Review

Serenity

Der abgehalfterte Kriegsveteran Baker Dill (Matthew McConaughey) verbringt seinen Lebensabend als Fischer und Angler auf der überschaubaren Insel Plymouth, wo jeder jeden kennt und jeder alles über jeden weiß. Dort verdient er sich seine Brötchen vor allem damit, reiche Touristen zum Hochseefischen rauszufahren. Allerdings treibt ihn selbst die Jagd nach einem besonders großen Meeresbewohner um, den er nur das „Biest“ oder auch „Gerechtigkeit“ nennt.

Baker pflegt eine Affäre mit der gut betuchten Constance (Diane Lane), die ihn eher wie einen Stricher behandelt. Eines Tages taucht jedoch Bakers Ex-Frau Karen (Anne Hathaway) unerwartet auf Plymouth auf und hat ein unmoralisches Angebot im Gepäck. Mittlerweile ist sie mit dem reichen, aber ebenso gewalttätigen und diabolischen Frank (Jason Clarke) verheiratet, der sie regelmäßig brutal misshandelt. Auch um ihres gemeinsamen Sohnes willen bietet sie Baker 10 Mio. Dollar an, wenn er den Haustyrannen bei einem seiner Fischertrips über die Reling wirft.

Chaos schon im Vorfeld

Der Start von „Im Netz der Versuchung“ bzw. im Original „Serenity“ von Regisseur Steven Knight („No Turning Back“; (Mit-)Schöpfer von „Taboo“) stand schon unter keinem guten Stern. Verleiher Aviron Pictures sagte nach diversen bescheidenen Testscreenings eine zugesagte große Marketing- und PR-Kampagne für den Film ab, brachte den Film aber dennoch in den USA in über 2.000 Kinos unter. Das Ergebnis dieser fragwürdigen Strategie war ein grandioser Flop, der ganz besonders die beiden oscarprämierten Stars Anne Hathaway („The Dark Knight Rises“, „Colossal“) und Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“, „The Sea Of Trees“) erzürnte, die in dem Film erstmals seit dem großartigen „Interstellar“ wieder gemeinsam vor der Kamera standen. 

Schlechte Vermarktung

Auch abgesehen davon ist die Vermarktung von „Im Netz der Versuchung“ eher unglücklich geraten. So suggerieren schon der deutsche Titel und das Cover – unzutreffend – einen spannenden (Erotik-)Thriller à la „Eine verhängnisvolle Affäre“ oder auch „Basic Instinct“. Dies trifft jedoch nicht im Ansatz zu. Der Film lässt sich eigentlich sogar nur schwerlich als Thriller bezeichnen.

Über lange Zeit plätschert die Handlung nur so vor sich hin und wir sehen immer wieder den Alltag von Hauptfigur Baker Dill – also vorwiegend vor dem Angeln, beim Angeln oder nach dem Angeln oder auch nackt von Klippen springend. Große Spannung will da nicht aufkommen, vielmehr fragt sich der Zuschauer, worauf das Ganze hinauslaufen soll.

Doch dann kommt irgendwann ein Plot Twist um die Ecke, der das Gesehene in ein gänzlich anderes Licht rückt. Allerdings kündigt sich auch diese Wendung derart klar und deutlich an, dass auch hier die ganz große Überraschung, auf die Drehbuchautor und Regisseur Steven Knight hinsteuert, am Ende ausbleibt.

Baker Dills (Matthew McConaughey) Exfrau Karen (Anne Hathaway) macht ihm ein unmoralisches Angebot. (Copyright: Universum Film GmbH)

So kann „Im Netz der Versuchung“ leider bloß mit einer recht absurden, spannungsarmen und sehr konstruiert wirkenden Handlung aufwarten, die auch mit pseudo-tiefenpsychologischen Einsichten über das menschliche Dasein nicht besser wird. Knight gelingt es bis zum Ende nicht, seine verschiedenen Handlungsebenen und -elemente so zu vernetzen, dass sich eine stimmige Geschichte ergeben will. 

Fazit

„Im Netz der Versuchung“ ist ein handwerklich gut gemachter Film mit einem tollen Cast, in dem sich neben den Superstars Matthew McConaughey und Anne Hathaway auch noch Djimon Hounsou, Diane Lane sowie Jason Clarke tummeln. Dennoch kann man den Film von Steven Knight nur als gescheitertes Projekt bezeichnen.

Ist Anne Hathaway nur die Persiflage einer Femme fatale? Ist der ganze Film auf der Oberfläche nur ein Noir-Thriller mit parodistischen Elementen und Klischees? Man weiß es nicht und ehrlich gesagt macht das alles auch nur wenig Sinn.

Der Twist ist nicht uninspiriert und lieblos, vermag den Film aber auch nicht auf ein überdurchschnittliches Level zu heben.

 

Trailer

Inhalt

Baker Dill hat sich auf eine scheinbar paradiesische Insel zurückgezogen, wo er Touristen zum Hochseefischen rausfährt. Zurück an Land stattet er meist seiner Geliebten Constance einen Besuch ab und beendet die Abende in der örtlichen Hafenspelunke. Bis er eines Tages von seiner Vergangenheit eingeholt wird, als seine Ex-Frau unerwartet auftaucht und Baker bittet ihren gewalttätigen neuen Mann auf einem seiner Fischtrips den Haien zum Fraß vorzuwerfen – nicht ihrer sondern um ihres gemeinsamen Sohnes willen. Doch schnell stellt Baker fest, dass nicht alles so ist, wie es scheint …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Breitbild
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 13.09.2019
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 102 Minuten
Extras: Interviews / B-Roll

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)