Review

Während die übliche Staffelabfolge mit der saisonalen feiertagsanlässlichen Veröffentlichung „Weihnachten in Grantchester“ Ende letzten Jahres kurzfristig unterbrochen wurde, geht die Krimiserie nun mit „Grantchester – Staffel 3“ nahtlos weiter.

Sechs Episoden führen die Zuschauer vor den heimischen Bildschirmen abermals in die 50er Jahre zurück und zeugen ein weiteres Mal vom nostalgischen Charme der Serie.

Zusätzlich dazu schwingt bereits in der ersten Folge namens „Ein Ertrunkener in der Kirche“ ein düsterer Unterton mit, der dem Titel der Romanreihe, „The Grantchester Mysteries“, auf der die Serie basiert, scheinbar mehr als gerecht wird.

Figuren im Vordergrund

Diese Stimmung hält jedoch nicht lange an, denn im weiteren Verlauf stehen weniger die Kriminalfälle als vielmehr die Figuren im Vordergrund. Von der Haupt- bis hin zur Nebenrolle sind Weiterentwicklungen erkennbar; dies vor allem dadurch, da alle Figuren vor wichtigen persönlichen Entscheidungen stehen, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen können und werden.

Allen voran für Protagonist Sidney Chambers (gespielt von James Norton) heißt es, seine Pflichten als Pfarrer über die eigenen Bedürfnisse zu stellen. Sein turbulentes Privatleben kommt ihm dabei jedoch erneut in die Quere – und seine Vorbildfunktion ins Wanken.

Die Wahl zwischen Pflicht und Liebe fällt allerdings nicht nur ihm schwer.
Auch Detective Inspector Geordie Keating (gespielt von Robson Green) sieht sich zwischen zwei Frauen und ist dabei, seine Ehe aufs Spiel zu setzen.

Indes hat Jungvikar Leonard Finch (gespielt von Al Weaver) mit der Sichtweise der Kirche und der Gesellschaft auf Homosexualität zu kämpfen und verlobt sich aus Verzweiflung und um Spekulationen bezüglich seiner Neigungen zu beenden sogar mit der ihm zugetanen Hilary.

Heiratsabsichten hegt auch die gute Seele der Serie, Mrs. Maguire (gespielt von Tessa Peake-Jones). Doch ihr totgeglaubter Ehemann stellt sich zunächst noch als allzu lebendig heraus …    

Krimi- und History-Aspekte im Einklang

Insgesamt wird von den Machern in vorliegender Staffel besonders gut die Stellung der Frau in der damaligen Zeit herausgearbeitet. Doch nicht nur in diesem Punkt bringt die Produktion gekonnt Krimi- und History-Aspekte in Einklang.

Diese einstigen Gepflogenheiten werden zudem optisch authentisch in Szene gesetzt. Vom Kostümdesign über detailverliebte Requisiten bis hin zu teils an Lost Places erinnernde Kulissen (wie etwa die Irrenanstalt in Folge 1) – all dies trägt nicht nur zum historischen Touch, sondern auch zur Atmosphäre und Nahbarkeit der Serie bei.

Geordie Keating (Robson Green) steht in „Grantchester – Staffel 3“ – nicht nur bildlich – zwischen zwei Frauen. (Copyright: Edel:Motion / Colin Hutton)

Ernster Grundton

Etwas zu kurz kommt dagegen die humorvolle Seite von „Grantchester“.

War man es bisher gewohnt, hin und wieder auf unterhaltsame Dialoge, kecke Sprüche und auflockernde Nebenhandlungen zu treffen, dominiert nun der Ernst der jeweiligen Lage einer Figur das Seriengeschehen.

Zwar büßen die Charaktere nichts von ihren Eigenheiten ein, der Grundton von „Grantchester – Staffel 3“ fällt allerdings eher weniger leicht und lustig aus wie bisher gewohnt.

Fazit

Damit verschwinden einige bisherige Trademarks der Serie, während Figuren und Handlungen an Tiefe gewinnen.
Neulinge werden es daher schwer haben, erst mit Staffel 3 in den „Grantchester“-Kosmos einzutauchen. Fans der Serie erleben hingegen eine Intensivierung des bisher Kennengelerntem – und natürlich, ganz nebenbei, ein paar durchdachte Mordfälle.

 

Trailer

Handlung

Es ist 1955 und Sidney Chambers (James Norton), der kriminologisch begabte Pfarrer des kleinen Dorfes Grantchester, ermittelt wieder im Auftrag des Herrn, zusammen mit seinem Freund, Detective Inspector Geordie Keating (Robson Green).

Obgleich sich Sidney mit grausamen Verbrechen, Intrigen und unerwarteten Tragödien beschäftigen muss, gab ihm seine Rolle in der Kirche immer den nötigen Halt. Doch diese wird auf eine harte Probe gestellt. Sidney steht vor einem moralischen Dilemma: Mit der Frau zusammen sein, die er liebt, oder den moralisch hohen Ansprüchen der Kirche folgen. Obwohl Sidney das Leben eines Geistlichen lebt, kann er manchmal nicht anders, als in weltlichere Gewohnheiten zu verfallen, aber ist das ein Schritt zu weit?

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Ein Ertrunkener in der Kirche
02 Abwertung
03 Bonnie und Clydes Erbe
04 Tatsächlich … Leben
05 Sidneys Martyrium
06 Nichts als die Wahrheit

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 21.02.2020
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 300 Minuten
Extras: Making-of / Hinter den Kulissen / Interviews mit Cast & Crew

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde