Review

Nicht nur für Shakespeare- und Theater-Fans ist „Hamlet“ eines der bedeutendsten Werke der Literatur. Wenig verwunderlich also, dass bereits zahlreiche Adaptionen des Stückes vorgenommen wurden. Auch Regisseur Franco Zeffirelli wagte sich 1990 an den klassischen Stoff und holte sich für seine Inszenierung renommierte Schauspieler mit ins Boot.

Gemeinsam mit diesem Staraufgebot, bestehend u.a. aus Mel Gibson als Dänenprinz Hamlet, Glenn Close als Königin Gertrude, Alan Bates als Claudius, Paul Scofield als Geist bzw. Hamlets Vater, Ian Holm als Polonius und Helena Bonham Carter als Ophelia, wagt sich Zeffirelli an einen Hamlet heran, der sich einer breiten Zuschauerschaft öffnet. Zwar orientiert sich die Literaturverfilmung nah am Original, sodass vor allem die Dialoge 1:1 übernommen wurden, Unterschiede finden Shakespeare-Kenner hingegen in der Reihenfolge einzelner Szenen und einigen Kürzungen. An Emotion und Tragik büßt Zeffirellis „Hamlet“ dadurch jedoch nichts ein. Vielmehr wird die Adaption gerade aufgrund dessen gleichsam attraktiv für all jene, die sich normalerweise nicht an eine derart schwere Kost heranwagen. Die aus den Kürzungen resultierende knackige Spielzeit von ca. 129 Minuten unterstützt dies, denn auf diese Art und Weise wird „Hamlet“ auch in Hinblick auf seinen reinen Unterhaltungsfaktor leicht konsumierbar.

Die Darstellung Hamlets und dementsprechend auch Gibsons Interpretation seiner Rolle setzen Schwerpunkte und fallen somit trotz Rache-Aspekt und fokussierter existenzieller Krise des Protagonisten eher simpel aus. Obwohl es nicht an nötiger Stelle an Tiefe und Emotionalität fehlt, bleibt der Stoff, den „Hamlet“ ursprünglich bietet, selbst ohne Kenntnisse des Originals verständlich und nachvollziehbar.

Helena Bonham Carter als Ophelia in Zeffirellis "Hamlet". (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Helena Bonham Carter als Ophelia in Zeffirellis „Hamlet“. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Sorgt das eindrucksvolle, aber auf wesentliche Schauplätze konzentrierte Set für optische Reize, überzeugen die schauspielerischen Leistungen zudem auch auf inhaltlicher Ebene.
Gibson als melodramatische Figur ist angesichts seiner actionlastigeren („Mad Max“) oder seichten Rollen („Was Frauen wollen“) zunächst eher ungewöhnlich. Sein dahingehendes Talent bewies der Schauspieler jedoch bereits in „Braveheart“. Der Amerikaner kann also nicht nur selbst weinen, sondern auch zum Weinen bringen und zeigt hier, dass er in der Lage ist, eine Figur wie Hamlet gebührend zu verkörpern.
Noch passender ist allerdings die Nebenrolle der Ophelia mit Helena Bonham Carter besetzt, die für derlei Figuren wie gemacht scheint. Nicht selten lässt sie selbst Größen wie Glenn Close neben sich verblassen.

Durch Franco Zeffirellis Inszenierung ist „Hamlet“ nicht länger nur für Theaterliebhaber oder Freunde großer Literatur interessant, denn da dem Ganzen ein histo-fantastischer Hauch verpasst wird, der den Klassiker Shakespeares gelungen in der Moderne bestehen lässt, ohne auf spektakuläre Specialeffects zurückgreifen zu müssen, wirkt „Hamlet“ mit der Handschrift des italienischen Regisseurs wie ein gelungener Spielfilm statt wie eine altbackene Theaterstückaufzeichnung. Dadurch ist „Hamlet“ keineswegs mehr reine aus der Schule bekannte Pflicht, sondern für den Zuschauer eine kleine Kür, sich diese Verfilmung anschauen zu können.

Trailer

Handlung

Literaturverfilmung von Franco Zeffirelli („Romeo und Julia“) nach der Vorlage des gleichnamigen Theaterstücks von William Shakespeare mit Mel Gibson und Glenn Close in den Hauptrollen.

Kurz nach dem Tod seines Vaters erfährt der junge dänische Prinz Hamlet, dass dieser von dessen eigenem Bruder Claudius aus Habgier vergiftet wurde. Claudius‘ Ziel ist es, Hamlets Mutter Gertrude zu heiraten und so auf den Thron zu gelangen. Hamlet schwört Rache und täuscht geistige Verwirrung vor; eine List, um den Mörder seines Vaters zu überführen. Doch sein Plan mündet in einer Tragödie.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 18.03.2016
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 129 Minuten

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde