Review

In „Hamilton – Undercover in Stockholm (Staffel 2)“ kehrt Schauspieler Jakob Oftebro in seiner Rolle als titelgebender schwedischer Top-Agent Carl Hamilton auf die heimischen Bildschirme zurück und zeigt sich erneut als Protagonist von spannenden Geschichten nach Motiven der Romane und Figuren der „Coq-Rouge“-Reihe des schwedischen Bestsellerautors Jan Guillou.

Unterschiede zur ersten Staffel

Dabei fällt die aktuelle Staffel jedoch auffallend anders aus als Staffel 1.

So ist es vorliegend zum einen kein einzelner zusammenhängender Fall, der auf der Gesamtspielzeit der Veröffentlichung mit steigender Komplexität geboten wird. Vielmehr umfasst Staffel 2 vier in sich abgeschlossene Fälle respektive Missionen, welche die gefährlichen Aufträge des waghalsigen Top-Agenten Hamilton in Spielfilmlänge präsentieren.
Dies hat den Vorteil, dass Staffel 2 abwechslungsreicher und mit einer Vielfalt an Themen daherkommt. Wenngleich erwähnt werden muss, dass einige Handlungsab- und verläufe sowie der jeweilige Ausgang eines Falls recht vorhersehbar ausfallen.
Der Nachteil dieses Vorgehens ist zudem, dass die einzelnen Episoden weniger komplex und stattdessen leichter, eventuell auch nebensächlicher und weniger nachhaltig konsumierbar sind.

Zum anderen tritt Nina Zanjani in ihrer Rolle als Kristin Ek – trotz Beförderung zur Chefin Hamiltons – nun mehr in den Hintergrund. Stachen sie und Jörgen Thorsson als ihr Kollege Birger Hagman in Staffel 1 noch sehr positiv heraus und wussten nicht nur mit Figurentiefe die Zuschauer:innen an den Bildschirm zu fesseln, während Oftebro bzw. Hamilton alles in allem eher unnahbar blieb, dreht sich dies nun und vor allem die Frauenfigur bekommt nicht mehr die Aufmerksamkeit, die ihr eigentlich gebührt. Das wertet zugleich ihre Position als „Vorgesetzte“ gefühlt ab.

Gemeinsamkeiten der ersten und zweiten Staffel

Neben diesen auffallenden Unterschieden gibt es aber auch noch Gemeinsamkeiten der ersten und zweiten Staffel zu verzeichnen.

So treffen die Zuschauer:innen nicht nur auf bereits etablierte Figuren (wie eben Jakob Oftebro als Hamilton, Nina Zanjani als Kristin Ek, Jörgen Thorsson als Birger Hagman, aber auch Annika Hallin als Astrid Bofors und Krister Henriksson als tot geglaubter DG) wieder, die ihre Sache jeweils sehr gut machen, sondern es geht von Schweden aus erneut immer wieder an internationale Schauplätze (wie etwa Frankreich, Kroatien, Belgien oder Polen), die visuell schön eingefangen werden.

Mit Ausnahme von Lisa Farzaneh, die in der aktuellen Staffel nicht mit von der Partie ist, gibt es auch keine weiteren Änderungen am Regie-Team, sodass erneut Erik Leijonborg und Per Hanefjord federführend dafür verantwortlich sind. Das überrascht – vor allem angesichts der eingangs erwähnten Änderungen zur ersten Staffel der in der Gegenwart spielenden Serie.

Entsprechend „aktuell“ sind dafür die Themen, die hier Eingang in die Serie finden. Darunter:
Verschwörungstheorien mit Hilfe derer man Demokratien unterwandern will („Mord im Mittelmeer“), die Herstellung und geplante Anwendung von ABC-Waffen unter dem Deckmantel von Militär- bzw. Weltraumprojekten („Das Kiruna-Projekt“), die Entwicklung hochpotenter Bio-Waffen („Lykke darf nicht sterben“) oder aber die Bedrohung des Klimas sowie die immer größer werdende Kluft zwischen Klimaleugnern und -schützern („Der zerbrechliche Planet“).

„“Hamilton“ greift all diese Themen mutig auf und schafft gleichzeitig den Kunstgriff, die Schlagkraft dieser Themen in packende, nervenaufreibende Erzählungen zu bringen.“ So steht es in der Presseinformation – und dem kann man getrost zustimmen. 

Aus dem Rahmen gefallen

Mit einer Ausnahme, nämlich der Folge 3 „Lykke darf nicht sterben“.

Jakob Oftebro als Agent Carl Hamilton macht auch in „Hamilton – Undercover in Schweden (Staffel 2)“ wieder so einiges mit. (Copyright: Johannes Andersson)

Obschon das Thema dieser Episode groß ist, immerhin soll hier eine Modifizierung der DNA als Massenvernichtungswaffe für das Ende der Menschheit sorgen, deutet der Name der Folge bereits darauf hin, dass es leider keine allzu große Rolle spielt. Stattdessen steht das persönliche Schicksal Hamiltons im Vordergrund, denn die im Titel genannte Lykke ist niemand Geringeres als die Verlobte des Agenten, die zum Auftakt der Staffel in Folge 1 („Mord im Mittelmeer“) bereits eingeführt wurde. Ihr „Schicksal“ sorgt dafür, dass das Thema der Mission beinahe ganz aus den Augen verloren und dementsprechend nur schlecht erzählt wird. Dies hätte man ausgewogener kombinieren können.

Fazit

Es bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob einem die Inszenierungsart der ersten oder zweiten Staffel besser gefällt. Ich finde die portionsweise Darbietung der Fälle sehr willkommen und kann daher eine qualitative Steigerung zur ersten Staffel bescheinigen. Nichtsdestotrotz ist hier noch immer Luft nach oben. Es bleibt somit spannend, ob und wie eine mögliche dritte Staffel umgesetzt werden wird. Die Neugier auf weitere Folgen ist jedenfalls geweckt.


Hamilton – Staffel 2

Trailer

Handlung

Die hochkarätige internationale Spionagethriller-Serie, nach Motiven der erfolgreichen Romane des schwedischen Bestsellerautors Jan Guillou, ist mit vier actiongeladenen Missionen zurück, die Agent Carl Hamilton von der nördlichsten Stadt Schwedens bis nach Südfrankreich führen.

Niemals sicher, wem er eigentlich vertrauen kann, immer auf den Spuren von Verschwörungen, die manchmal bis in die allerhöchsten Machtebenen reichen, deckt Hamilton unvorstellbare Machenschaften auf, die nicht nur Schweden, sondern die ganze Welt bedrohen: So gilt es unter anderem, einen nuklearen Anschlag und den Einsatz hochpotenter Biowaffen abzuwenden. Als sein alter Navy-Seal-Kamerad während eines streng geheimen NATO-Einsatzes getötet wird,  offenbaren sich die Pläne eines Rechtsextremisten für einen Angriff auf die französische Demokratie. Und als wäre dies  alles nicht genug, wird auch noch seine Verlobte Lykke in ein Erpressungsmanöver hineingezogen, was Hamilton vor die  schwerste Entscheidung seines Lebens stellt. Lässt sich seine Berufung als Geheimagent überhaupt noch mit seinem Privatleben vereinbaren?

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Mord am Mittelmeer
02 Das Kiruna-Projekt
03 Lykke darf nicht sterben
04 Der zerbrechliche Planet

Details

Sprache: Deutsch, mehrsprachige OV (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 13.01.2023
Spieldauer: 4 x 90 Minuten (ungekürzte Original-Schnittfassung)

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde