Review

Was für ein … nein, so fangen wir das nicht an. „Gangster Chronicles“ oder besser gesagt „Pawn Shop Chronicles“ wie der deutlich logischere Originaltitel lautet, ließ mich schon recht verwirrt, verdutzt, perplex, schlicht fassungslos auf der Couch zurück. Fassungslos? Nein, das ist übertrieben. Es war schon ein, sagen wir, Erlebnis diesen Film im Player zu haben. Der Film lief in den Staaten bereits im Sommer 2013 an, kam nach Deutschland aber erst im August dieses Jahres als Direct-To-DVD, bzw. Blu-ray Veröffentlichung.

Regisseur Wayne Kramer zählt nicht gerade zu den Anfängern im Regiestuhl. So inszenierte er bereits 2006 den sogar in Deutschland recht erfolgreichen Action-Thriller „Running Scared“. Auch damals bereits mit Paul Walker in der Hauptrolle, der in Kramers neustem Werk eine seiner letzten Rollen abliefert. Wie bereits auch „Running Scared“ versteht sich „Gangster Chronicles“ als Episodenfilm. Drei Geschichten, die alle in einem gewissen Pfandleihaus (dem Pawn Shop eben) in Louisiana zusammenlaufen und scheinbar unabhängig voneinander erzählt werden.

Paul Walker als Meth-Head (Copyright: Universum Film)

Paul Walker als Meth-Head „Raw Dog“ (Copyright: Universum Film)

In der ersten Episode mimen Paul Walker und Kevin Rankin zwei Südstaaten-Fascho-Meth-Heads, die zwar kaum bis vier zählen können, aber high genug sind, ihren eigenen Dealer zu überfallen. Der wiederum gespielt wird von Norman Reedus, eher bekannt als Daryl Dixon aus der TV-Serie „The Walking Dead“.
Recht straight kommt dieses erste Drittel des Films daher und weiß durch einige amüsante Momente zu überzeugen. Wenn zwei zugedröhnte, rassistische Junkies im Auto beginnen zu hinterfragen, warum sie eigentlich Rassisten sind, kann das nicht wirklich langweilig werden. Mit schnellen Schnitten und rasanter Erzählung kommt hier ein gewisses Road-Movie-Flair auf, welches stellenweise durch skurrile Anarcho-Humor Momente ergänzt wird. Szenen, die vom Plot her einfach wenig Sinn ergeben und vielleicht gerade deshalb zu unterhalten wissen. Der Showdown bricht ab und Episode #2 beginnt.

Matt Dillon, der einem Bruce Campbell zu besten „Evil Dead“-Zeiten mittlerweile zum Verwechseln ähnlich sieht, spielt Richard, einen frisch verheirateten Mann, der mit der Liebsten auf dem Weg in die Flitterwochen ist. Natürlich macht das überglückliche Paar Halt an besagtem Pfandleihaus, wo Richard eine Spur seiner mysteriösen Vergangenheit entdeckt, welche seinen Tagesplan dezent auf den Kopf stellt. Eine reichlich brachiale Episode, mit einem bemitleidenswerten Antagonisten, gespielt von Elijah Wood.

Episode #3 handelt vom glücklosen Elvis Imitator Ricky, gespielt von Brendan Fraser, der einen verhängnisvollen Pakt eingeht, um den, seiner Meinung nach, verdienten Ruhm zu erlangen. Ob dem seltsamen Besuch in zwei Barbershops, der Versuch sich ein Frühstück zu erbetteln oder der katastrophale „große Auftritt“ am Abend, hätte die Kunstfigur Helge Schneider einen Sohn, Ricky würde ihm recht nahe kommen.

Matt Dillon und Elijah Wood in einer ausweglosen Situation (Copyright: Universum Film)

Matt Dillon und Elijah Wood in einer ausweglosen Situation (Copyright: Universum Film)

Das Blu-ray-Format tut dem Film gut, das Bild wirkt scharf und die Farben lebendig. Auch vom Kontrast her weiß die Optik zu überzeugen.
Der Ton ist nicht opulent, aber ausreichend. Ein DTS 5.1 HD Master liegt sowohl im englischen O-Ton als auch in der deutschen Synchronfassung vor.
An den Extras wurde hingegen deutlich gespart, neben einem Audiokommentar vom Regisseur und Drehbuchautor, ist nach ein paar Trailern Schluss mit dem Bonusmaterial. Da hätte mehr drin sein können.

Auch wenn man an gewissen Punkten das Gefühl hat, es wären die sinnvollen Ideen recht schnell ausgegangen und man hätte den roten Faden bereits drei Szenen zuvor verloren, sind es gerade diese bizarren und sinnfreien Momente, die dem Film ein gewisses Feeling geben, was ihn letztendlich fast schon sehenswert macht. Dennoch bleibt es nur bei „fast sehenswert“, denn die Ideenverwurstung wirkt eher nach Patchwork, als nach gekonntem Storytelling, sodass abseits aller bizarren Ereignisse eher wenig hängen bleibt und man die Logik in diesem High-Budget-Trash-Fest oft vergebens sucht.
Wer mit abstraktem Humor nichts anfangen kann oder gar eine geladene Action-Granate erwartet, wird die Disc sehr schnell wieder aus dem Player zerren. Kramer wollte hier gewiss keine geistreiche Story erzählen, sondern sich einfach nur amüsieren und mit etwas Glück gelingt das auch dem Publikum.

Trailer

 

Inhalt

Chaos pur in Lousiana! Das Pfandleihhaus von Alton (Vincent D’Onofrio) wird zum Mittelpunkt dreier verrückter Geschichten, die sich immer wieder kreuzen: Zwei Meth-Junkies (Paul Walker und Kevin Rankin) planen, ihren eigenen Dealer auszunehmen, ein frisch verheirateter Mann (Matt Dillon) findet den Ehering seiner vermissten Ex-Frau bei Alton und macht sich auf die Suche nach ihr, und ein mieser, in die Jahre gekommener Elvis-Imitator (Brendan Fraser) muss sich entscheiden, ob er einen Pakt mit dem Teufel eingeht, um seinen Durchbruch zu schaffen …

(Copyright: Universum Film / SquareOne Entertainment)

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Details

Format: Blu-ray (Dolby, DTS, PAL, Widescreen)
Sprache: Deutsch (DTS HD MA 5.1), Englisch (DTS HD MAl 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: B
Bildseitenformat: 1920x1080p (1.85:1) @24 Hz
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film
Erscheinungstermin: 29.08.2014
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: ca. 112 Min.
Extras: Audiokommentar von Wayne Kramer (Regie) und Minarovich (Drehbuch) / Dt.- und Original Kinotrailer / Trailershow / Wendecover

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Emu
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“Only nothing is impossible.” - Grant Morrison