

Format: PAL
Sprache: Italienisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Türkisch, Dänisch, Niederländisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch, Arabisch, Hindi
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Universal Pictures Germany GmbH
Erscheinungstermin: 23.08.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 91 Minuten
Extras: Filmkommentar von Autorin/Regisseurin Greta Gerwig und Chefkameramann Sam Levy / Die Entstehung von „Lady Bird“

Copyright Cover: Universal Pictures



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde