Review

Eine erfolglose Band auf der Suche nach Auftrittsmöglichkeiten – ein Bild, das der Film „Green Room“ unter der Regie von Jeremy Saulnier mit diesen Protagonisten zeichnet, das vielen Newcomern bekannt vorkommen dürfte. Dass sich so mancher Gig dabei als absoluter Reinfall entpuppen kann, ist ebenfalls nicht ungewöhnlich. Zeuge eines Mordes zu werden und sich schließlich in einem Blutbad wiederzufinden, bleibt glücklicherweise den meisten Musikern erspart. Nicht aber der Band „Ain’t Rights“, deren Mitgliederzahl sich im Laufe der folgenden 91 Minuten stark dezimiert.

Die dunkle Farbgebung des Films sowie die Kameraführung tragen zur beklemmenden Stimmung, die „Green Room“ vermitteln möchte, bei, und so fallen auch die kleinen Schockmomente und Splatter-Effekte wie gewünscht aus. Diesbezüglich bedingen sich Schauplatz, Handlung, Figuren und Genre-Mix gegenseitig auf gelungene Art und Weise. Der Kampf ums nackte Überleben hinterlässt damit auch beim Zuschauer seine Spuren.

Jener ist allerdings oftmals zusätzlich damit beschäftigt, auf weiteren Tiefgang und das Klären von sich ergebenen offenen Fragen zu warten, deren Antworten „Green Room“ auch bis zum Schluss schuldig bleibt. So ist der Plan der Skinheads lange Zeit zu undurchsichtig und wenig nachvollziehbar oder das zufällige Stoßen auf ein Heroin-Versteck wirkt aufgrund fehlender Details und Relevanz unnötig.

Wer auf weitere (Hintergrund)informationen hofft, dem steht zwar das Bonusmaterial als Option zur Verfügung, welches neben zwei offiziellen Kinotrailern außerdem einige kurze, aber unterhaltsame Featurettes umfasst, die die Kulisse, den Drehort oder die Themen Gewalt und Subkultur anhand von Interviewausschnitten näher beleuchten, detaillierte Erklärungen zur Handlung als solche oder das Klären etwaiger noch offener Fragen bleibt jedoch auch hier aus.

Auf allzu viel Logik und Tiefgang sollte man also nicht hoffen, denn beides verflüchtigt sich im Laufe des Films immer mehr, während das Tempo durch die sukzessive Eliminierung der Figuren zunimmt. Gekonnt steigert sich daher sowohl die Gewaltspirale als auch die Spannungskurve. Schlag auf Schlag nimmt das hier präsentierte Blutbad Formen an, die mal explizit, mal nur angedeutet gezeigt werden. Einige Male empfiehlt es sich somit, starke Nerven oder zumindest einen starken Magen zu haben.

Man kann „Green Room“ nicht bescheinigen, fehlerfrei einen Genre-Mix zu präsentieren, der jeder einzelnen Zutat (u.a. Psychothrill, Survial-Action und Splatter-Elemente) ausreichend gerecht wird. Absprechen kann man dem trotz alledem sehr realistisch wirkenden Film aber auch nicht, dass er eine beklemmende sowie klaustrophobische Stimmung aufbaut und zu erzeugen vermag, der sich auch der Zuschauer nicht entziehen kann.

Diese wird immer mal wieder durch teilweise sehr lustige Sprüche und Dialoge aufgelockert, welche jedoch in dem Maße und in der Art integriert werden, dass sie dem Film nichts von seiner Ernsthaftigkeit rauben.

Punks vs. Skins - ein Blutbad der besonderen Art präsentiert "Green Room". (Copyright: Universum Film)

Punks vs. Skins – ein Blutbad der besonderen Art präsentiert „Green Room“. (Copyright: Universum Film)

Zum Gelingen des Ganzen tragen außerdem die Schauspieler eine entscheidende Rolle bei, denn ihre Darstellungskunst wirkt insgesamt authentisch. Die Macher von „Green Room“ setzen dies betreffend weder auf Overacting noch auf klischierte oder stereotype Charakterdarstellungen. Vielmehr wird ein glaubwürdiges und realistisches Bild einer jeden Figur gezeichnet, das gerade zu Beginn jedoch noch detaillierter hätte ausfallen können, um die einzelnen Rollen expliziter kennenzulernen.
Vor allem wurde hier nicht an einer namhaften Besetzung gespart. Patrick Stewart in der Rolle des „Bösewichts“ stellt einen wunderbaren Kontrast zum Jungschauspieler-Trupp dar, aus dem besonders Anton Yelchin heraussticht, der in „Green Room“ jedoch in einer seiner letzten Rollen zu sehen ist, verstarb der Schauspieler doch im Juni dieses Jahres an den Folgen eines Unfalls.

Was bleibt zu sagen? Augen auf beim Booking, liebe Bands? Das sowieso, darüber hinaus sei der Film „Green Room“ aber all jenen zu empfehlen, die auf Survival-Action mit Psychothrill-Extra stehen. Auch wenn einige Aspekte optimierbar gewesen wären, so schneidet „Green Room“ insgesamt sehr gut ab und sorgt zumindest kurze Zeit für eindrucksvolle, blutige Unterhaltung.

Trailer

Handlung

Ein absolutes Worst-Case-Szenario: Mit dem letzten Tropfen Benzin und völlig abgebrannt, schafft es die Punkband „Ain’t Rights“ gerade noch zu ihrem Gig in einer entlegenen Kneipe im amerikanischen Nirgendwo. Das Publikum besteht ausschließlich aus Nazi-Skinheads und der Plan, sofort nach dem Auftritt abzuhauen, scheitert, als sie unfreiwillig Zeuge eines brutalen Mordes werden. Der gnadenlose Anführer der Nazi-Gang, Darcy Banker (Patrick Stewart), befiehlt seiner Kampftruppe, alle Zeugen des Verbrechens zu eliminieren. Die Band verbarrikadiert sich gemeinsam mit der Skin-Braut Amber (Imogen Poots) im Backstageraum. Es folgt ein erbarmungsloser Showdown Skins vs. Punks. Als der Bodycount steigt, müssen sich die Überlebenden etwas einfallen lassen, um dem grausamen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende zu bereiten …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 07.10.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 91 Minuten
Extras: Featurettes / Kinotrailer

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde