Review

Es gibt viele Schauspieler, die – einmal eine erfolgreiche Rolle gespielt – nie wieder von dieser loskommen. Gerade wenn man einen Seriencharakter über Jahre verfolgt und mit ihm mitgefiebert hat, kann es schon schwer sein, wenn dieser plötzlich außerhalb des gewohnten Kontextes auftritt. Und das auch noch in einem Film, der ein ausgesprochen sensibles Thema in Angriff nimmt. Wie also machen sich Isobel Stevens und Rory Gilmore – Pardon! – Katherine Heigl und Alexis Bledel in einer Drama-Komödie über das Coming-out einer jungen Frau vor ihrer Familie? Nicht zu schlecht, das kann vorab schon verraten werden. Allerdings gibt es dennoch einige Schwierigkeiten bei diesem Streifen.

Jede unverheiratete Frau in einem gewissen Alter kennt sie, diese bohrenden Blicke und stotternden Fragen. Gibt es einen Partner? Wann ist die Hochzeit? Tickt nicht so langsam mal die innere Uhr? Auch Jenny (Katherine Heigl), Tochter von Rose (Linda Emond) und Eddie (Tom Wilkinson), Schwester zweier bereits verheirateter anderer Kinder, muss sich dieses Gestichel und Gedrängel jahrein, jahraus anhören – und das, obwohl sie bereits seit langer Zeit in einer glücklichen Partnerschaft lebt. Mit ihrer „Mitbewohnerin“ Kitty (Alexis Bledel).
Als Jenny allerdings beschließt, mit der Wahrheit vor ihrer konservativen Familie herauszurücken, geschieht die wohl schlimmste Katastrophe, die sich ein Kind vorstellen kann: Die Familie droht zu zerbrechen, denn in der kleinen Welt der Eltern und der gesamten Nachbarschaft scheint eine lesbische Tochter einfach keinen Platz zu haben …

So dramatisch sich der Plot anhört, so zahm stellt sich der Film allerdings dar. Denn was zunächst anmutet, wie eine Geschichte über eine junge Frau, die sich nicht länger verstecken will, ist eigentlich eher eine Art Verarbeitung der Eltern dieser für sie schockierenden Nachricht. Wobei vor allem zunächst die Mutter das Ganze nicht wahr haben will. Sie wünscht ihrer Tochter zwar alles Gute, jedoch kann und will sie die Öffentlichkeit nicht miteinbeziehen. Sie habe doch auch ein Leben. Eine Reaktion wie aus dem Bilderbuch; das gewohnte „was werden nur die Nachbarn sagen?“, welches verständlich im Kleinstadtkontext ist, aber filmisch hier nie völlig ausgelebt, sondern eher angedeutet wird. Ein leises Kratzen an der Oberfläche, das zu einem klassischen Mutter-Tochter-Konflikt zu führen scheint.

Der Vater hingegen hält sich zurück. Er, der vorher ein inniges Verhältnis zu seiner Tochter zu pflegen scheint, versteht sie nun zwar nicht mehr, scheint aber zunächst auch nicht weiter über diese Entwicklung nachzudenken. Erst als Jenny ihre Mutter in aller Öffentlichkeit vor den Kopf stößt, indem sie ihre Beziehung zu Kitty und die geplante Hochzeit mit ihr vor der Nachbarschaft zugibt, kippt auch bei ihm die Stimmung und nach einem großen Streit herrscht Funkstille. Eine Reaktion, die den gesamten weiteren Verlauf des Films beeinflusst, die aber leider erst in den letzten fünf Minuten aufgeklärt und somit verständlich wird. Bis dahin fragt sich der Zuschauer beharrlich, warum denn plötzlich der Vater ein Problem hat – und die Mutter nicht. Es ist ein Twist, der nicht gut genug ausgearbeitet wurde.

Und das muss man leider generell über die Charaktere sagen. Die inneren Regungen und Vorgänge sind stets eine Andeutung. Daher fällt es schwer, den Figuren hundertprozentig zu folgen.
Hinzu kommt auch die Art der Erzählung. Fast episodenhaft springt die Handlung von Punkt zu Punkt, zeigt einen Entschluss der Protagonistin und in der nächsten Szene die Reaktion der Familie darauf. Es ist ein gerafftes Erzählen, das sicherlich für mehr Spannung sorgen soll, jedoch an einigen Punkten leider den Erzählfluss unangenehm unterbricht. Zwar findet man sich schnell wieder hinein, jedoch sind diese gelegentlichen Abbrüche doch schade.

Genauso wie die ausgesprochen geringe Screentime von Alexis Bledel, welche nie über die blasse Darstellung der Mitbewohnerin hinausgelangt, obwohl sie doch Jenny eigentlich Partnerin sein sollte. Hier wissen Fans der jungen Schauspielerin, dass sie durchaus mehr leisten kann. Allerdings ist „Jenny’s Wedding“ eben doch eher ein Film über die Eltern, als über das junge Paar. Diesbezüglich schürt der Trailer leider eine falsche Erwartungshaltung.

Was übrig bleibt, nachdem man sich von dieser Erwartung trennt, ist aber nicht nur schlecht. Denn auch wenn die Reaktionen von Rose und Eddie nicht immer ganz verständlich sind, so erkennt der Zuschauer doch – gerade bei Tom Wilkinson – das große, schauspielerische Potenzial. Und auch der Einfall der Regisseurin Mary Agnes Donoghue, dass sich, inspiriert von Jennys Coming-out, auch deren Schwester Anne (Grace Gummer) endlich traut, ihre triste Ehe mit dem Nichtsnutz Frankie zu beenden, ist ein durchaus schöner Zug.

Katherine Heigl und Alexis Bledel als Liebespaar in einer konservativen Familien- und Kleinstadtidylle. (Copyright: Universum Film)

Katherine Heigl und Alexis Bledel als Liebespaar in einer konservativen Familien- und Kleinstadtidylle. (Copyright: Universum Film)

Um ein abschließendes Urteil über „Jenny’s Wedding“ zu fällen, muss man also viele Faktoren abwägen. Zum einen ist es ganz neutral betrachtet weniger eine Queer-Dramedy, wie angekündigt, als eher eine Art Familienporträt, das in Sachen Figurenentwicklung leider eher blass bleibt. Positiv hingegen ist zu sehen, dass tatsächlich keinerlei reißerische Nackt- oder Kussszenen oder ähnliches zwischen Jenny und Kitty gezeigt werden, um Quoten zu generieren.

Die Handlung spielt sich also in einem emotionalen Feld ab und ist – und das soll hier nochmals betont werden – auch gespickt mit einigen klugen Aussagen: Denn was ist der richtige Grund zum Heiraten? Wenn man den richtigen Menschen trifft. Und gegen alle widrigen, gehässigen Zweifler bringt der Film folgendes Statement an: Wie kommt man darauf, dass zwei Frauen, kostümiert in Brautkleidern, ein würdiges Ehepaar abgeben? – Weil man die Personen kennt und sie immer schon würdige Menschen waren. Und diese Botschaft wird in „Jenny’s Wedding“ transportiert, wodurch einige andere Schwächen des Films doch wieder wettgemacht werden können.

Trailer

Inhalt

Wann findet Jenny (Katherine Heigl) nur den richtigen Mann? Diese Frage stellen sich ihre Eltern inklusive der kleinen Stadtgemeinde, in der Jenny groß geworden ist, immer wieder. Niemand ahnt, dass Jenny längst die Richtige gefunden hat. Mit Kitty (Alexis Bledel), die alle für Jenny’s beste Freundin und Mitbewohnerin halten, ist sie seit fünf Jahren glücklich zusammen. Als Jenny endlich den Mut fasst, ihren Eltern (Tom Wilkinson und Linda Emond) von ihrer Beziehung und ihren frisch gefassten Hochzeitsplänen zu erzählen, zerplatzt die Seifenblase, in der ihre konservativen Eltern bis dahin gelebt haben und droht die Familie auseinanderzugreißen.

(Quelle: Universum Film GmbH)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 11.03.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 91 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.