Review

Mit >Grantchester (Staffel 1)< in die 50er Jahre

Bereits das „Inspector Morse“-Prequel „Der junge Inspektor Morse“ entführte Krimi- und Nostalgie-Fans erfolgreich in eine längst vergangene Zeit.

Auch die erste Staffel der britischen Krimiserie „Grantchester“, basierend auf dem Roman „Der Schatten des Todes: Sidney Chambers ermittelt“ von James Runcie, geht mit seiner Handlung in ein England des Jahres 1953 zurück und wartet mit James Norton („Krieg und Frieden“, „Happy Valley – In einer kleinen Stadt“, „Doctor Who“, „Hampstead Park – Aussicht auf Liebe“) sowie Robson Green („Hautnah – Die Methode Hill“, „Being Human“) als Hauptdarsteller auf.

Worum gehts?

Im beschaulichen Örtchen Grantchester in der englischen Grafschaft Cambridgeshire geht der junge Vikar Sidney Chambers (James Norton) seiner Arbeit nach, bis ein Mordfall sein Detektiv-Gespür weckt. Gemeinsam mit DI Geordie Keating (Robson Green) ermittelt er fortan in sechs unterschiedlichen Fällen à 45 Minuten.

Eine angenehme Laufzeit für die Zuschauer, in der zudem alles untergebracht wird, was eine Krimiserie dieses Formats benötigt. Liebeleien hier, wortwitziger Schlagabtausch dort, ein ungleiches Ermittlerpaar auf der einen Seite, spannende (und für manch einen Darsteller sogar lebensgefährliche) Mordfälle auf der anderen – und über allem liegt der Charme der 50er Jahre.

Selbstredend muss man das mögen – Fans von an (moderner Ermittlungs)Technik und Wissenschaft orientierten Serien dieses Genres werden sich sehr fehl am Platz fühlen. Wer hingegen eine Vorliebe für retrocharmante Produktionen hegt, der stößt hier auf detailreich arrangierte (Original)schauplätze und liebevoll ausstaffierte Figuren, bei denen Kostüm- und Szenenbildner ihr Möglichstes gegeben haben, um die Authentizität der damaligen Zeit – und damit die der Serie – zu unterstreichen.

Zeitlose Themen

Authentisch erscheinen außerdem die einzelnen Fälle. Darüber hinaus fallen die dabei behandelten Themen (wie etwa Homophobie, Intoleranz, Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung oder Gewalt in der Ehe) derart zeitlos aus, dass sie (leider) auch heute noch nichts an Aktualität verloren haben.

Starke Rollen

Auffallend sind indes die Frauenrollen in „Grantchester – Staffel 1“, die im Rahmen der damaligen Traditionen und Rollenmuster immer auch einen Hauch Emanzipation versprühen und es ihren männlichen Figuren dadurch nicht immer leicht machen.

Starke Besetzung bis hin zu den Vierbeinern in „Grantchester – Staffel 1“ (Copyright: Edel:Motion / ITV / Neil Genower)

Doch nicht nur die Haupt- und Frauenrollen fallen positiv ins Auge. Auch die Nebenrollen sind ausdrucksstark angelegt. Besonders sympathisch kommt diesbezüglich die resolute und doch liebenswürdige Haushälterin Mrs. Maguire (Tessa Peake-Jones), der unbedarfte und homosexuelle Jung-Vikar Leonard Finch (Al Weaver) und nicht zuletzt der Vierbeiner, Labrador Dickens, bei den Zuschauern an. Gerade letztgenannter sorgt (nicht nur bei Tierliebhabern) für einige herzliche, unterhaltsame und lustige Szenen, während man ihm in der ersten Staffel beim Heranwachsen zuschaut.

Kleine Kritik

Bei all den positiven Aspekten hätte man sich allerdings teilweise ein wenig mehr Innovation gewünscht. Die Konstellation des ungleichen Ermittlerpaares ist beispielsweise alt wie bekannt, sodass es willkommen gewesen wäre, wenn sich hier von alten (Genre-)Mustern etwas mehr losgelöst worden wäre. Dies hätte zudem die Vorhersehbarkeit einiger Sequenzen verhindert.

Fazit

Wen das nicht stört, der findet in „Grantchester – Staffel 1“ gute nostalgische Krimi-Unterhaltung, die in der Heimat bereits bei Staffel 4 angekommen ist. Es darf daher auch in Deutschland auf mehr gehofft werden.

Trailer

Handlung

England im Jahr 1953: Sidney Chambers (James Norton) ist der anglikanische Priester von Grantchester, einem malerischen Dorf etwas außerhalb von Cambridge.
Sein Leben ist eher beschaulich. Oder zumindest war es das – bis zu einem Moment, in dem sich ein Mord in seiner Gemeinde ereignet …

Konfrontiert mit einer gefährlichen Welt aus Lügen, Verrat und Mord, stellt Sidney schnell fest, dass seine Menschenkenntnis und sein Vertrauen, das er den Menschen entgegenbringt, ihn für seine neue Rolle als Hobby-Detektiv prädestinieren. Gemeinsam mit dem freundlichen, aber desillusionierten Detective Inspector Geordie Keating (Robson Green) nimmt er die Ermittlungen auf. Trotz ihrer Verschiedenheit ergänzen sich die beiden Ermitler perfekt, und jeder trägt auf seine Weise dazu bei, dass so mancher, scheinbar hoffnungsloser Kriminalfall aufgeklärt wird.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Detektiv im Auftrag Gottes
02 Die beste Gesellschaft
03 Der (aller)letzte Wille
04 Mann und Frau und Mann
05 Reue und Rache
06 Wege aus dem Schatten

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 31.05.2019
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 270 Minuten
Extras: Making-of / Behind The Scenes / The Women in Sidney’s Life / Cast & Crew / Heimkino-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde