Review

Serienkiller sind in der Filmindustrie immer wieder ein gern behandeltes Thema. Während Quentin Tarantino für August den Kinofilm „Once Upon a Time in Hollywood“ plant, um sich darin den Manson-Morden filmisch anzunehmen, tat Regisseur Daniel Farrands dies bereits kürzlich mit dem Horror-Thriller „The Haunting of Sharon Tate“.

Auch der US-amerikanische Dokumentarfilmer Joe Berlinger legt diesbezüglich mit „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“ nach, doch ist es bei ihm nicht Manson, sondern Ted Bundy, dessen Geschichte hier erzählt wird. Dies auf eine überraschend neue und andere Art und Weise.

Zwischen Spielfilm und Crime-Doku

Basierend auf den damaligen wahren Ereignissen, pendelt „Extremely Wicked, Shocking Evil And Vile“ zwischen (Spiel)film und Crime-Doku – und befriedigt in dieser Art die Zuschauer nur bedingt.

Fast episodenhaft, unterbrochen von real-historischen News-Flashs, verfolgt man das Agieren des (zunächst) Verdächtigen Ted Bundy überwiegend aus dem Blickwinkel seiner damaligen Freundin Liz (Lily Collins).
Anfangs hängen sein „ordentliches“ Leben als Jurastudent, Freund und Stiefvater einerseits und die Verdächtigungen und Verhaftungen bei mehreren Gewaltverbrechen an Frauen andererseits ziemlich isoliert im Raum. Eine Orientierung fällt dem Zuschauer nicht immer leicht.

Größere Zeitsprünge und der häufig als lückenhaft wahrgenommene Handlungsverlauf lassen zudem leider keinen echten Spielfilmfluss aufkommen.

Mr. Nice Guy vs. Serienmörder

Ebenso kommt ein richtiger Bezug zu den Bundy zur Last gelegten Morden nicht rüber. Zu nebenbei und andeutungsweise werden diese – fast im kompletten Film – nur erwähnt. So treibt „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“ den Zuschauer dazu, Sympathien für den seinerzeitigen Frauenschwarm zu entwickeln. Mehr noch wird er sich dabei ertappen, die mitunter zur Farce und One-Man-Show verkommenden Gerichtsverhandlungen als gelungene Unterhaltung und Bühne eines angehenden Juristen zu empfinden.

Der Herangehensweise der Filmemacher geschuldet, wird auf eine tiefergehende psychologische Analyse Bundys verzichtet. Fragen nach dem „Warum?“ und „Wie?“ bleiben hier unbeantwortet. Stattdessen schwebt lange Zeit sogar die Frage „ob überhaupt“ über den gesamten Film. Ted Bundy, der Mann mit den zwei Gesichtern, bekommt damit ein Biopic, das seinen Wahnsinn nur im Ansatz andeutet.

Die Besetzung

Die Verkörperung der smarten, attraktiven und charismatischen Seite Ted Bundys gelingt Schauspieler Zac Efron hingegen hervorragend. Nicht nur ihm nimmt man seine Rolle ausnahmslos ab. Ebenso brilliert Lily Collins als zweifelnde und verzweifelnde Freundin sowie Kaya Scodelario als Neu-Verlobte Carole Anne Boone, die auch optisch ihrer gespielten Figur hier sehr nahekommt, wie Originalaufnahmen am Ende des Films zeigen.

Wer hingegen einen Blick auf das Schauspieldebüt des Metallica-Frontmanns James Hetfield werfen möchte, der wird enttäuscht sein, fällt jener in seiner Rolle als Officer Bob Hayward doch kaum auf.

Die Zielgruppe

Ob die Machart des Films in all ihrer Konsequenz ein guter Schachzug war, sei einmal dahingestellt.

Zac Efron als Serienkiller Ted Bundy in „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“. (Copyright: Constantin Film)

Möglicherweise kommt „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“ jedoch bei den Zuschauern besser an, die mit den realen Geschehnissen nicht allzu vertraut sind. Für diese bleibt der Film spannend angesichts der Frage, ob Bundy nun Opfer eines Justizirrtums ist oder die ihm vorgeworfenen Taten wirklich begangen hat. Diesbezüglich entfaltet der Film gegen Ende gelungen seine schockierende Wirkung.

Für alle anderen ist es ein manchmal zäher Gang, denn der bekannte Ausgang lässt hier nur wenig Spannung aufkommen und zeichnet indes ein Bild von Bundy, das Sympathien weckt und über das sich deshalb – sowie auch angesichts des Themas Opferschutz – streiten lässt.

Fazit

Während der Titel „Extremely Wicked, Shockingly Evil And Vile“ das widerspiegelt, was Ted Bundy schließlich 1989 in Florida auf den elektrischen Stuhl brachte, zeichnet der Inhalt des Films ein eher eindimensionales Bild, das die Gräueltaten des bekanntesten Serienmörders in der Geschichte der USA in den Hintergrund rückt, um stattdessen das Täuschungsgeschick und die Verführungskünste des als Mr. Nice Guy wahrgenommenen Serienmörders zu verdeutlichen. Hier bedarf es viel Feingefühl seitens der Zuschauer, um sich ein differenziertes Bild zu machen.

Da die Morde und Motive als solche kaum thematisiert werden, bleibt – bei Interesse – eine Eigenrecherche nach dem Film nicht aus, um das Bild des Ted Bundy zu komplettieren.

Trailer

Handlung

Basierend auf der wahren Geschichte von Ted Bundy – Amerikas berüchtigstem Serienkiller

Ted Bundy – Amerikas berüchtigster Serienkiller
Von 1974 bis 1978 hält eine brutale Mordserie die gesamte USA in Atem. Mehr als 30 junge Frauen fallen den grausamen Verbrechen zum Opfer.

Ted Bundy (Zac Efron): attraktiv, smart, charismatisch.
Liz (Lily Collins): alleinerziehende Mutter und Teds Charme erlegen.
Ein Bild von häuslicher Glückseligkeit, die zwei scheinen alles im Griff zu haben. Als Ted 1975 verhaftet und beschuldigt wird, eine wachsende Serie an grausamen Morden an jungen Frauen begangen zu haben, wird dieses Bild schlagartig erschüttert. Die Besorgnis wird bald zur Paranoia – Liz ist gezwungen zu überdenken, wie gut sie den Mann kennt, mit dem sie ihr Leben teilt. Als die Beweise sich häufen, muss sie sich entscheiden, ob Ted das Opfer oder tatsächlich der Täter ist …

(Quelle: Constantin Film)

Details

Format: Breitbild
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsche UT für Hörgeschädigte
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Constantin Film
Erscheinungstermin: 04.07.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 110 Minuten
Extras: Featurette / Trailer (Deutsch + Englisch)

Copyright Cover: Constantin Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde