Review

„Hanna Svensson – Blutsbande“ – der Titel der vorliegenden Heimkinoveröffentlichung macht bereits deutlich, aus welcher Region diese Serie kommt und schraubt die Erwartungen – auch angesichts des namhaften Casts – entsprechend in die Höhe.

Mehr als ein Schwedenkrimi

Tatsächlich kann die skandinavische Serie halten, was sie als angekündigtes Nordic Noir TV-Drama verspricht.
Der Schwedenkrimi entpuppt sich sogar als mehr als nur ein solcher.

Brüchige zwischenmenschliche Beziehungen, Clan- und Bandenkriminalität, eine kroatische Familie mit mafiösen Strukturen, deren Infiltration, Verrat, Intrigen, moralisch grenzwertige Polizeiarbeit – und mittendrin die titelgebende Hauptfigur Hanna Svensson (gespielt von Marie Richardson). Das alles verspricht Spannung, und die wird auch in zehn Folgen präsentiert.

Dabei kommt die Serie allerdings nur langsam in Fahrt. Erst parallel zur zunehmenden Laufzeit verzeichnet „Hanna Svensson“ eine Spannungs- und Tempozunahme. Dies liegt vor allem daran, dass zunächst die einzelnen Figuren und Handlungsstränge, wovon es einige gibt, vorgestellt werden. Dramatische Aspekte halten sich dabei jedoch schon zu Beginn mit spannenden genretypischen Elementen die Waage. Ist der Anfang dann geschafft und ein erster Überblick erfolgt, verdichten sich die vormals losen Handlungsstränge mehr und mehr miteinander. Es entsteht eine komplexe Geschichte, die sowohl mit vielen überraschenden Wendungen auftrumpft, als auch dem Zuschauer das eine und andere Mal diverse Dilemmata der Figuren vor Augen führt. Das regt den Betrachter nicht nur zum Nachdenken an, sondern schafft zugleich eine Nähe zu den einzelnen Charakteren.

Mutter-Sohn-Gespann

Im Mittelpunkt steht dabei die prinzipientreue Protagonistin, die aufgrund ihrer Handlungen und überwiegend kühl-distanzierten Darstellung, immer agierend zwischen Mutterliebe und Sorgfaltspflicht als Polizistin, zunächst gewöhnungsbedürftig, mitunter sogar befremdlich erscheint. Hier braucht es unter Umständen länger als es bei anderen Rollen der Fall ist, um mit ihr warm zu werden.

Weitaus schneller findet man hingegen Zugang zur Figur des Sohnes Christian (hervorragend besetzt durch und gespielt von Adam Pålsson) als ehemaliger Drogendealer und späterer verdeckter Informant.
Emotionen weiß der Schauspieler, der u.a. bereits in „Die Brücke – Transit in den Tod (Staffel 3)“ oder „Arne Dahl – Totenmesse“ zu sehen war, ebenso gut darzustellen wie brisant-gefährliche Szenen.

Spannend und blutig

Adam Pålsson in „Hanna Svensson – Blutsbande“ (Copyright: Peter Cederling / Edel:Motion)

An jenen mangelt es in „Hanna Svensson – Blutsbande“ außerdem nicht, sodass die FSK ab 16 Jahren aufgrund einiger doch recht blutiger und gewalttätiger Sequenzen sehr großzügig erteilt wirkt.

Stellenweise hinterfragt man jedoch nicht nur die einzelnen Handlungen und Beweggründe einiger Figuren, sondern auch die Logik der erzählten Geschichte. Diesbezüglich erscheint die Infiltration der erwähnten kriminellen kroatischen Familie Mimica nicht immer authentisch. Derlei Szenen mit Unvorsichtigkeiten seitens des verdeckten Informanten sorgen nichtsdestotrotz für zusätzliche Spannung und fesseln den Zuschauer an den Bildschirm.

Staffel 2 in Aussicht

Dieser kann sich einem gewissen Suchtpotenzial der Serie nicht erwehren und hofft am Ende – trotz auserzählter Story – auf eine zweite Staffel. Eine solche wurde bereits – nicht zuletzt aufgrund des großen Erfolgs von „Hanna Svensson – Blutsbande“ – angekündigt.

Trailer

Handlung

Hanna Svensson ist Polizistin mit hohen moralischen Grundsätzen und starken Prinzipien.
Zwei Jahre ist es her, dass sie ihren eigenen Sohn Christian wegen Drogenhandels ins Gefängnis brachte. Nach seiner Entlassung möchte er zu Hannas Leidwesen nichts mehr von ihr wissen.

Als ihr Kollege und Liebhaber Sven spurlos verschwindet, nimmt Hanna die Spur auf. Dabei findet sie etwas heraus, was sonst keiner weiß: Sven hat bei seinen Ermittlungen gegen eine kriminelle Biker-Bande mit einem verdeckten Informanten gearbeitet, der sich Inez nennt. Was Hanna jedoch nicht ahnt: Inez ist niemand anderer als ihr Sohn!
Während Hannas und Christians private Beziehung unter schwierigen Bedingungen steht, wird ihre berufliche Verbindung immer enger. In der kriminellen Unterwelt zeichnet sich ein brutaler Machtwechsel ab. Um diesen zu verhindern und um ihren Sohn zu retten, ist Hanna gezwungen, eine andere Familie zu zerstören.

„Hanna Svensson – Blutsbande“ besticht mit einer unvorhersehbaren Story, rasantem Tempo und aufwühlenden Enthüllungen und ist dabei noch viel mehr als eine typische Krimi-Serie – nämlich auch ein herzzerreißendes Familiendrama über eine Mutter und ihren Sohn, über moralische Dilemmata, Beziehungen und Verrat.

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel:Motion
Erscheinungstermin: 22.03.2019
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 585 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde