Review

Der Anfang eines neuen Superhelden-Universums

1969 von Harya „Hasmi“ Suraminata erdacht, ist die Comic-Figur Gundala seitdem ein fester Bestandteil der indonesischen Popkultur. Nicht zuletzt durch Regisseur Joko Anwar, aber auch durch Koch Media findet der Superheld nun auch seinen Weg auf die heimischen Bildschirme, und so erscheint der schlicht mit „Gundala“ betitelte Film als DVD, Blu-ray und digital für das Heimkino.

Die Veröffentlichung markiert dabei sowohl den ersten Film einer von Anwar geplanten acht Filme umfassenden Reihe, die insgesamt voraussichtlich bis 2025 erscheinen soll, als auch den ersten Titel des sogenannten BumiLangit Cinematic Universe (BCU), quasi das indonesische Pendant zum Marvel Cinematic Universe (MCU).

Entsprechend muss sich „Gundala“ diversen Vergleichen mit den bekannten Marvel-Superhelden-Filmveröffentlichungen stellen, auch wenn diese aufgrund der hier zu sehenden asiatischen Filmmacher-Eigenheiten nur schwer zu ziehen sind. Schwer fällt daher auch eine adäquate Bewertung, denn leicht macht es „Gundala“ den Zuschauern zunächst nicht.

Freiheit hat einen neuen Helden

Die düstere Origin-Superhelden-Story dreht sich – wie der Titel bereits verheißt – um die Person Sancaka, die im Laufe der 123-minütigen Gesamtspielzeit vom vom Schicksal Gebeutelten zum Superhelden avanciert.

Die Handlung setzt bereits in der frühen Kindheit des Protagonisten an und wartet folglich mit einer äußerst langen Vorgeschichte auf.

Sancaka lernt das Leben von der harten Seite kennen. Der Vater ermordet, von der Mutter verlassen, wächst er in der Gosse Jakartas auf. Die ist in den festen Händen brutaler Gangs. Er lernt schnell, dass man nur überlebt, wenn man sich heraushält – und sich in den Kampfkünsten perfektioniert. Dennoch schlummert da noch etwas Besonderes in ihm: Die Philosophie seiner Eltern, Ungerechtigkeiten entgegenzutreten. Und eine unbändige, übernatürliche Kraft, der sich kein Gegner unbeschadet in den Weg stellen kann.

Bereits jetzt wird deutlich, wie Regisseur Anwar die Basis des Films, nämlich den hier zugrunde liegenden indonesischen Comic, mit gesellschaftlichen Aspekten des heutigen Indonesiens kombiniert.
Obschon dies ein begrüßenswerter Ansatz ist, gerät die Vorgeschichte derart lang, dass sie mitunter recht zäh wirkt. Es dauert daher, bis sich der Film schließlich doch noch zum Superhelden-Film entwickelt.
Bleibt man trotz dieser Langatmigkeiten jedoch dran, sieht man die Hauptfigur dann im Erwachsenenalter und die Handlung nimmt kompaktere Züge an.

Denn als ein Mafiaboss mit seinen Elitekämpfern nach der Macht in der 10 Millionen-Metropole greift, tritt Sancaka endlich aus dem Schatten. Als maskierter Gundala wird er fortan von der Bevölkerung als Superheld gefeiert und von den Mobstern bis aufs Blut bekämpft.

Der „Sohn des Blitzes“ ist geboren und es ist unschwer zu erraten, welche „unbändige, übernatürliche Kraft“ dem Helden Sancaka somit bei seinen Kämpfen zur Verfügung steht …

Bewertung

Gekämpft wird dann auch ausgiebig, allerdings beschränkt sich die diesbezügliche Action vorwiegend auf Martial Arts Szenen. Jene sind zwar gut choreografiert, bieten aber bald schon keine nennenswerte Abwechslung, sodass sie mit der Zeit trotz ihrer Qualitäten ein wenig ermüdend anzusehen sind.

Abimana Aryasatya als Sancaka bzw. Gundala. (Copyright: Koch Media)

Wenig erbaulich fallen auch die Gags und Sprüche aus, für deren Grundlagen zwar bei Marvel-Kassenschlagern durchaus gespickt, aber weniger gut für „Gundala“ adaptiert wurde. Neben einem obligatorischen Spruch über das Superheldenkostüm wollen auch die weiteren „humorvollen Einlagen“ nicht richtig zünden, fallen teils sogar vorhersehbar aus und sind so rar gesät, dass sie in der Mehrheit sowieso untergehen. Schön wären auflockernde Leichtigkeiten in Form von kernigen Sidekicks und humorvollen Spitzen somit gewesen, leider bleibt all dies nur bei einem Versuch.

Positiv fällt dafür wiederum das Ende des Films auf. Und das nicht etwa, weil der Zuschauer „Gundala“ endlich hinter sich gebracht hat, sondern vielmehr, da Anwar an dieser Stelle einen gelungenen Ausblick auf das noch Kommende gibt. Und dieser sieht vielversprechender aus als der gesamte Auftaktfilm.

Fazit

Für Fans von Superhelden-Filmen dürfte somit durch die „Gundala“-Reihe in den nächsten Jahren eine Alternative mit Potenzial geboten werden; durch den hier vorliegenden Einstieg muss man sich jedoch mit ein wenig Geduld erst einmal etwas durchschlagen.

Trailer

Handlung

Sancaka lernt das Leben von der harten Seite kennen. Der Vater ermordet, von der Mutter verlassen, wächst er in der Gosse Jakartas auf. Die ist in den festen Händen brutaler Gangs. Er lernt schnell, dass man nur überlebt, wenn man sich heraushält – und sich in den Kampfkünsten perfektioniert. Dennoch schlummert da noch etwas Besonderes in ihm: Die Philosophie seiner Eltern, Ungerechtigkeiten entgegenzutreten. Und eine unbändige, übernatürliche Kraft, der sich kein Gegner unbeschadet in den Weg stellen kann.

Als ein Mafiaboss mit seinen Elitekämpfern nach der Macht in der 10 Millionen-Metropole greift, tritt Sancaka endlich aus dem Schatten. Als maskierter Gundala wird er fortan von der Bevölkerung als Superheld gefeiert und von den Mobstern bis aufs Blut bekämpft.

(Quelle: Koch Media)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 28.05.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 123 Minuten
Extras: Behind the Scenes 1-4 / Toronto Film Festival Premiere / Interview Premiere /  Originaltrailer / deutscher Trailer

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde