Review

Vulgär, pietätlos und unbequem sagen die einen, die anderen feiern die britische Dramedy-Serie „Fleabag – Season 1“ als ungefilterte, schwarzhumorige Charakterstudie einer Protagonistin, die als obszöne Antiheldin wohl die Serienlandschaft ordentlich aufmischen wird.

Adaption eines Theaterstücks

62 Nominierungen und 54 Awards geben schon dem Erfolg dieser außergewöhnlichen Produktion Recht, die eine Adaption des Theaterstücks von Phoebe Waller-Bridge darstellt.

Phoebe Waller-Bridge ist es dann auch, die nicht nur der kreative Kopf des Stückes, sondern zugleich auch Gesicht der Hauptfigur ist, denn genau sie schlüpft hier, verteilt auf sechs Episoden à 26 Minuten, in die Rolle der Frau, die „zu heilen versucht und nie ihren Mut verliert, obwohl sie mit ihrer ungefilterten Art jeden von sich stößt, der ihr helfen will.“

Dabei entsteht ein „scharfsinnige[r] Einblick in die Seele einer schlagfertigen, sexuell aktiven, wütenden,  pornoüberwachenden, von Trauer geplagten Frau, die versucht, die Welt zu verstehen. Während sie sich kopfüber in das Leben stürzt, stößt Fleabag im modernen Großstadtdschungel Londons jedoch des Öfteren an ihre Grenzen. [Sie] schläft mit jedem, der es wagt, ihr zu nahe zu kommen, pumpt sich regelmäßig Geld […] und hält die ganze Zeit die Tapferkeit aufrecht. Denn sie ist genau die Art normaler Mensch.“

Verdeutlicht wird all dies zum einen durch die Handlungen als solche, zum anderen durchbricht die Protagonistin im Laufe jeder Folge mehrmals die Vierte Wand und spricht die Zuschauer direkt an. Das kann man mögen, muss man aber genau dann nicht, wenn man meint, es störe und unterbreche den Handlungsverlauf zu sehr. Geschmackssache.

Eine Frage des (guten) Geschmacks

Geschmackssache ist so vieles bei „Fleabag – Season 1“, die sich irgendwo zwischen einer modernen Fassung von „Sex and the City“ und „Miranda“ bewegt.

So auch der Humor. Typisch britisch fällt jener mitunter sehr schwarz aus und bricht Tabus.

Eine etwas andere Familie – zu sehen in der Dramedy-Serie „Fleabag – Season 1“. (Copyright: justbridge entertainment)

Dabei fällt auf, dass die Serie locker, leicht inszeniert beginnt und am Anfang den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und witziger Unterhaltung gut bewältigt, dann aber gegen Ende den Humor zugunsten der dramatischen Aspekte mehr und mehr zurückstellt. Der Wechsel von lustig zu tragisch und ernst gestaltet sich insbesondere durch eine überraschende Wendung augenscheinlich sehr abrupt. Das hat zur Folge, dass am Ende die Episoden (eventuell auch aufgrund des reduzierten Humors) eher zäh wirken.

Zugute kommt dies allerdings der Charakterentwicklung. Passend und gut besetzt sowie ebenfalls gut geschauspielert bietet die sowohl bei den Nebenrollen als auch bei einigen Zuschauern aneckende und extrem dargestellte Protagonistin dennoch viel Identifikationspotenzial. Lässt man sich auf sie ein, hegt man zudem schnell Sympathien vor sie.

Fazit

„Fleabag – Season 1“ polarisiert – und das in jeder Hinsicht. Nicht jeder wird mit der Hauptfigur warm werden, einige werden sich gar an ihr stoßen; nicht alle mögen das Durchbrechen der Vierten Wand und manch eine/r empfindet die Inszenierung wohl als zu direkt. Gerade diese Punkte sind es aber, die die Serie ausmachen und sie angenehm abheben vom „normalen“ Seriengeschehen. Abseits des Mainstreams bietet „Fleabag“ zudem einiges an Identifikationspotenzial, wenn man bereit ist, sich auf die Serie respektive auf die Figur einzulassen. Mutige vor!


Fleabag – Season 1 [Blu-ray]

Trailer

Handlung

Fleabag bietet einen ebenso lustigen wie scharfsinnigen Einblick in die Seele einer  schlagfertigen, sexuell aktiven, wütenden, pornoüberwachenden, von Trauer geplagten Frau, die versucht, die Welt zu verstehen. Während sie sich kopfüber in das Leben stürzt, stößt Fleabag im modernen Großstadtdschungel Londons jedoch des Öfteren an ihre Grenzen. Fleabag schläft mit jedem, der es wagt, ihr zu nahe zu kommen, pumpt sich regelmäßig Geld, lehnt jeden ab, der versucht, ihr zu helfen, und hält die ganze Zeit die Tapferkeit aufrecht. Denn sie ist genau die Art normaler Mensch.

(Quelle: justbridge entertainment)

Details

Sprache: Deutsch, Englisch, deutsche Untertitel
Ton: 5.1 Dolby Digital, 2.0 Dolby Digital
Bild: Full HD 1080p
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: justbridge entertainment
Erscheinungstermin: 14.05.2021
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: ca. 190 Minuten

Copyright Cover: justbridge entertainment GmbH



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde