Review

Es ist Anfang der 1980er Jahre, als Spanien sich gerade noch von 40 Jahren nationalistischer Diktatur erholt. Eine Zeit, in der sich Land und Leute erst an die neue Demokratie gewöhnen müssen. Genau in diese gesellschaftliche Schwebe pflanzt Regisseur und Autor Alberto Rodríguez seinen Krimi „La isla mínima – Mörderland“. Ob sich dieser politische Konflikt allerdings in das Serienmörderszenario einfügt, klären wir jetzt.

Die zwei Polizisten Pedro und Juan werden zur Klärung eines Falls ins vergessene Niemandsland geschickt. Nach einem jährlich stattfindenden Jahrmarkt sind zwei Mädchen verschwunden. Zunächst wundert sich niemand, schließlich wollen alle irgendwie von dort weg. Doch als die geschändeten, gefolterten Leichen der beiden auftauchen, bekommen die Ermittlungen des Duos neue Dringlichkeit. Schnell zeigt sich außerdem, dass es sich wohl um einen Serienmörder handelt. Mit Feuereifer stürzen sich Pedro und Juan weiter in die Ermittlungen. Im Wesentlichen befragen, prügeln, drohen und bestechen sie alle möglichen und unmöglichen Verdächtigen. Obwohl man meinen könnte, der ältere Juan, der bereits für die nationalistische Diktatur tätig war, würde hier rücksichtsloser vorgehen, lässt sich im Endeffekt kein Unterschied zwischen den beiden feststellen (und von Rechtsstaatlichkeit in einer Demokratie fangen wir lieber gar nicht erst an).

Von diesem brutalen und dem politischen Hintergrund ahnt man zu Beginn der Geschichte wenig. Zunächst fällt nur ins Auge, dass der Film wohl nicht in der Gegenwart spielt, denn neben der mal mehr, mal weniger subtilen Sepiatönung sprechen Mode, Kulissen und natürlich fehlende technische Spielereien hier eine eindeutige (und gelungene Sprache). Dazu eine ländliche Gegend und wunderschöne Naturaufnahmen, die durch Höhenbilder und geschicktem Kameraschnitt in Szene gesetzt werden. Ja, optisch dürfte „Mörderland“ den Mainstreamgeschmack perfekt treffen. Wem Serien wie Netflix‘ „Narcos“ gefallen, macht hier schon mal nichts falsch.

Allerdings darf man sich von ähnlichen Instagram-Filmfiltern nicht ablenken lassen, Story und Erzählweise in „Mörderland“ unterscheiden sich deutlich von amerikanisch orientierten Produktionen wie „Narcos“. Insbesondere wird die Geschichte entschleunigt wiedergegeben. Besonders in Verhörszenen oder Disputen zwischen den Polizisten bleibt dabei viel Raum für Spannung und Emotionen. Weniger gelungen ist allerdings dennoch das Gesamttempo. Durch zahlreiche Wiederholungen und wenig Abwechslung verliert sich die aufgebaute Spannung gerade am Anfang schnell wieder.

Der Einsatz von Gewalt ist ebenfalls „hollywooduntypisch“: Zwar werden die Polizisten gerne mal handgreiflich, dennoch geht es hier vergleichsweise harmlos zu. Die Darstellung der verstümmelten Leichen rechtfertigt die Alterseinschränkung allerdings allemal.

Pedro, gespielt von Raúl Arévalo, und Juan, dargestellt von Javier Gutiérrez, in "Mörderland" (Copyright: Koch Media)

Pedro (Raúl Arévalo) und Juan (Javier Gutiérrez) in „Mörderland“ (Copyright: Koch Media)

Bleibt noch ein kurzer Blick auf die zwei Protagonisten. Pedro, gespielt von Raúl Arévalo, und Juan, dargestellt von Javier Gutiérrez, stehen nicht nur für zwei Generationen Polizeiarbeit, sondern wohl auch für zwei unterschiedliche Regimes. Leider wird das erst mit etwas nachträglicher Recherche klar, denn wie bereits gezeigt unterscheiden sich ihre Vorgehensweisen im Film höchstens in Bezug auf Frauen. Wenn diese unterschwellige Feindseligkeit angedeutet wird, dann äußerst subtil. Ehrlicherweise verliert die an sich spannend inszenierte Geschichte durch den Wegfall der politischen Komponente aber überhaupt nichts. Im Gegenteil, hätte man auf diese kleine Nebenstory verzichtet, wäre der Film vielleicht noch runder geworden.

So ist „La isla mínima – Mörderland“ ein Kriminalfilm, der besonders durch seine Optik besticht, die Hollywood in nichts nachsteht. In Sachen Geschwindigkeit hat die spanische Produktion allerdings noch ein wenig Aufholbedarf.

Trailer

Handlung

Im abgelegenen Sumpfland von Guadalquivir im Süden Spaniens gelten eigene Regeln: Abgeschnitten von der Zivilisation und vergessen von der Welt herrscht hier die eiserne Hand alter Traditionen. Als im Sommer 1980 zwei Schwestern spurlos verschwinden, beginnen zwei Ermittler in der verschworenen und verschwiegenen Gemeinschaft des verwinkelten Marschlandes nach den beiden vermissten Mädchen zu fahnden. Doch je tiefer sie sich in die Sümpfe vorwagen, umso deutlicher wird, dass beide Polizisten einen gefährlichen Serienkiller jagen, der den Landstrich seit Jahren mit Angst überzieht …

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Spanisch (DTS-HD 5.1)
Bild: 16:9 – 2.40:1
Untertitel: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 27.10.2016
Produktionsjahr: 2014
Filmlänge Blu-ray: 105 Minuten

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer