Review

Mit der Krimiserie „Grantchester“ kehren Fans des Genres ein viertes Mal zurück in die beschauliche britische Gemeinde, in der zwischen Gottesdiensten und den Alltagsproblemen der 50er Jahre immer auch noch Platz für Mord und Totschlag ist.

Doch „Grantchester – Staffel 4“ hält mehr bereit, als Mordfälle und Ermittlungsarbeit mit Retro-Charme. Und so wird in nur sechs Episoden sehr viel Inhalt geboten. Darunter auch einige Neuerungen, die Liebhabern der Produktion zuweilen doch ans Herz gehen könnten.

Zu verschmerzender Abschied und gelungener Einstieg

Allen voran markiert „Grantchester – Staffel 4“ sowohl die finale Staffel von Schauspieler James Norton in seiner Hauptrolle des Sidney Chambers, als auch den Einstieg von Tom Brittney als neuen Pfarrer Will Davenport.

Letzteren gelingt es erstaunlich gut, in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass die Rolle von Sidney Chambers allmählich mehr als auserzählt wirkt. Das ihm zugeschriebene Motiv der verlorenen Seele, sein Herzschmerz und der dadurch resultierende Zweifel an seinem Glauben sowie die scheinbar zunehmende Todessehnsucht tragen zwar in seinen letzten zu spielenden Folgen zur Dramatik der Handlung und des Charakters bei, wirken gleichzeitig aber mittlerweile derart ausgereizt, dass „der Neue“ kaum mehr abgewartet werden kann.

Dieser hat sodann seinen großen Auftritt in der Episode „Auftakt Will Davenport“ – und begeistert von der ersten Sekunde an.

Obschon auch ihm eine tragisch-dramatische Vergangenheit angedichtet wurde, die sicherlich auch in zukünftigen Staffeln noch das eine oder andere Mal eine Rolle spielen wird, erhält seine Figur bereits jetzt ein klares Profil, das zu gefallen weiß.

Willkommene Bildschirmpräsenz einiger Nebenfiguren

Neben dieser neuen Figur erhalten erfreulicherweise aber auch die sympathischen Nebenfiguren wie Leonard Finch (gespielt von Al Weaver) und Mrs. Maguire (gespielt von Tessa Peake-Jones) sehr viel Screentime – ganz zur Freude der Zuschauer. Ihre Szenen und jene von Neuzugang Tom Brittney verleihen „Grantchester – Staffel 4“ eine ganz neue Dynamik und Energie und darüber hinaus eine Menge humorvoller Einlagen.

Neuzugang in „Grantchester – Staffel 4“: Tom Brittney als Will Davenport. (Copyright: Edel:Motion / Colin Hutton)

Trotz eines womöglich weinenden Auges seitens der Fans angesichts des Ausstiegs von James Norton, nimmt der Unterhaltungswert der Serie in dieser Staffel enorm zu.

Die Mischung machts

Es gibt also so einige Stellen zum Schmunzeln. Daneben erhalten natürlich auch die Mordfälle ausreichend Raum, um sich spannend entfalten zu können. Und nicht zuletzt sorgen (auch heute noch aktuelle) Themen wie Rassismus, Homophobie und die Emanzipation bzw. das Rollenbild der Frau für Momente zum Nachdenken und Innehalten.

Fazit

„Grantchester – Staffel 4“ will viel – und bietet das auch. Neue Figuren steigen in die Serie ein, beliebte Gesichter verschwinden aus Grantchester.

Zwischen all diesem Trubel gilt es dann noch diverse unterschiedliche und abwechslungsreich inszenierte Mordfälle aufzuklären, während die Widrigkeiten und Annehmlichkeiten der 50er Jahre mit viel Liebe zum Detail authentisch und ganz beiläufig integriert präsentiert werden.

Wider Erwarten die bisher beste Staffel.

Trailer

Handlung

Es ist 1955 und Sidney Chambers steckt in einer Krise. Er verspürt das Gefühl der Ohnmacht und Gleichgültigkeit und lässt sich immer wieder zu riskanten Heldentaten hinreißen. Geordie macht sich Sorgen um seinen Freund, auf ihn wirkt Sidneys leichtsinnige Einstellung langsam wie eine Todessehnsucht. Doch dann tritt eine neue Frau in das Leben von Sidney: Violet Todd. Ihr Streben nach sozialer Gerechtigkeit entfacht auch sein Feuer wieder und er erkennt, dass Grantchester nicht mehr der richtige Ort für ihn ist.

So begrüßt das kleine Dorf einen neuen Pfarrer: den Idealisten Will Davenport. Auch er fühlt sich von der Welt des Verbrechens angezogen und will seine kriminologischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Inspector Geordie Keating vermisst indes seinen Freund Sidney und kann sich eine Welt ohne ihn nicht so recht vorstellen.

(Quelle: Edel:Motion)  

Episoden

01 Sidneys Erwachen
02 Goodbye Sidney
03 Auftakt Will Davenport
04 Es kann das weichste Herz erhärten
05 Verbitterung
06 Was macht unser Schicksal aus?

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 15.03.2020
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 300 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde