Review

Wie die Mutter, so die Tochter?

Im Jahre 2009 erfuhr die schwedische 12-teilige Krimifilmreihe „Irene Huss, Kripo Göteborg“, basierend auf den Romanen der schwedischen Autorin Helene Tursten, in Deutschland ihre Erstausstrahlung auf ARD. 2021 kehrt eine Huss zurück auf den Bildschirm. Doch anders als beispielsweise bei „Der junge Inspektor Morse“ blickt man mit der Krimiserie „Huss – Verbrechen am Fjord (Staffel 1)“ nicht zurück in die Jugend der Protagonistin, sondern nimmt vielmehr teil am Leben und an der beruflichen Ausbildung ihrer Tochter, Katarina „Kati“ Huss, die als junge Polizeianwärterin ihren Dienst als Streifenpolizistin in Göteborg antritt und sich schon bald an die Spitze der ErmittlerInnen hocharbeitet.

Die Tatsache, Tochter ihrer erfolgreichen Mutter zu sein, verschafft ihr dabei allerdings nicht ausschließlich Vorteile. Noch dazu kommt, dass ihr beidseitiges Verhältnis von Spannungen geprägt ist. Und so erzählen die fünf Episoden zu je einer Doppelfolge des Spin-offs von „Irene Huss, Kripo Göteborg“ vom emanzipatorischen Weg einer jungen Frau, die sich als ehrgeizige, frisch ausgebildete Polizistin in Göteborg ihre Sporen verdienen will und dabei mitunter in ein Netz aus Korruption und Verrat gerät.

Berufsbild: PolizistIn

„Huss – Verbrechen am Fjord (Staffel 1)“ stellt dabei die Tücken des Polizeialltags auf Kosten der (pro Doppelfolge abgeschlossenen) Kriminalfälle in den Vordergrund und möchte tiefe Einblicke in hierarchische Strukturen, Gruppenzwänge und die Psyche einzelner Figuren gewähren.
Die Protagonistin selbst steht dabei allein ihre Frau in einem männerdominierten Beruf, bei dem sie sich entsprechend nicht nur gegen tätliche und verbale Attacken in ihrem Polizeialltag, sondern auch gegen die despektierlichen Äußerungen ihrer zumeist männlichen Kollegen erwehren muss.

Jene nehmen es mit dem sogenannten Dienst nach Vorschrift nicht immer allzu genau, sodass auch Themen wie Polizeigewalt, Machtmissbrauch und Vertuschungsversuche behandelt werden. All dies bringt die Hauptfigur selbst nicht selten in moralische Dilemmata, bei denen sich auch die ZuschauerInnen fragen werden: Wie hätte man selbst gehandelt?

Mutter und Tochter Huss (Kasja Ernst und Karin Franz Körlof) im Einsatz in „Huss – Verbrechen am Fjord (Staffel 1)“. (Copyright: Josef Persson / Edel:Motion)

Wie die Protagonistin handelt, kann man über eine Länge von insgesamt 442 Minuten verfolgen – und nicht immer fällt dies authentisch und nachvollziehbar aus. Ihr nicht leichter Weg ist gepflastert mit zum Teil zufälligen Begebenheiten, richtigen Intuitionen, die im Alleingang verfolgt werden, und märchenhaften Entwicklungen, die nicht ausschließlich ihrem Können oder ihrem Tatendrang und Ehrgeiz, sondern dem Prinzip Zufall zuzuschreiben sind. Dafür, dass die Serie sehr realitätsnah sein möchte, ist sie stellenweise dann doch ein wenig zu unglaubwürdig. Immerhin der Dramatik und Spannung der Serie kommt dies zugute.

Das ist auch insofern nötig, da die Kriminalfälle nur am Rande für ebenjenes sorgen. An ihnen arbeitet man lediglich die dargestellte „Polizeiarbeit“ ab, sodass sie eher zum Mittel zum Zweck verkommen denn eine herausragende Rolle spielen. Krimifans dürfte dies weniger gefallen.

Fazit

Insgesamt wird man feststellen müssen, dass „Huss – Verbrechen am Fjord (Staffel 1)“ sehr viel will – vor allem inhaltlich -, aber vieles dafür nur oberflächlich zu verhandeln schafft. Das Vorhaben, die Protagonistin heldenhaft und gleichzeitig realistisch darzustellen, gelingt ebenfalls nur bedingt. Obschon die Serie merklich versucht, ein Ausrufezeichen in der Krimi-Fernsehlandschaft zu setzen, bleibt es vorläufig nur bei einer kleinen Fußnote.


Huss – Verbrechen am Fjord – Staffel 1 [3 DVDs]

Trailer

Handlung

Die 25-jährige Katarina ‚Kati‘ Huss tritt trotz des heftigen Widerstands ihrer Mutter, der  berüchtigten Ermittlerin Irene Huss, in den Polizeidienst in Göteborg ein. Als frischgebackene Absolventin der Polizei-Akademie muss sich die selbstbewusste, ehrgeizige Anwärterin nun im harten Polizeialltag zurechtfinden und stößt dabei immer wieder an unsichtbare gesellschaftliche Grenzen. Doch sie hat gelernt sich durchsetzen, eckt damit aber auch immer wieder bei ihren Kollegen und Vorgesetzten an. Ihr Polizeialltag ist von Teamgeist geprägt, aber auch von schwierigen Situationen, in denen es nicht immer ein Schwarz und Weiß oder Gut und Böse gibt. Als sie ihre Kollegen näher kennenlernt, wird ihr klar, dass ihre Polizeieinheit ein Geheimnis verbirgt. Was passierte wirklich während der Unruhen vor einem Jahr? Und welche Rolle spielt dabei ihre Mutter? Kati gerät in ein verwirrendes Netz aus Korruption und Verrat. Und am Ende muss sie sich entscheiden, wem ihre Treue gilt: der Wahrheit oder der Polizei.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Bewährungsproben (Teil 1 + 2)
02 Vergeltung (Teil 1 + 2)
03 Geiselnahme (Teil 1 + 2)
04 Neue Freunde (Teil 1 + 2)
05 Der vierte Mann (Teil 1 + 2)

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 04.06.2021
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 442 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde