Review

Wenn brisante Mordfälle die Idylle der Grafschaft Midsomer stören, ruft dies Inspector Barnaby und sein Team auf den Plan. So auch in der Veröffentlichung „Inspector Barnaby – Volume 25“, die dem Krimifan dieses Mal jedoch nicht nur vier neue herkömmliche Fälle serviert, sondern zudem die Jubiläumsfolge 100 beinhaltet.

Viel Zeit zum Feiern bleibt den Protagonisten allerdings nicht, denn schon die erste Episode „Der Trüffelschwein-Mörder“ hält die Ermittler 90 Minuten lang fast durchgehend auf Trab.
Der sich mit dieser Folge ergebende „Strudel aus enttäuschten Liebeshoffnungen und ehrgeizigen Intrigen“ könnte auf den ersten Blick einem Rosamunde Pilcher Roman entstammen, entpuppt sich in „Inspector Barnaby – Volume 25“ jedoch als durchdachter und an Komplexität gewinnender Kriminalfall, der zwar erfahrenen Hobbyermittlern die möglichen Motive der Morde bereits frühzeitig präsentiert, nicht jedoch den Mörder selbst. Ein Kniff, den die Serie stets gelungen anwendet und mit dem man die Spannung einer jeden Episode bis zu ihrem Ende aufrechterhält.

Obwohl „Inspector Barnaby“ nicht auf Blutrünstigkeit oder anderweitige Effekthascherei setzt – derlei Zutaten finden innerhalb der Serie wenn, dann vorrangig subtil statt – überrascht die Produktion im Gegensatz zu ihrem eher konservativ-biederen Ersteindruck immer wieder mit expliziten Bildausschnitten, sofern sie denn nötig sind. Insbesondere der Blick auf den von einem Wildschwein angefressenen Toten in „Der Trüffelschwein-Mörder“ verlangt (wenn auch nur kurz) einen starken Magen vom Zuschauer ab. Das damit einhergehende Überraschungsmoment sowie die rare und überlegte Platzierung solcher Szenen überzeugen und unterstreichen den teils morbiden Charme der britischen Kriminalfilm-Fernsehserie.

In der Mehrheit der Todesfälle geht es aber gesitteter zu. So sorgen beispielsweise Stromschlag- und Vergiftungsopfer für eher „saubere“ Tatorte und auch die Schreckmomente halten sich in Grenzen, sodass die Titelmelodie der Serie meist düsterer erscheint als die Episoden tatsächlich ausfallen. Dies liegt vor allem auch daran, dass es den Machern wichtig ist, die beschaulichen Landschaften und Umgebungen – oft im Tageslicht – einzufangen. Dadurch ergeben sich einige gelungene Kontraste, denn ein Mord bleibt immerhin auch dann ein Mord, wenn er in einem gutbürgerlichen Einfamilienhaus oder einer friedlichen Kulisse wie Midsomer County geschieht.

Bis hierhin erhält der Zuschauer die gewohnte spannende Krimikost, die man vom Detective Chief Inspector und seinen Kollegen gewohnt ist. „Inspector Barnaby – Volume 25“ wird aber regelrecht zelebriert und als etwas ganz Besonderes angepriesen, was der inkludierten Jubiläumsfolge 100 zu verdanken ist. Jene wird auf dem Cover sowohl mit abgebildetem Feuerwerk als auch in Textform ausgiebig angekündigt – doch hält sie anschließend nicht das, was durch die vielzähligen Ankündigungen an Erwartungen im Vorfeld erzeugt wurde. Wäre auf die Erwähnung der 100. Folge verzichtet worden, so hätte der Zuschauer im Grunde gar nicht gemerkt, dass die Episode „Barnaby muss Reisen“ das Jubiläum markiert. Obschon mit einem Schauplatzwechsel (von Midsomer County verschlägt es DCI Barnaby und DS Charlie Nelson nach Kopenhagen) und mit dem aufgrund von nur kurzer Screentime kaum nennenswerten Vaterglück des Protagonisten versucht wurde, gewisse Extras in die Folge einzubauen, bleibt es schließlich genau bei diesen Zusätzen. Darüber hinaus sollte man jedoch nicht allzu viel an Besonderheiten erwarten. Schade, denn hier hätte man das Jubiläum als Anlass nehmen können, um ein Ausrufezeichen zu setzen oder den Zuschauer mit etwas völlig Unerwartetem zu überraschen.

Ein eingespieltes Team: DCI John Barnaby (Neil Dudgeon), DS Charlie Nelson (Gwilym Lee) und Dr. Kate Wilding (Tamzin Malleson) | Copyright: Edel:Motion / Mark Bourdillon

Ein eingespieltes Team: DCI John Barnaby (Neil Dudgeon), DS Charlie Nelson (Gwilym Lee) und Dr. Kate Wilding (Tamzin Malleson) | Copyright: Edel:Motion / Mark Bourdillon

Im Nachhinein betrachtet wurde bezüglich der Jubiläumsfolge also viel Lärm um nichts gemacht. Nichtsdestotrotz gibt sich „Inspector Barnaby – Volume 25“ mit seinen vier neuen Kriminalfällen verlässlich. Die Todesfälle sind dieses Mal etwas weniger abwechslungsreich, dafür trumpfen das Setting mit Facettenreichtum und die Ermittlungsarbeit mit sich zuspitzender Komplexität auf. Stellenweise hätte der britische Humor noch intensiver zum Einsatz kommen können, um die Serie auch auf dieser Ebene an Unterhaltungswert gewinnen zu lassen.

Alles in allem werden Fans mit „Inspector Barnaby – Volume 25“ ihre Sammlung mehr als solide komplettieren können, während Krimi-Liebhaber auf britische Art und Weise einige Stunden mit eigenen Ermittlungen bei Laune gehalten werden.

Trailer

Episoden

DVD I – Der Trüffelschwein-Mörder (Wild Harvest)
DVD II – Flieg, Mörder flieg (The Flying Club)
DVD III – Barnaby muss Reisen (The Killings Of Copenhagen); Folge 100
DVD IV – Britisches Roulette (The Dagger Club)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 29.07.2016
Spieldauer: 360 Minuten
Extras: Interview mit dem Regisseur von Folge 100 / Hinter den Kulissen / DVD-Vorschau

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde