Review

Eine angemessene Bewertung für den unlängst im Kino und nun auf DVD und Blu-ray erschienenen Film „Knights of Badassdom“ zu treffen, ist nicht so einfach, denn die Mischung aus Horror, Komödie, Fantasy und Nerdstuff bzw. genauer gesagt einer Rollenspiel-Parodie wird definitiv polarisieren.
Während die einen „Knights of Badassdom“ feiern werden, schütteln andere hingegen nur den Kopf. Beide Seiten sollen Recht behalten, denn der Film mit innovativem Ansatz hält genügend Für und Wider parat.

LARP mal anders: Wenn das Spiel ernst wird ... (Copyright: Pandastorm Pictures)

LARP mal anders: Wenn das Spiel ernst wird … (Copyright: Pandastorm Pictures)

Nerds und Geeks nehmen in unserer Gesellschaft schon seit Langem keine Außenseiterpositionen mehr ein, vielmehr wird dem wie auch immer gearteten Nerdtum mittlerweile ein gewisser Kultstatus zugewiesen. Dass auch (Live)rollenspieler keine verkleideten Freaks sind und LARP mehr als ein fantastisches Hobby sein kann, wissen Insider schon lange, Reportagen, Dokumentationen wie „Die Herren der Spiele“ oder Fan-Filme wie „The Gamers“ verbreiteten diese Kunde allerdings auch unter dem gemeinen Volk der Nicht-Rollenspieler.
Trotzdem wird LARP bis dato eher selten in Unterhaltungsfilmen thematisiert. Schade, denn „Knights of Badassdom“, welcher sich diesem Thema annimmt, beweist, dass – in Kombination mit weiteren Elementen unterschiedlicher Genres – das Vorhaben durchaus funktionieren könnte, steckt doch viel Potenzial darin.

Teils liebe- und oft humorvoll nimmt „Knights of Badassdom“ das Liverollenspiel auf die Schippe, das als Ausgangssituation für die fantastischer werdende Handlung fungiert. Dabei ist es zwar nicht zwingend erforderlich, sich mit dem Liverollenspiel auszukennen, schaden tut dies jedoch auch nicht, um den „Rollenspielhumor“ und die Insiderjokes vollständig zu verstehen.

Der offizielle Trailer zum Film deutete bereits vor dem Kinostart das Potenzial von „Knights of Badassdom“ an, indem aussagekräftige Ausschnitte dieser außergewöhnlichen horrorkomödiantischen Rollenspiel-Parodie dargeboten wurden. Die kurzen Szenen versprachen neben einer hohen Gagdichte zudem gelungene Fantasy-Elemente, Horror-Einlagen und ein überschaubares Staraufgebot an Schauspielern.
Leider war aus dem Trailer nicht ersichtlich, dass in diesem bereits alle nennenswerten Höhepunkte gezeigt wurden.

So fällt die Story derart kurz(weilig) und bündig aus, dass man meinen könnte, es gäbe gar keine. Und doch reichen die knapp 81 Minuten vollkommen aus, um den Film auf den Punkt zu bringen. Jede weitere Minute wäre hinsichtlich der Pointen, der Spannung und des Inhalts überflüssig gewesen. Und Tiefgang sollte, darf und möchte man hier ja erst gar nicht suchen.

Entsprechend zügig geben sich LARP- und Splatter-Elemente die Hand; Letztere verdrängen aber im Laufe der kompakten Spielzeit die Erstgenannten zusehends, sodass schon bald die Horror-Aspekte dominieren. Wie schon erwähnt wird dadurch nichts unnötig in die Länge gezogen, andererseits manifestiert sich aber der Eindruck, dass jede Zutat, die „Knights of Badassdom“ ausmacht, nicht 100%ig ausgeschöpft wird.

Immer Ärger mit der Ex: Die Schöne wird zum Biest. (Copyright: Pandastorm Pictures)

Immer Ärger mit der Ex: Die Schöne wird zum Biest. (Copyright: Pandastorm Pictures)

Dies trifft für viele Zuschauer sicherlich auch auf die Spezialeffekte zu. Sind die Splatter- und Horrorszenen wenn auch nicht neu, so doch immerhin noch recht modern inszeniert, scheint die Darstellung des heraufbeschworenen Dämons eher eine Hommage an alte Verfilmungen von beispielsweise „Godzilla“ zu sein. Einfach, offensichtlich und „altbacken“ trottet die Teufelsbrut über das Rollenspielgelände und metzelt sich den Weg frei. Dies könnte für einige zur unfreiwilligen Lachnummer werden, von anderen jedoch durchaus positiv gewertet werden, denn die dabei mitschwingende Selbstironie (ob absichtlich oder versehentlich) weiß zu gefallen.

Die Besetzung kann sich ebenfalls sehen lassen. Allerdings scheiden vielversprechende Figuren (u.a. „Game of Thrones“-„Gnom“ Peter Dinklage) viel zu früh aus dem Leben, als dass sie als „Hauptfigur“ tituliert werden oder ihr für die Rolle vorhandenes Potenzial auch nur ansatzweise ausschöpfen könnten.

Ein riesen Pluspunkt bescheren der Soundtrack und die damit einhergehende Affinität zum Heavy Metal. Die Songuntermalung, die – ohne spoilern zu wollen – eine Rolle bei der Lösung des Dämonenproblems spielen wird, lässt jedes Metalherz höher schlagen und wirkt in sich stimmig gewählt. Nicht zu erwarten ist es insbesondere die Figur Joe (gespielt von Ryan Kwanten, bekannt aus der Serie „True Blood“ und derzeit zu sehen in „Northmen – A Viking Saga“), die ihr dies betreffendes musikalisches Talent mehrmals unter Beweis stellt. Ein gelungener Überraschungseffekt.

Joe (Ryan Kwanten) als unfreiwilliger LARPer. (Copyright: Pandastorm Pictures)

Joe (Ryan Kwanten) als unfreiwilliger LARPer. (Copyright: Pandastorm Pictures)

„Knights of Badassdom“ hat alles in allem einige schöne und lustige Momente, der Zuschauer könnte jedoch gleichzeitig ein wenig enttäuscht zurückbleiben.

Wer sich von den Kritikpunkten trotzdem nicht abschrecken lässt oder immer noch neugierig auf „Knights of Badassdom“ ist, für den heißt es: Augen auf, Hirn aus und ab dafür! Habt teil an dem Film, der frei nach dem Motto „Besiege den Dämon. Rette das Königreich. Kick Some Ass!“ LARP in das Horror-Genre trägt.

Trailer

Handlung

Beim Liverollenspiel-Event „Evermore“ beschwören die drei Nerds Hung, Eric und Joe und Kriegerin Gwen aus Versehen eine Dämonenbraut aus der Hölle herauf. Das Teufelsweib sieht aus wie Joes Ex-Freundin und macht blutrünstige Jagd auf die Rollenspieler. Die LARPer müssen sich zusammentun und beweisen, dass sie nicht nur Möchtegern-Helden sind. Die – echte! – Schlacht um Evermore beginnt …

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Knights of Badassdom – Homepage (englisch)
Knights of Badassdom – Homepage (deutsch)
Knights of Badassdom – Facebook (englisch)
Knights of Badassdom – Facebook (deutsch)

Details

Format: Dolby, DTS, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 28.10.2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 81 Minuten
Extras: Interviews, San Diego Comic-Con Panel, Featurettes (Horror meets Comedy / Special Effects), Kinotrailer, Trailershow

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde