Review

In die (oder zumindest in sehr ähnliche) Fußstapfen eines Filmes wie „Go Fast“ (2008) möchte nun scheinbar die ebenfalls französische Produktion „Fast Convoy“ treten, die unter Regisseur Frédéric Schoendoerffer rasante Action und „einen verzweifelten Kampf ums Überleben“ verspricht.

Der Zuschauer begleitet eine Gruppe von sieben Männern, die auf dem Weg von Malaga nach Paris sind, um per Drogenkonvoi über tausend Kilo Cannabis zu transportieren. Auf bösen Jungs und schnellen Autos liegt also der Fokus von „Fast Convoy“, der damit zugleich seine Zielgruppe vorzugeben scheint. Doch entgegen den Erwartungen entpuppt sich der Actioner mit Thrill-Faktor als kleine Überraschung, die sowohl das weibliche Geschlecht mit ins Boot respektive in die Autos holt (und das sogar wortwörtlich, bedenkt man die im Film beiläufig vonstattengehende Geiselnahme von Reem Kherici in ihrer Rolle als Nadia), als auch fern der effekthaschenden Aufnahmen einer Serie wie „Alarm für Cobra 11“ agiert.

Zwar ist die Handlung mit dem Begriff „Drogenkonvoi“ oder dem Titel „Fast Convoy“ bereits ausreichend zusammengefasst, denn sehr komprimiert, überschaubar und mit dem Verzicht auf diverse Nebenhandlungen bestreitet der Film seine Spielzeit von ca. 99 Minuten, dafür ist u.a. durch die spezielle Farbgebung beinahe schon ein künstlerischer Aspekt erkennbar, während die Figuren, die Bande von Drogenkurieren mit Einzelschicksalen, in den Vordergrund rücken.

Jene wurden authentisch besetzt, denn die schauspielerische Leistung passt und man nimmt allen Darstellern ihre Rollen ab. Diese fallen sehr verschieden aus; sie bedienen dabei zwar das eine oder andere Klischee, wirken aber innerhalb des Plots äußerst stimmig.

Viel Text mussten sich die meisten Schauspieler nicht merken, denn insbesondere die Rolle des „Organisators“ Alex (gespielt von Benoît Magimel) fällt gewollt wortkarg aus, dennoch stechen vor allem die Dialoge, wenn sie denn geführt werden, immer wieder positiv hervor und bergen die eine oder andere humoristische Einlage.
Darüber hinaus spricht die Handlung oftmals für sich und hält überraschenderweise auch konstant die Spannung aufrecht.

Dazu tragen zudem die bereits erwähnten Kameraperspektiven, die nicht selten Rennspiel-Charme versprühen, und Farbgebungen des Films bei.
Während sich auf warme Sepia- und kühle Blautöne konzentriert wird, wurden außerdem die gegebenen Lichtverhältnisse des jeweiligen Drehtages hervorragend eingefangen. So stößt man nicht selten auf gelungene Lichtspiele durch die Sonneneinstrahlung, die die Autofahrten scheinbar teilweise begleitet hat. Diesbezüglich scheint des Öfteren ein wenig improvisiert worden zu sein, was „Fast Convoy“ jedoch nur ein Mehr an Atmosphäre und Realismus verpasst.

Dieses Konzept verfolgen die Macher auch im Bereich der Action, welche sich entsprechend bedeckt gibt. Angesichts der zu erwartenden wilden Verfolgungsjagden, der Schießereien und Streitigkeiten rund um die heiße Ware und der Konflikte zwischen den sehr unterschiedlichen Charakteren oder der Geisel überrascht die diesbezügliche Zurückhaltung ein wenig, gleichzeitig kommt dem Film gerade der Verzicht auf Übertreibungen zugute. Auch wenn einige Male Verfolgungsjagden die logische Konsequenz gewesen wären und kleine Logikfehler oder Handlungslücken damit verhindert hätten werden können, wurden die Action-Sequenzen insgesamt sinnvoll dosiert.

Benoît Magimel als kühler Kopf Alex. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Benoît Magimel als kühler Kopf Alex. (Copyright: Ascot Elite Home Entertainment)

Vom Ende des Films hätte man sich eventuell ein wenig mehr Konsequenz und Geschlossenheit gewünscht, dies mag jedoch eine Frage des eigenen Geschmacks sein; ebenso wie die Tatsache, dass vom Zuschauer einiges an Mitdenken gefordert wird, da gerade die „Verwicklungen“ und Motive einiger Charaktere, die mit einer kleinen überraschenden Wendung gen Schluss einhergehen, pointierter hätten ausfallen können.

„Fast Convoy“ entpuppt sich letztlich nicht als stumpfer Actionfilm, sondern wartet trotz der reduzierten Handlung mit reichlich spannendem Unterhaltungswert auf. Indem von Stunt- und Action-Effekthascherei weitgehend abgesehen wurde, erhält der Film das gewisse Etwas und kann fast kritiklos überzeugen.

Trailer

Inhalt

1.800 Kilometer von Malaga nach Paris liegen vor dem Drogenkonvoi. Das sind 24 risikoreiche Stunden voller Anspannung für die sieben Männer in den schnellen Wagen. Mit weit über tausend Kilo Cannabis und der überraschend hinzugekommenen Tasche voller Koks müssen sie für Polizei und Zollfahndung unsichtbar bleiben. Zwölf Mal haben sie einen solchen Transport schon erfolgreich hinter sich gebracht. Doch diesmal läuft es nicht so glatt. Sie verlieren einen Wagen, es gibt einen Toten und einen Verletzten. Und es ist nicht nur die Polizei, die sich an ihre Fersen heftet. Der Konvoi bekommt es mit einem weiteren Verfolger zu tun, der die Routinefahrt endgültig in einen verzweifelten Kampf ums Überleben verwandelt.

(Quelle: Ascot Elite)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 22.07.2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 99 Minuten (Film) + 26 Minuten (Bonus)
Extras: Originaltrailer / Trailershow / Making-of

Copyright Cover: Ascot Elite Home Entertainment



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde