Review

Dokumentation über das amerikanische Action-Kino

Das Kult-Jahrzehnt der 80er steht nicht nur für Vokuhila, Zauberwürfel oder Schulterpolster, sondern auch und insbesondere für kultige Filme und ihre Helden: Rambo, McClane, Ripley, Connor, Dutch – sie alle stammen aus dieser Ära, die vor allem das Genre Action-Film geprägt hat.

Für jeden Filmliebhaber, der sich nach dieser goldenen Ära, der Blütezeit des Action-Kinos sehnt, bringt Studio Hamburg die umfangreiche Dokumentation „In Search Of The Last Action Heroes“ von Regisseur Oliver Harper auf den Markt.

Doch wofür steht „Action“?
Gewalt? Geschwindigkeit? Verfolgungsjagden? Schusswechsel? Oder doch Explosionen? Zeichnet sich ein besonders sehenswerter Action-Film durch besondere Spezialeffekte oder Computertechnik oder am Ende des Tages doch durch handgemachte Effekte und Stunts aus?

Diesen und noch einigen Fragen mehr geht die vorliegende Dokumentation über das amerikanische Action-Kino der letzten 50 Jahre nach, wobei etliche Schauspieler, Autoren, Regisseure, Produzenten und Komponisten zu Wort kommen.

Von der Nebensächlichkeit zur Schlüsselkomponente 

Der Film zeichnet die Geschichte hinter dem Genre Action-Film mit großer Akribie und Leidenschaft nach. Beginnend mit den ersten harten Typen des Anti-Western und den entsprechenden Charakterköpfen wie Clint Eastwood, geht der Schwenk in Richtung des asiatischen Martial-Arts-Film der frühen 1970er-Jahre und des großen Superstars Bruce Lee.

Kernstück und Schwerpunkt der Dokumentation sind aber natürlich – und völlig zu Recht – die großen Filme und Stars der 80er und frühen 90er-Jahre. Allen voran geht es natürlich um den Werdegang und den Einfluss von Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, womöglich der beiden Megastars und Legenden des Genres, auf die Blütezeit des Action-Kinos. Von den Anfängen über „Rambo (First Blood)“, „Rambo II – Der Auftrag (Rambo: First Blood Part II)“, „Die City-Cobra (Cobra)“ beziehungsweise „Conan der Barbar (Conan the Barbarian)“, „Conan der Zerstörer (Conan the Destroyer)“, „Terminator (The Terminator)“ oder auch „Das Phantom-Kommando (Commando)“ folgen wir den Karrieren dieser beiden Larger-Than-Life-Superstars und ihrer Konkurrenz im Filmbusiness.

Die Stars des Action-Kinos der 80er

Kaum andere Namen in Hollywood stehen derart sinnbildlich für ein Genre wie Stallone und Schwarzenegger, die einen muskelbepackten Körperkult und Schönheitswahn prägten. Sie brachten maßgeblich das Genre definierende Stereotyp der Killermaschine und der knallharten Ein-Mann-Armee hervor. Diese Helden lebten schlichtweg von ihrer physischen Präsenz und waren seinerzeit derart publik und angesagt, dass sie für Actionfiguren und Spielzeug, aber auch als Spielball für politische Interessen herhalten mussten.

Nach einem Abstecher über die allgemeine 80er-Videotheken-Kultur und das Aufblühen der sogenannten B-Movies als Subkultur und ihren Einfluss auf den Action-Film an sich widmet man sich weiteren Größen des Genres wie insbesondere Bruce Willis („Stirb langsam (Die Hard)“) und Jean-Claude Van Damme; nachrangig werden auch die Namen Chuck Norris, Steven Seagal und noch einige mehr ins Spiel gebracht.

Völlig zu Recht findet auch der Name Sigourney Weaver alias Ellen Ripley längere Erwähnung als abgeklärte Action-Heldin und absolute Ausnahmeerscheinung – nicht nur der 80er, sondern (leider) auch unserer Zeit.

Eine neue Zeit der Action

Ferner wird die Rolle James Camerons, der große Spuren und Klassiker des Jahrzehnts hinterlassen hat, gebührend herausgearbeitet: „Terminator (The Terminator)“, „Aliens – Die Rückkehr (Aliens)“, „True Lies – Wahre Lügen“ und schließlich „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“.

Gerade die besondere Bedeutung von „Terminator 2“ als der Höhepunkt des seinerzeitigen Action-Kinos und der tricktechnische Maßstab schlechthin wird verhandelt und in diesem Zusammenhang auch der Abgesang auf das Actionkino der 80er und frühen 90er-Jahre eingeleitet. Die muskelbepackten Superhelden wurden überflüssig, die Technik und Spezialeffekte immer wichtiger und „normalere“ Helden wie Keanu Reeves („Speed“, „Matrix (The Matrix)“) oder auch Nicolas Cage („The Rock – Fels der Entscheidung (The Rock)“, „Im Körper des Feindes (Face/Off)“), wurden gecastet, die freilich auch die besseren Schauspieler waren.

Den Abschluss der mit Nostalgie vollgepackten Dokumentation macht u.a. Stallones liebevolle Referenz-Reihe „The Expendables“, die unter Beweis stellt, dass die alten Action-Recken nach wie vor unvergessen sind.

Zu Wort kommen im Rahmen des gesamten Films aktuelle Genre-Darsteller wie Michael Jai White („Dragged Across Concrete“) oder auch Scott Adkins („Triple Threat“) und ein gewisser Shane Black, der vor allem als Drehbuchautor für „Lethal Weapon“ verantwortlich zeichnet. Womöglich wird der eine oder andere Zuschauer vorliegend vermissen, dass die ganz Großen aus der Glanzzeit des Genres selbst zu Wort kommen; aber der Umfang und die Detailverliebtheit der Analysen, Filmausschnitte und Interviews entschädigen dafür allemal.

Fazit

Ein herrlicher Abriss der Geschichte hinter dem Action-Film, der sich besonders auf die goldene Ära konzentriert und Lust darauf macht, sich die ganzen Perlen von Arnie, Sly und Co. nochmals anzuschauen.

Und genau das sollte eine sehenswerte Dokumentation dieser Art erreichen wollen und können – Mission erfüllt!


In Search Of The Last Action Heroes [Blu-ray]

Trailer

Inhalt

„In Search Of The Last Action Heroes“ ist die ultimative Dokumentation über das amerikanische Action-Kino der letzten 50 Jahre, von den frühen Western bis hin zu den aktuellen Blockbustern des Genres. Sie zeigt die Geschichte hinter dem Action-Film der 80er Jahre, die viele als die goldene Ära betrachten, und wie er sich in den 90er Jahren veränderte, den Niedergang und schließlich seine Revolution, als die alten Stars der 80er Jahre ihr Comeback feierten. Die Dokumentation erläutert, wie die Studios in der Lage waren, neuartige, grenzüberschreitende Konzepte in Genre definierende Stereotypen zu verwandeln, und wie das Subgenre der Ein-Mann-Armee die Superstars ihrer Zeit hervorbrachte.

Matrix, Rambo, McClane, Ripley, Connor, Dutch – ihre Geschichten begeisterten eine ganze Generation von Action-Fans. Diese Dokumentation ist vollgepackt mit Nostalgie, unzähligen Filmausschnitten und exklusiven Interviews, in denen die Schauspieler, Autoren, Regisseure, Produzenten und Komponisten zu Wort kommen, die die Filme, mit denen wir alle aufgewachsen sind, beeinflusst und geprägt haben.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises GmbH)

Details

Sprache: Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9
Ton: Dolby Digital 2.0 Stereo
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 04.06.2021
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: ca. 140 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)