Review

John Niven legte mit „Kill Your Friends“ einen Bestseller auf das literarische Parkett, der geradezu prädestiniert war für eine Verfilmung. Jener nahm sich Regisseur Owen Harris an und das Ergebnis – mit Nicholas Hoult (u.a. bekannt aus „About A Boy“, „Warm Bodies“, „Jack and the Giants“ oder der TV-Serie „Skins“) in der Hauptrolle – kann sich sehen lassen.

Wie üblich bleibt die Adaption natürlich nicht verschont von der Kritik und Diskussion, ob nun Film oder Buch zu präferieren ist – und wie in den meisten Fällen geht die Tendenz zur schriftlichen Variante, doch insgesamt leistet Owen Harris mit seiner bunt gemischten Besetzung und der Mischung aus zynischer Komödie, Drama, Satire und Thriller, die sich irgendwo zwischen dem Wahnsinn von „American Psycho“ und dem Roadmovie-Charme von „Fear and Loathing in Las Vegas“ bewegt, sehr gute Arbeit.

Und das, obwohl es den Zuschauern zu Beginn nicht gerade leicht gemacht wird, einen unvermittelten Zugang zum Film zu bekommen, der einen etwas anderen Blick hinter die Fassade des Musikbusiness gewährt. Insbesondere die Zuschauer, die das Buch nicht kennen, tappen einige Zeit im Dunkeln, wo „Kill Your Friends“ sowohl inhaltlich als auch stilistisch respektive Genre bezüglich in den nächsten 99 Minuten hinführen mag. Ist man dann jedoch erst einmal in der Handlung drin, gewinnt diese nicht nur an Klarheit und (trotz bizarrer und zynischer Komponente) Plausibilität, sondern gleichzeitig entwickelt der Film eine Dynamik und ein Tempo, sodass der Protagonist immer schneller und eindrucksvoller in einen Sog der Ereignisse gerät.

An diesen Geschehnissen, die mal blutig, mal schwarz humorig, immer aber unmoralisch ausfallen, ist Nicholas Hoult in seiner Rolle als Steven Stelfox und mit seinem Auftritt als zynische One-Man-Show meist aktiv beteiligt und kennt in seinem Handeln keine Skrupel. Sowohl seine Drogeneskapaden als auch seine Methode, im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen zu gehen, nimmt man ihm ab. Dabei werden vor allem die „Kollateralschäden“ auf Stelfox‘ Weg die Karriereleiter hinauf mit reichlich Kunstblut versehen, auch wenn diese Szenen teils sehr subtil innerhalb des Films auftauchen.

Insgesamt überzeugt in „Kill Your Friends“ das Unerwartete, denn neben überraschenden und hervorragend eingesetzten Wendungen sorgen Elemente wie Flashback-artige Passagen und direkt an den Zuschauer gerichtete Monologe der Hauptfigur für Abwechslung.

„Kill Your Friends“ greift selbstverständlich auch gängige Klischees des Musikbusiness auf und überlässt es dem Zuschauer, etwaige vorhandene Funken Wahrheit herauszufiltern. Ob die Integration der Klischees letztlich zum Lachen oder Nachdenken (oder beidem) führt, Fakt ist, sie sind stets passend eingebunden und unterstreichen oftmals den satirischen Ansatz des Films.

Haifischbecken Musikindustrie: Steven Stelfox (Nicholas Hoult) und Kollegen auf der Suche nach dem ultimativen Hit. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Haifischbecken Musikindustrie: Steven Stelfox (Nicholas Hoult) und Kollegen auf der Suche nach dem ultimativen Hit | Copyright: Ascot Elite Home Entertainment

Für eine bissige Musikindustrie-Satire gehört natürlich auch ein ordentlicher Soundtrack zum Programm. Musik gibt es – u.a. von Oasis, Blur, Radiohead, The Prodigy und The Chemical Brothers – auch ausreichend zu hören, doch insgesamt bleibt diesbezüglich ein eher nüchterner Eindruck zurück. Nicht immer passend, dafür aber teilweise sehr klischeehaft platziert dröhnen beispielsweise technoide Klänge immer dann aus den Boxen, wenn wieder einmal ein drogenbedingter Absturz auf dem Drehplan steht. Das Setting, zeitlicher und musikalischer Schauplatz ist die Britpop-Szene des Jahres 1997, wird hingegen nur unzureichend widergespiegelt. Hier steckt noch mehr Potenzial drin, als letztlich genutzt wird.

Gleiches gilt für das Bonusmaterial der käuflich zu erwerbenden DVD-Veröffentlichung. Neben einer obligatorischen Trailershow und dem Originaltrailer von „Kill Your Friends“ kann der Zuschauer durch ein Interview mit Nicholas Hoult (auf Englisch mit deutschem Untertitel) einen kurzen Blick hinter die Kulissen werfen, der Informationsgehalt ist jedoch ebenso dürftig wie die Fragen unkreativ. Ein durch Zusatzmaterial bedingter Mehrwert sieht anders aus, doch letztlich kommt es ja auf den Film an sich an und jener kann durchaus punkten.

Trailer

Handlung

Lug. Betrug. Mord.
Ein ganz gewöhnlicher Tag in der Musikindustrie.

„Stell dir vor, du stehst auf papierdünnem Eis. Unter deinen Füßen siehst du Haie kreisen, schreckliche Haie mit Zähnen aus Injektionsnadeln. Das sind deine Kollegen, deine Freunde.“

So beschreibt Steven Stelfox seine Situation als A&R-Manager in der Musikindustrie. Dabei ist er selbst einer der gefährlichsten Haie, die durch die Britpop-Szene der 90er kreisen. Ständig auf Drogen ist er auf der Suche nach dem nächsten großen Hit. Profit ist sein Gott und Karriere das einzige Ziel des skrupellosen Ehrgeizlings. Und ganz nach Haifisch-Manier müssen Kollegen und „Freunde“, die den Aufstieg behindern, aus dem Weg geräumt werden. Mord ist das Erfolgsgeheimnis des Zynikers, der die Zuschauer auf eine wilde Reise durch sein blutrotes Leben mitnimmt.

(Quelle: Ascot Elite)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 18.03.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 103 Minuten
Extras: Originaltrailer / Trailershow / Interview mit Nicholas Hoult

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde