Review

Der Pionier des Nordic Noir, „Kommissar Beck“, basierend auf den Romanvorlagen des Bestsellerautorenpaars Maj Sjöwall und Per Wahlöö, ist mittlerweile in der fünften Staffel angekommen. Die ersten vier Folgen der aktuellen Staffel wurden sowohl schon im Fernsehen ausgestrahlt als auch auf DVD veröffentlicht, nun folgt der Nachschlag in Form von „Kommissar Beck – Staffel 5.2 (Episoden 5-8)“.

Sorgen sonst Wendungen innerhalb eines Falls und seiner Ermittlungsarbeit für spannende Unterhaltung, prägen in Staffel 5.2 zahlreiche Veränderungen im Personenkarussell das (Krimi-)Geschehen. Dieses Karussell dreht sich auch in der Chefetage weiter (vgl. Folge 3 – „Tödliche Sackgasse“) und bringt einige Neuerungen mit sich.
Freut man sich also auf ein Wiedersehen mit lieb gewonnenen Charakteren, muss man gravierende Abstriche machen.

Bereits die erste Episode („Schüsse auf Gunvald“) des zweiten Teils der fünften Staffel beginnt tragisch und dramatisch: Gunvald, eine der tragenden Rollen in „Kommissar Beck“, gespielt von Mikael Persbrand, wird angeschossen und kämpft um sein Leben. Durch sein Ausschalten kommt der Zuschauer zwar nicht in den Genuss seines schauspielerischen Talents als Charakterdarsteller, das er schon in Serien wie „Verdict Revised“ hervorragend unter Beweis gestellt hat, dafür kommen nun weitere Figuren der Serie mehr zum Zug, zumindest so lange, bis in Folge 2 „Der Neue“ die Bildfläche betritt.

Mit der neuen Rolle Steinar Hovland hat Schauspieler Kristofer Hivju seinen Auftritt. Doch in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, ist ein schweres Los und so wird es viele Zuschauer geben, dessen Ansprüchen er nicht gerecht werden kann. Das liegt nicht an seinem Können, denn diesbezüglich macht er hier eine sehr gute Figur, sondern vielmehr an der Erwartungshaltung des Publikums, das an dem Ausstieg Persbrands zu knabbern hat. Indem die Macher von „Kommissar Beck“ zwar dramaturgischen Momenten Platz einräumen, jene aber nicht zu sehr in den Fokus rücken und die Handlung zügig weiterlaufen lassen, erfolgt der Wechsel – und auch alle weiteren Änderungen, mit denen der Zuschauer in Staffel 5.2. konfrontiert wird – jedoch Schlag auf Schlag, sodass kaum Zeit bleibt, lange über das Gegebene nachzudenken.

Martin Beck (Peter Haber) und sein neuer Partner Steinar Hovland (Kristofer Hivju) | Copyright: Baldur Bragason

Martin Beck (Peter Haber) und sein neuer Partner Steinar Hovland (Kristofer Hivju) | Copyright: Baldur Bragason

Bei all diesen Neuerungen laufen die Kriminalfälle dieses Mal eher nebensächlich ab. Entsprechend trumpfen die Folgen 5-8 auch nicht mit innovativen Ideen auf, sondern liefern bewährte Krimi-Kost, die von korrupten Polizeibeamten bis hin zu Rachemotiven reicht. Das alles ist nicht neu, wird aber – wie von der schwedisch-deutschen Koproduktion bekannt – überzeugend in Szene gesetzt. Das skandinavische Flair, häufig durch unterkühlte, gedeckte Farbgebungen hervorgerufen, ist deutlich spürbar. Da auf atmosphärischer Seite alles stimmig scheint und die Handlung stetig und schnell vorangetrieben wird, wodurch die Serie an Dynamik noch einmal zulegt, ist es zu verschmerzen, dass die Kriminalfälle immer mal wieder aus dem Fokus rücken. An Komplexität und durchdachter Struktur mangelt es ihnen deshalb nicht und so kann sich Staffel 5 noch einmal mit den Episoden 5-8 steigern.

Wer veränderten Figurenkonstellationen aufgeschlossen gegenübersteht, wird an „Kommissar Beck – Staffel 5.2“ wenig zu kritisieren haben. Gleichzeitig bietet der Schauspielerwechsel Neulingen die Möglichkeit, in die Serie einzusteigen, ohne nennenswerte Vorkenntnisse aus den bisherigen Staffeln mitbringen zu müssen.

Trailer

Episoden

DVD 01:
Episode 1 – Schüsse auf Gunvald
Episode 2 – Der Neue

DVD 02:
Episode 03 – Tödliche Sackgasse
Episode 04 – Zahltag

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 11.11.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 354 Minuten
Extras: DVD-Highlighs

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde