Review

Mit manchen Animes fühlt man sich regelrecht verbunden. 2006 wurde „Gantz“ auf MTV als Teil deren Anime-Programms ausgestrahlt. Abends hieß es dann immer: vorm Fernseher sitzen, die Serie mit den Augen aufsaugen und gleichzeitig auf Videokassette aufnehmen (ja, ich bin ein Spätzünder, was moderne Technik angeht). Jedenfalls ist mir bei „Gantz“ zu der Zeit fast das Hirn aus dem Schädel gesprungen, was halt so passiert, wenn man bis dato nur die Animes auf RTL 2 kennt. Aber auch heute hat diese Serie immer noch nicht ihre Anziehungskraft verloren.

Kei Kuronos Leben endet, aber sein neues "Leben" wird sich anders gestalten, als gedacht (Copyright: 2004 Hiroya Oku / SHUEISHA - GANTZ Partners)

Kei Kuronos Leben endet, aber sein neues „Leben“ wird sich anders gestalten, als gedacht. (Copyright: 2004 Hiroya Oku / SHUEISHA – GANTZ Partners)

Nachdem Kei Kurono und Masaru Kato einem Obdachlosen helfen wollen, der auf die Gleise einer U-Bahn gefallen ist, werden beide von dem Zug erfasst. Doch anstatt ins ewige Nirvana einzufahren, finden sich die beiden Schüler in einem Raum mit einer riesigen schwarzen Kugel wieder. „Gantz“, wie sie genannt wird, rüstet die Ankömmlinge mit Waffen aus und schickt sie in verschiedenen Missionen auf eine blutige Jagd nach Aliens.

Und genau das ist es, was „Gantz“ ausmacht. Dieses Gefühl, die ganze Zeit nicht zu wissen, was abgeht. Und die Serie lässt den Zuschauer auch bis zum Schluss im Dunkeln darüber. Viele der Fragen werden zwar teilweise beantwortet, aber im Endeffekt ist man genauso schlau wie vorher.

Die gesamte „Collector’s Edition“ Box ist mit Extras gefüllt, um genau zu sein findet sich auf fast jeder DVD Bonusmaterial. Sei es ein Interview mit dem Autor, Trailer oder ein Making of. Letzteres empfehle ich unbedingt einmal anzuschauen. „Gantz“ ist nämlich ein Anime, der mit einer Menge CGI erstellt wurde; genau so wie dies schon beim Manga stattfand und dessen Layouts auch für die Animation dienten. Man muss dazu sagen, dass sich das Gezeichnete oft von den 3D-Effekten abhebt, was allerdings die super Kamerafahrten über das detailreiche Gelände wieder zur Genüge wettmachen.

Kishimito wird nach ihrem Selbstmord vor Kuronos Augen in den Raum transferiert. (Copyright: 2004 Hiroya Oku / SHUEISHA - GANTZ Partners)

Kishimito wird nach ihrem Selbstmord vor Kuronos Augen in den Raum transferiert. (Copyright: 2004 Hiroya Oku / SHUEISHA – GANTZ Partners)

Die zeichnerische Darstellung braucht sich allerdings nicht zu verstecken. Der Stil ist zwar nicht aufregend ober überzogen, aber im Grunde sehr solide. Aber so soll es auch sein, trotz seiner Sci-Fi-Ideen spielt sich „Gantz“ immer noch im modernen Alltag eben jener ab, die in das grausame Spiel eingeladen wurden.

Dafür gibt es eine Menge Action und vor allem Gewalt. „Gantz“ hält sich dabei nicht zurück. Menschen werden enthauptet, Gliedmaßen abgeschlagen oder Innereien bekommen Freigang. Es hat zwar etwas von Gore, dennoch erscheint das Ganze dezent. Die wohl auffälligsten Szenen sind die, in denen die Teilnehmer von Gantz transferiert werden. Es ist ein ekliger sowie beeindruckender Anblick, wenn sich langsam Sehnen, Muskeln und sogar ein komplettes Gehirn vor einem manifestieren.

Für die Charaktere wird in „Gantz“ mit dem Finger auf die Gesellschaft gezeigt. Ob Priester, Krimineller, Mörder oder Model, im „Gantz-Raum“ sind alle Personen gleich. Was die Protagonisten angeht, so wurde nicht allzu tief gebohrt. Allerdings muss man dazu sagen, dass Hiroya Oku – wie im Manga – keinen zweiten Gedanken an sie verschwendet und sie für ihn nur Kanonenfutter sind. So ist „Gantz“ aber nun einmal, es geht entweder nach oben oder nach unten. Öfter zwar nach unten, aber die Figuren müssen nun einmal sehen, wie sie mit der neuen Situation zurechtkommen und wenn, dann auf die harte Weise.

Entsprechend verdreht tritt der Soundtrack auf. Durchgehend eine Mischung aus Trance und psychedelischer Elektronik. Mit Ausnahme des rockigen Intros und des melodischen Endings werden nur Klänge aus einer anderen Welt abgespielt.

Wenn bei "Gantz" mit einer Sache nicht gespart wird, dann ist es das Vergießen von roter Lebensflüssigkeit. (Copyright: 2004 Hiroya Oku / SHUEISHA - GANTZ Partners)

Wenn bei „Gantz“ mit einer Sache nicht gespart wird, dann ist es das Vergießen von roter Lebensflüssigkeit. (Copyright: 2004 Hiroya Oku / SHUEISHA – GANTZ Partners)

Während sich der Hauptteil der Serie weitgehend an den Manga hält, wurde für die letzten Folgen ein Plot extra für den Anime neu geschrieben. Genauso verhält es sich mit einigen Charakteren. Der Abschluss von „Gantz“ steht darum hinter allen Erwartungen und ist nicht wirklich zufriedenstellend. Wer wissen will, wie genau es weitergeht, muss an dieser Stelle dann doch auf den Manga zurückgreifen.

Dennoch, „Gantz“ ist abgefahren, brutal und fährt eine Portion pubertäre Erotik auf. Die Serie hat einfach Stil, mit den schwarzen Anzügen, den teils viel zu überlegenen Gegnern und einem Plot, der auch neben den Missionen viel Drama aufkommen lässt, weil es neben der ganzen Gewalt auch um Themen geht wie Familie oder allgemein um die Probleme des Erwachsenwerdens. „Gantz“ ist weit entfernt, perfekter Anime zu sein, dafür hat er viel zu viele Ecken und Kanten. Dennoch sorgt „Gantz“ für eine Menge Unterhaltung und vor allem Verwirrung; insbesondere da in die Produktion eine Menge Arbeit hineingesteckt wurde und sich das Ergebnis, trotz kleinerer Makel, immer noch sehen lassen kann.

Handlung

Als Kei seinem Schulfreund Masaru zu Hilfe eilt, nachdem dieser auf die Gleise der U-Bahn gestürzt ist, werden beide von der einfahrenden Bahn erfasst und getötet. Doch die Freunde sind nicht tot, stattdessen finden sie sich mit einigen anderen Menschen an einem surrealen Ort wieder, an dem sie eine mysteriöse schwarze Kugel erwartet, die sich als Gantz vorstellt. Diese rüstet die Anwesenden nachfolgend mit speziellen Anzügen und Waffen aus und verwickelt sie in ein perfides Spiel, bei dem es darum geht, auf der Erde lebende Aliens zu vernichten …

(Copyright: Nipponart)

Details

Format: Collector’s Edition, Dolby, DTS, PAL
Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 6
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Gonzo
Publisher: Nipponart
Erscheinungstermin: 12.12.2014
Produktionsjahr: 2004
Spieldauer: 780 Minuten
Extras: 6 DVDs im Papp-Schuber; Booklet und exklusives Postkarten-Set
Bonusmaterial: Making of, Interviews und Talkrunde mit den Machern der Serie, Artwork-Galerie, 3D-CGI Animations-Special

Copyright Cover: Nipponart



Über den Autor

Christopher