Review

Mondnazis never die!

Das behauptet zumindest der Klappentext der Science-Fiction-Komödie „Iron Sky: The Coming Race“, die sogleich den Beweis dieser Behauptung als nahtlose Fortsetzung des 2012er Crowdfunding-Erfolgsschlagers „Iron Sky“ von Independent-Regisseur Timo Vuorensola antritt.

Vuorensola führt auch im zweiten Teil der finnischen Produktion Regie und ließ diesen erneut hauptsächlich durch eine Crowdfunding-Kampagne finanzieren.

Herausgekommen ist dabei ein Potpourri an popkulturellen Zitaten, religiösen und pseudoreligiösen Parodien und sozial-politischen Karikaturen. Abermals verpackt in eine aberwitzige Sci-Fi-Hintergrundgeschichte, die 20 Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils spielt.

Anders als erwartet treten die in „Iron Sky“ omnipräsenten Mondnazis in „Iron Sky: The Coming Race“ jedoch fast komplett in den Hintergrund. Vielmehr agiert nur deren Führer (gespielt von Udo Kier) – im Verbund mit anderen, von Außerirdischen verkörperten menschlichen Bösewichten aus der Historie – als Antagonist. Man umgeht damit gleichzeitig und erfreulicherweise eine thematische Wiederholung zu „Iron Sky“. Indes fokussiert sich die Handlung – in fast schon typischer „Indiana Jones“-Manier – auf die Bergung des Heiligen Grals aus den Händen der Vril im Erdinneren. Somit nimmt die Verschwörungstheorie von einer Vril-Gesellschaft als Inspirationsquelle auch in diesem „Iron Sky“-Teil wieder einen großen Stellenwert ein.

Man bewegt sich gewollt nah an der Grenze zum Trash – und überschreitet diese zuweilen auch gerne mal.
Gerade die Rückblick-Szenen, in denen die außerirdischen Vril mit Dinosauriern in Kontakt kommen oder in die Evolution mittels der beiden Affen Adam und Eva eingreifen, erinnern in Optik und Inszenierung an japanische Monsterfilme der 60er Jahre und stehen im absoluten Gegensatz zu den visuell beeindruckenden Animationen der zahlreichen Actionszenen.

Die damit einhergehenden Spezialeffekte können sich sehen lassen, wirken sie doch weitaus epischer als in so manch gleichartigem Film.

Sehr gelungen ist zudem die Darstellung der sektenartigen Religion des Jobsismus auf der Mondbasis. Einer von vielen real-satirischen Seitenhieben; in diesem Fall auf die kulthafte Verehrung Steve Jobs und seiner weißen Apple-Ästhetik.

Trotz Dinos fehlender Biss

Während außerdem das Ende überzeugen kann, das einen schönen Ausblick auf einen eventuellen dritten Teil gewährt, muss man nach der sehr kurzen Spielzeit von 87 Minuten dennoch feststellen, dass „Iron Sky: The Coming Race“ das vorhandene Potenzial in vielerlei Hinsicht nicht vollkommen ausschöpft. Mehr Biss, vor allem was satirische und parodistische Szenen betrifft, hätte dem Streifen durchaus gutgetan.

Leonardo da Vincis Abendmahl-Gemälde mal anders. Eines von vielen visuellen Zitaten in „Iron Sky: The Coming Race“. (Copyright: Splendid Film)

Auch die Schauspieler agieren allesamt (gewollt) limitiert und klischeehaft.

Einzig Lara Rossi in ihrer Rolle als Obi kann ihren Part einigermaßen glaubhaft verkörpern.

Sie sticht aus dem Ensemble, u.a. bestehend aus Vladimir Burlakov, Udo Kier, Julia Dietze, Kit Dale, Tom Green und Stephanie Paul, sehr positiv hervor.

Fazit

Trotz der Kritikpunkte hat „Iron Sky: The Coming Race“ aber einen hohen Unterhaltungswert – insbesondere für diejenigen, die auf derartige Sci-Fi-Komödien mit Hang zum Absurden stehen.

Diese werden dann zusätzlich mit einem ebenso wirren und bunten Soundtrackmix bedient, für den sich überwiegend die Band Laibach verantwortlich zeigt, während der Titelsong von der Band Sunrise Avenue beigesteuert wurde.

 

Trailer

Handlung

Mondnazis never die!

20 Jahre nachdem die Nazis vom Mond aus einen Nuklearkrieg begannen, ist die Erde unbewohnbar geworden. Seitdem formieren sich die Überlebenden zu einer großen Kolonie auf der ehemaligen Mondbasis der Braunhemden. Doch der Trabant droht auseinanderzubrechen. Die einzig verbleibende Möglichkeit für Wissenschaftlerin Obi Washington (Lara Rossi): Flucht ins Erdinnere. Auf ihrer Mission zu einer dort verborgenen Stadt trifft die Tochter von Renate Richter (Julia Dietze) und James Washington aber keineswegs auf standhafte Verbündete. Stattdessen begegnet sie einer prähumanen Dinosaurierwelt und früheren Weltherrschern, die sich unter ihrer menschlichen Maske nur versteckt gehalten haben. Seit Jahrhunderten kontrollieren die „Vril“ die irdischen Staatsregierungen mit dem Ziel, die Vorherrschaft ihrer reptilen Rasse über die Menschen zu erringen. Ein Wettrennen um die Zukunft beginnt. Obi Washingtons größter Konkurrent: Adolf Hitler auf einem T-Rex!

(Quelle: Splendid Film)

Iron Sky – Homepage
Iron Sky – Facebook

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Splendid Film / WVG Medien GmbH
Erscheinungstermin: 27.09.2019
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 87 Minuten
Extras: VFX Breakdown / Musikvideo / Trump-Teaser / Behind-the-Scenes Slideshow

Copyright Cover: Splendid Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde