Review

„Ironclad 2“ heißt den Zuschauer auf ein weiteres Mal im rauen Mittelalter willkommen.

„Blut, Schweiß, Tränen und noch mehr Blut“ soll einen bei diesem epischen Schlachtengetümmel laut Pressetext erwarten und ganz so falsch ist dieses Versprechen auch nicht, worauf zum einen der Hinweis „Uncut“ als auch der Untertitel „Bis aufs Blut“ hinweisen.

Das blutig-brachiale Cover, das den Protagonisten, dem ein verbissener Kampfeswille ins Gesicht geschrieben steht, mit seinem blutverschmierten Schwert zeigt, während im Hintergrund die Burg der Familie De Vesci aufragt, scheint die Aussage über den Film „Ironclad 2“ ebenfalls zu bestätigen. Zeit also, unter die Lupe zu nehmen, ob auch der Konsument diesbezüglich zustimmt.

Nach den 104 Minuten Spielzeit des Films steht fest: Ja, „Ironclad 2“ ist recht brachial. Man bekommt zudem reichlich Blut, Schweiß und gelegentlich auch Tränen präsentiert, doch zurück bleibt außerdem der ernüchternde Eindruck, dass viel an Potenzial verschenkt wurde.

Rohe Sitten im Mittelalter (Copyright: Universum Film)

Rohe Sitten im Mittelalter (Copyright: Universum Film)

Der Plot des zweiten Teils von „Ironclad“ – übrigens unabhängig vom ersten Teil anschaubar, da kein direkter Zusammenhang der Filme „Ironclad 1 – Bis zum letzten Krieger“ und „Ironclad 2 – Bis aufs Blut“ besteht – ist einfach und reduziert sich im Grunde auf ein Belagerungsszenario, welches einem in ähnlicher Weise bereits in „Ironclad 1“ gezeigt wurde.
Schauplatzwechsel finden somit eher selten statt und auch die in die Handlung über die Verteidigung einer Burg eingebetteten kleinen Liaisons, welche den nackte-Haut-Faktor bedienen, fallen recht oberflächlich aus, werden sie doch nur am Rande thematisch gestreift.
All dies erklärt allerdings die kurze Spielzeit des Films, der – wie häufig im History-Action-Genre anzutreffen – historische Fakten mit Fiktion kombiniert.

Gemäß des inhaltlichen Schwerpunkts und entsprechend des Genres besteht „Ironclad 2“ überwiegend aus Kampf- und Actionsequenzen, die Tempo in die Handlung bringen.
Dabei gehen die Schauspieler nicht gerade zimperlich miteinander um, sodass einiges an Kunstblut fließt und spritzt. Es wird geköpft, geschlitzt und ausgeweidet, dass es eine Freude ist, zuzusehen – sofern man auf derartige Filme steht, versteht sich, und wenn nicht der Schnitt und die Kameraführungen gerade in diesen Szenen so hektisch wirken würden. Da fragt man sich schon, wieso sich solche Mühe bei den Inszenierungen gegeben wurde, wenn man sie als Zuschauer derart rasch und ungenau zu sehen bekommt.

Oft ruckeln die Aufnahmen, viele Male wird ungünstig von unten herauf gefilmt. Sicherlich ist dies Absicht, als effektiv kann man dieses Vorgehen aber nicht bezeichnen; vielmehr wirkt das Ganze amateurhaft und störend und stellt sicherlich kein Mittel dar, um ein historisches Epos, wie „Ironclad 2“ eines sein möchte (und auch eines hätte sein können), zu produzieren.
Im Gegenteil, hat es dadurch doch oft den Anschein, als ob vereinzelte Schwerthiebe, die auf die Schnelle dann doch mal auszumachen sind, das jeweilige Ziel ganz offensichtlich verfehlen. Wäre die Bildabfolge also langsamer und genauer ausgefallen, hätten die Kämpfe pointierter sein müssen. Irgendetwas ist also immer bei „Ironclad 2“.

Äußerst effektvoll ist hingegen die einmalig zum Einsatz kommende Slow-Motion-Einspielung mitten während eines Kampfes, denn indem plötzlich die Hektik herausgenommen und der Fokus auf einzelne Figuren gelenkt wird, deren Handlungen zeitlupenartig dargestellt werden, kommt auch der Zuschauer auf seine Kosten und nimmt erstmals Details des Films wahr; darunter leider aber auch die der Kostüme.

Die Schotten machen den Engländern die Hölle heiß. (Copyright: Universum Film)

Die Schotten machen den Engländern die Hölle heiß. (Copyright: Universum Film)

Diese sind zwar rein optisch ganz hübsch und passend ausgefallen, aber wie zur Hölle bleiben die Rüstungen und Gewänder nur so sauber im ach so „rauen Mittelalter“, das durch tägliche Kämpfe gezeichnet ist?
Auch wenn man die Arbeit der Kostümbildner dadurch vielleicht in Ehren halten wollte, hier hätten mehr Dreck und Kunstblut nicht geschadet, um für ein archaischeres Erscheinungsbild der Figuren zu sorgen.

Apropos Figuren: Die Besetzung ist solide. Es wurden Darsteller arrangiert, die zwar nicht unbedingt das Who is Who der Schauspielerzunft darstellen, ihre Arbeit aber gut verrichten und die zu spielenden Rollen angemessen verkörpern.
Namen wie Michelle Fairley oder Roxanne McKee sind den Fans aus der Serie „Game of Thrones“ sicherlich schon ein Begriff und auch das Gesicht des Protagonisten Guy, gespielt von Tom Austen, hat man bereits in „Die Borgias“ gesehen. Amateurhaft ist die Schauspielerei damit also keineswegs, allerdings ist die Handlung zu eintönig und die Spielzeit zu kurz, als dass die Darsteller ihr gesamtes Talent zeigen können.

Das Bonusmaterial ist sehr übersichtlich ausgefallen, denn neben dem Trailer zum Film stößt man unter dem Menüpunkt „Extras“ lediglich auf das Featurette „Battle for Blood“, das zwar einen gelungenen Blick hinter die Kulissen gewährt, aber mit nur mäßiger Qualität daherkommt. Die dabei zum Einsatz kommenden Interviewausschnitte werden von Hintergrundgeräuschen des Sets dominiert; deutsche Untertitel sucht man vergebens. Interessant ist hingegen zu sehen, wie die Kampfszenen des Films entstanden sind, viel Neues erfährt man diesbezüglich allerdings nicht.

Alles in allem ist „Ironclad 2“ ein kurzweiliger History-Action Spaß, der aber einiges an Potenzial unausgeschöpft lässt und sich zu einseitig präsentiert. Es wäre weit mehr drin gewesen! Wem es nicht so auf eine komplexe Handlung ankommt, sondern wer sich auch nur für reine Kampfszenen begeistern kann, der sollte einen Blick riskieren, allerdings muss man die Art der Kameraführung mögen.

Trailer

Inhalt

England im 13. Jahrhundert. In der brutalsten Zeit des Mittelalters muss sich die Familie De Vesci auf ihrer Burg gegen die blutrünstigen keltischen Stämme verteidigen, die alles abschlachten, was ihnen auf ihren Raubzügen in den Weg kommt. Als der Sohn des Kelten-Häuptlings jedoch in einer hart umkämpften Schlacht stirbt, sind die Kelten auf blutige Rache aus. Der Sohn des Familienoberhaupts, Hubert De Vesci, macht sich im Schutz der Nacht auf den Weg, Hilfe zu holen, um die Chancen seiner Familie zu gewährleisten. Die Hoffnung liegt auf seinem Vetter Guy, der jedoch unter den Taten seiner Vergangenheit als kaltblütiger Söldner leidet …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Regionalcode: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 25.07.2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer Film: 104 Minuten
Spieldauer Bonusmaterial: ca. 17 Minuten
Bonus: Featurette „Battle for Blood“ / Trailer

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde