Review

>Mike muss sterben<

Darüber sind sich alle Bewohner der kleinen Gemeinde Balling auf der dänischen Insel Fünen einig.

Doch wieso, weshalb und warum? Darüber wiederum klärt die erste Staffel der Serie „Killing Mike“ (Original: „Deliver Us“) alle Fans von Genre-Mix-Produktionen aus Drama und Thriller in acht Episoden auf ca. 480 Minuten Laufzeit auf.

In Balling kennt jeder jeden. Doch Mike kennt alle scheinbar am besten. Ganz zum Leidwesen der Bewohner, denn besonders um ihre Fehler, Schwächen und Leichen im Keller scheint der Dorftyrann zu wissen. Das macht einige erpressbar, andere sind Mike dadurch völlig ausgeliefert – und dieser nutzt sein Wissen vermeintlich schamlos aus und richtet es nicht selten auch gewalttätig gegen seine Mitmenschen.

Abgründe tun sich auf

Mit Aktionen hochgradiger Tierquälerei, sadistischen Gebaren und sinnlosen Gewaltexzessen aus Übermut und Langeweile wird Protagonist Mike, gespielt von Morten Hee Andersen, den Zuschauern vorgestellt. Ein Unsympath, wie er im Buche steht. Entsprechend schnell entwickelt man Verständnis für die von ihm geplagten Bewohner, darunter vor allem Dorfarzt Peter (Claus Riis Østergaard), sein Bruder Martin (Anders Juul), Bibi (Lene Maria Christensen), John (Mads Rømer) und Milad (Dar Salim).

Doch hinter dem rüpelhaften Benehmen von Mike steckt mehr, als der Zuschauer zunächst vermutet – und auch die Leben der genannten Dorfbewohner sind weitaus weniger unbescholten, als es den Anschein hat.

Aber so unterschiedlich ihre eigenen Probleme und Schicksale auch sind, eins haben sie gemeinsam: Mike muss in ihren Augen – und aus jeweils ganz individuellen Motiven – sterben. Daher wird sich zu einer Art „Selbsthilfegruppe“ der besonderen Art zusammengeschlossen und der perfekte Mord an Mike geplant.

In die Länge gezogen

Der Zuschauer nimmt daran teil, nicht ohne diverse Emotionen zu durchleben. Diese sowie die meist beklemmende Atmosphäre und die Botschaft der Serie hätten in ihrer Wirkung jedoch weitaus stärker ausfallen können, wenn man „Killing Mike“ nicht derart in die Länge gezogen hätte. So wären die acht Folgen der ersten Staffel definitiv gut auf einen Zweiteiler komprimierbar gewesen, ohne an Aussagekraft einzubüßen. Da dies nicht erfolgt ist, zieht sich die Serie ein ums andere Mal und es braucht schon einiges an Durchhaltevermögen, um in diesen Phasen nicht ganz abzuschalten.

Üben sich im Töten: John (Mads Rømer), Peter (Claus Riis Østergaard), Milad (Dar Salim) und Bibi (Lene Maria Christensen) in „Killing Mike – Staffel 1“. (Copyright: Tine Harden / Rolf Konow)

Sollte dies doch einmal passieren, sorgen „Was bisher geschah“-Rückblicke zu Beginn einer jeden neuen Folge für eine adäquate Zusammenfassung des bis dato relevanten Geschehens.

Auch die eigentlich überraschenden, durch die Länge der Serie aber dann doch absehbaren Wendungen gegen Ende der Staffel überzeugen und verdeutlichen, dass es oftmals eben nicht nur Schwarz oder Weiß gibt.

Menü mit optischen Schwächen

Apropos: Das schnell aufgebaute Menü kommt mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund daher. An sich eine optisch gute Aufmachung, allerdings wird die Aus- und Anwahl der einzelnen Menüpunkte kaum erkenntlich angezeigt. Dies hätte man deutlich sichtbarer gestalten können.

Fazit

„Killing Mike“ ist eine Serie darüber, was passiert, wenn Menschen ihren innersten primitiven Instinkten freien Lauf lassen – mit Rache, Hass und Zorn. Zugleich ist es eine Geschichte über die Liebe: Darüber, wie weit wir bereit sind zu gehen, um die zu schützen, die wir lieben.

Diese Intentionen werden auch gut herausgearbeitet und an die Zuschauer transportiert. Nichtsdestotrotz hätten der Produktion mehr Tempo und Kürzungen nicht geschadet. Indem man dies versäumt hat, schöpft man das vorhandene Potenzial nicht gänzlich aus. Eine Fortsetzung wird daher nur bedingt sehnlichst erwartet.

Trailer

Handlung

Wenn du Gott spielst, weckst du auch den Teufel

Die kleine Gemeinde Balling auf der dänischen Insel Fünen hat ein Problem: Mike.

Dorftyrann Mike verbreitet seit Jahren Angst und Schrecken. Keiner ist vor ihm sicher. Anderthalb Jahre nach dem Tod seines Sohnes stellt Dorfarzt Peter Mike auf einem Fest betrunken zur Rede, weil er überzeugt ist, dass sein Sohn vorsätzlich von Mike überfahren wurde. Peter wird von seinen Freunden von dem Fest weggebracht. In der örtlichen Kneipe wird allen Beteiligten klar, dass sie Mikes Tod herbeisehnen – und so beschließen sie, ihn umzubringen …

(Quelle: Eye See Movies)

Episoden

01 Rache
02 Spaß an der Angst
03 Tod auf Raten
04 Treffpunkt Kiesgrube
05 Es lebe die Mörder-Gruppe
06 Operation Sonnenwendfeuer
07 Das Attentat
08 Blutzoll

Details

Sprache: deutsche Sprachfassung
Tonformat: DTS HD MA 5.1
Bildseitenformat: 16:9 bzw. 1.920×1.080
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Eye See Movies / AV Visionen
Erscheinungstermin: 05.11.2020
Spieldauer: 480 Minuten
Extras: 12-seitiges Booklet

Copyright Cover: Eye See Movies



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde