Review

Vier neue Fälle auf vier DVDs warten mit „Volume 24“ wieder auf die Titelfigur gleichnamiger Krimiserie, Inspector Barnaby, der in gewohnt ruhiger, konzentrierter und fokussierter Art mit seinem überschaubaren Team an die Ermittlungen geht.

So beschaulich und malerisch die Kulisse Midsomer County, so grausam und schaurig die Morde, welche die britische Produktion für die Protagonisten und Zuschauer erdacht hat.
Und pro Folge bleibt es meist nicht bei nur einem Todesopfer. Ganze Mordserien, wie in „Da hilft nur beten“ (DVD IV), oder zumindest mit dem aktuellen Mord verbundene weitere Tote sind die Fakten, denen sich Inspector Barnaby jeweils 89 Minuten lang gegenübersieht. Genug Zeit, dass die einzelnen Fälle ausreichend an Komplexität gewinnen, ohne jedoch in Unübersichtlichkeit, Längen oder Unnachvollziehbarkeit auszuarten.

Authentisch und abwechslungsreich gestalten sich auch die Thematiken und Settings von „Inspector Barnaby – Volume 24“. Ob klassische Rachemotive oder Folgen von fehlgeleiteter Trauerbewältigung, ob Geistertouren in einem alten Herrenhaus mit scheinbar paranormalen Aktivitäten oder ein kaltblütiges Morden nach Vorlage mittelalterlicher Folter, der Krimifan wird sich durch den Facettenreichtum der Tode wohl nicht langweilen.

Ganz alltäglich fallen dabei fast immer die Mordwerkzeuge aus. Doch neben z.B. Gartenwerkzeugen kommen auch Käselaiber zum Einsatz, denen ein weiblicher Kopf dann doch nicht gewachsen scheint (vgl. Folge „Reif für die Rache“, DVD II). Zugegeben, eine eher eigensinnige Art, dem Tod ins Auge zu blicken – und doch sehr passend zur ebenfalls schrulligen Serie mit ihren exzentrischen und (im positiven Sinne) sonderbaren Charakteren.

Während die Krimi-Ebene der Serie damit gut abgedeckt ist, mangelt es auch sonst in „Volume 24“ von „Inspector Barnaby“ nicht an Unterhaltungswert. Insbesondere die Episode „Wer mit Geistern spielt …“ (DVD III) hält diesbezüglich einiges parat und stellt zudem die neue Figur Charlie Nelson (gespielt von Gwilym Lee) vor, den neuen Assistenten von Inspector Barnaby (gespielt von Neil Dudgeon).
Als Weihnachtsfolge wirkt „Wer mit Geistern spielt …“ zunächst wenig flexibel, um sie auch abseits der Weihnachtszeit ohne Stimmungseinbußen ansehen zu können. Da das saisonale Thema jedoch nur am Rande eine Rolle spielt, fällt das Ganze weniger weihnachtlich aus als vermutet, denn im Mittelpunkt steht natürlich ein kniffeliger Mordfall und die Einführung der Figur DS Nelson. Jener bildet durch sein junges Alter einen gelungenen Kontrast zum alten Hasen Barnaby und es wird nicht zuletzt durch die oftmals „sportlichen“ Auftritte des jungen Ermittlers deutlich, dass das neue Gesicht auch eine zusätzliche Dynamik in die Serie bringt.

Bei all der Abwechslung und Komplexität: Das Miträtseln um Motive und Täter wird in „Volume 24“ von „Inspector Barnaby“ insofern erschwert, dass dezente Wendungen für Spannung bis zum Schluss einer jeden Episode sorgen.

Bleibt man hier am Ball, schaltet man an anderer Stelle eher ab, denn etwas zu kurz kommen die Handlungsebenen abseits der Mordfälle und der Ermittlungsarbeit. So wird die „private Ebene“ stets unvermittelt und als gegeben integriert. Oft löst das Ende einer Episode diesbezügliche offene Fragen auf, häufig muss sich der Zuschauer jedoch mit Tatsachen ohne nähere Erklärungen oder Zusammenhänge zur vorausgegangenen Folge zufriedengeben.

Mitten ins Herz treffen nicht nur die Mörder in "Inspector Barnaby", sondern auch die schrulligen Charaktere der Krimiserie. (Copyright: Edel:Motion)

Mitten ins Herz treffen nicht nur die Mörder in „Inspector Barnaby“, sondern auch die schrulligen Charaktere der Krimiserie. (Copyright: Edel:Motion)

Ebenfalls sparsam fällt das Bonusmaterial auf „Inspector Barnaby – Volume 24“ aus. Zwar ist das anzutreffende Interview mit Schauspieler Gwilym Lee (auf Englisch mit deutschem Untertitel) interessant und unterhaltsam, gibt jener doch u.a. einige Einblicke in Castingerfahrungen zu seiner Rolle des DS Charlie Nelson, dies und ein paar mehr Informationen, die unter die Rubrik „hinter die Kulissen“ fallen könnten, sind allerdings sehr kurzweilig und im Nu schon am Ende angekommen. Ein minimaler Mehrwert der DVD-Veröffentlichung.

So wie man die Herkunft skandinavischer Krimis fast unweigerlich an Kameraführung, Bild bzw. Farbgebung und Atmosphäre erkennt, weiß man aber auch „Inspector Barnaby“ umgehend zu verorten. Die typisch britischen Krimi-Settings werden nicht nur optisch, sondern auch bezüglich des britischen Humors ersichtlich. Dies betreffend enttäuscht auch „Volume 24“ nicht und lässt alle Trademarks der bisherigen, fast schon kultigen Serie sowie der britischen Produktion erkennen, wenn auch in sehr dezentem Maße. Fans von Barnaby, dem „Tatort“ der Briten, machen aber auch mit der neusten Veröffentlichung nichts falsch.

Episoden

DVD I – König Dame Tod (The Sicilian Defence)
DVD II – Reif für die Rache (Schooled In Murder)
DVD III – Wer mit Geistern spielt … (The Christmas Haunting)
DVD IV  -Da hilft nur beten (Let Us Prey)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 15.01.2016
Spieldauer: 356 Minuten
Extras: Interview mit Gwilym Lee / DVD-Vorschau

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde