Review

Ob Schauspieler Daniel Radcliffe es manchmal bereut, als Kind die Rolle des Zauberschülers Harry Potter übernommen zu haben? Vermutlich nicht, aus diversen Gründen. Immerhin kann er seine Bekanntheit nun dazu nutzen, die verrücktesten Rollen auszuprobieren – siehe nur „Swiss Army Man“. Einem ganz anderen Thema widmet er sich nun in „Imperium“, seinem jüngsten Filmprojekt mit Regisseur Daniel Ragussis.

Der Plot von „Imperium“ beginnt mit einem vereitelten Bombenanschlag. Wie ungefähr jedes Mal, wenn eine Person nicht-weißer Hautfarbe in Amerika in den Fokus der Ermittlungen gerät, vermutet man einen terroristischen Akt. Natürlich sollen fundamentale Islamisten dahinter stecken. FBI-Agent Nate Foster hat allerdings seine Bedenken. Durch seine einfühlsame Art gelingt es ihm, eine Verbindung zum Verdächtigen aufzubauen. Das Ergebnis: Das FBI muss ihn gehen lassen.

Während seine Vorgesetzten und Kollegen davon nicht sonderlich erbaut sind, erweckt er allerdings die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten Angela Zamparo. Sie sieht sein Potenzial und die passende Gelegenheit, ihre eigene Theorie zu den jüngsten Ereignissen zu testen. Statt bei religiösen Eiferern vermutet Zamparo die Quelle nämlich in der Neonaziszene. Es gelingt ihr, Nate zu seinem ersten Undercover-Einsatz zu überreden.

Bevor er sich unters braune Volk mischt, steht für den Liebhaber von guten Weinen, klassischer Musik und sozialer Abgeschiedenheit ein komplettes Makeover an. Neue Identität, neue Wohnung, neuer Job. Ab die Haare, rein in die Bomberjacke – und auf ins Getümmel. Nicht nur wegen mangelnder Erfahrung, auch wegen seines persönlichen Hintergrunds fällt es Nate jedoch schwer, sich wirklich in die Gruppen einzufügen. Ob diese Mission mit Nate als Neo-Nazi tatsächlich glücken kann …?

Eine bemerkenswerte Verwandlung in mehrfacher Hinsicht, die Nate als Charakter hier durchlebt. Vom beinahe unsichtbaren, aber guten Kerl hin zum gewaltbereiten Kampfzwerg. Sogar ein Tattoo lässt er sich für seinen Auftrag stechen. Bis zur Besessenheit geht sein Verlangen, dass dieser Auftrag die ganzen Mühen wert sein soll. Er schafft es am Ende sogar, sich gegenüber seinen Vorgesetzten zu emanzipieren. All das wird wirklich brillant von Radcliffe dargestellt. Während er als „FBI-Nate“ noch ein wenig hinter dem Berg hält, bringt er in seiner „Rolle in der Rolle“ wirklich alles, was ein Schauspieler können muss.

Daniel Radcliffe undercover in der Neonazi-Szene: "Imperium" (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Daniel Radcliffe undercover in der Neonaziszene: „Imperium“ (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Dagegen verblassen die übrigen schauspielerischen Leistungen – die natürlich trotzdem gut sind – leider etwas. Teilweise liegt das aber auch an der Story, deren Fokus ganz klar auf dem Protagonisten liegt. Das sollte man allerdings keinesfalls als Schwäche verstehen, sondern vielmehr als Möglichkeit, die Charakterentwicklung einer Person en detail nachvollziehen zu können. Schließlich beruht „Imperium“ auf einer wahren Geschichte. Die Story selbst stammt von Michael German, ein FBI-Agent, der selbst 20 Monate in diesem Milieu undercover arbeitete.

Alles in allem also schon storytechnisch ein echter Kracher. Manche Szenen sind auch einfach so durchdringend und unangenehm inszeniert, dass man die Schmach von Nate pur mitfühlt. Zum Beispiel wenn er seinem afroamerikanischen Lieblingsweinhändler plötzlich über den Weg läuft und nicht aus der Rolle fallen darf.
Außerdem ist „Imperium“ auch in allen anderen Belangen wirklich gut gemacht. Hier gibt es einfach nichts zu meckern. Nur auf unbequeme Einblicke muss man sich absolut gefasst machen. Dann ist diese Geschichte ein Filmerlebnis, das wirklich Eindruck hinterlässt.

Trailer

Handlung

FBI-Agent Nate wird als Undercover-Agent in die rechtsradikale Szene eingeschleust. Es gibt Hinweise auf einen verheerenden Anschlag mit einer radioaktiven Bombe. Er gewinnt das Vertrauen des Anführers Skins, über die er Kontakt zu einem rechtsradikalen Propagandisten findet, der als Kopf hinter dem geplanten Anschlag vermutet wird. Die Spur erweist sich jedoch als falsch. Als Nate bereits den Rückzug aus der Szene sucht, entdeckt er die wahren Verschwörer. Kann er den geplanten Anschlag noch rechtzeitig verhindern?

(Quelle: Ascot Elite Home Entertainment)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 09.12.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 109 Minuten

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer