Review

Immer beliebter und etablierter wird das Genre Nordic Noir, das sich durch realistische, komplexe Fälle auszeichnet, die durch kühle, dunkle Bilder an die Zuschauer transportiert werden, und die bis dato üblichen Grenzen des Krimi-Genres sprengt oder zumindest des Öfteren überschreitet. Auf der Erfolgswelle, die aus Skandinavien über Krimi-Fans schwappte, möchten eine Vielzahl Autoren und Filme- bzw. Serienmacher mitschwimmen, sodass es an Publikationen in diesem Bereich nicht mangelt. Wie also herausstechen aus der Flut an Veröffentlichungen? „Kommissar Beck“ schafft dies zunächst durch die Tatsache, dass die schwedisch-deutsche Koproduktion (basierend auf den Romanvorlagen des Autorenpaars Maj Sjöwall und Per Wahlöö) als Pionier dieses Stils gilt. Vorschusslorbeeren, denen man – besieht man sich die 20-jährige Laufzeit der Serie und dessen Einschaltquoten – bislang mehr als solide gerecht wurde.

Für die Zuschauer hierzulande bot das ZDF bereits 2015 Beck’schen Nachschlag in Form der ersten vier Episoden der fünften Staffel. Mitte Oktober bis Anfang November 2016 folgen die weiteren zur Staffel gehörenden Folgen 5-8.
Die unterschiedlichen Ausstrahlungszeiträume der besagten Staffel führen außerdem dazu, dass sich jene für die Kauf-DVD splittet. So erscheint zuerst Staffel 5.1 mit den ersten vier Folgen, während Teil 5.2 im November käuflich zu erwerben sein wird.

Fällt die Masse an Episoden auf vorliegender DVD damit noch überschaubar aus, mangelt es dennoch keineswegs an Spielzeit. Nahezu auf Spielfilmlänge ermittelt das Team um Titelfigur Martin Beck, von dem man auch so einiges erwarten darf, denn das eine oder andere Gesicht wird dem Zuschauer durch weitere Krimi- und Thriller-Produktionen sicherlich bekannt vorkommen. Wer beispielsweise Mikael Persbrandts Figur in der Serie „Verdict Revised“ kennt, weiß, was dieser Charakterdarsteller kann. In „Kommissar Beck“ kommt sein Talent allerdings nur bedingt zum Vorschein. Hin und wieder entfleucht dem Mann ein Schimpfwort, um seinen „rebellischen“, unkonventionellen und zu Beck im Kontrast stehenden Charakter zu verdeutlichen, mehr wird von ihm aber nicht geboten. Insgesamt bleiben alle Figuren zu blass, unauffällig, ohne Ecken und Kanten und vor allem zu ruhig. Die dadurch erzeugte entschleunigte Art der Krimiserie wirkt nur pro forma fesselnd und sorgt für einige Längen.

Dass sich die Fälle komplex und mit einigen Wendungen versehen aufbauen, ist nicht zu leugnen, der Verlauf einer jeden Folge fällt jedoch sehr gemächlich und zu häufig äußerst unspektakulär aus. Im Aufbau einer Episode orientiert man sich an gleichen Strukturen und so fällt die Überführung des Täters meist in ähnlicher Weise aus. Dies bringt einen gewissen Grad an Vorhersehbarkeit mit sich, hemmt den Spannungsaufbau und wirkt am Ende trotz abgeschlossenem Fall „unfertig“.
Auch inhaltlich liefert man im ersten Teil der fünften Staffel noch nicht allzu viel neue Themen und Motive, sodass u.a. die für das Genre allzeit beliebten Gangster und Terroristen auch hier Einzug in die Episoden halten.

"Kommissar Beck" und sein Team ermitteln wieder. (Copyright: Baldur Bragason)

„Kommissar Beck“ und sein Team ermitteln wieder. (Copyright: Baldur Bragason)

Sparsam und ideenlos gibt sich letztlich zudem das Bonusmaterial, das lediglich aus den obligatorischen DVD-Highlights besteht, einer Veröffentlichungsvorschau, die mit „Kommissar Beck“ direkt nichts zu tun hat.

Die Konkurrenz im Nordic Noir ist groß und es scheint, als sei „Kommissar Beck“ in Staffel 5 ein wenig in die Jahre gekommen. Zumindest ruht er sich hier derart aus, dass man kaum den eingangs erwähnten großen Erfolg vermuten würde. Was einst Pionier eines neuen Stils war, erscheint nun eher wie eine Ausweichlösung in der Abendgestaltung. Einzig diejenigen, die bereits seit Anfang an mit Martin Beck mitermitteln, werden diese Kritik nicht bedingungslos teilen. Für alle anderen bleibt die Hoffnung, dass der zweite Teil der fünften Staffel mit seinen weiteren vier Folgen das Ruder noch einmal herumreißen kann.

Trailer

Episoden

DVD 01:
Episode 1 – Mord in Zimmer 302
Episode 2 – Familienbande

DVD 02:
Episode 03 – Die Invasion
Episode 04 – Anatomie des Todes

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 30.09.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 350 Minuten

Copyright Cover: Edel Germany GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde