Review

Man könnte, wenn man es vorsichtig ausdrückt, sagen, dass Kristen Stewart eine umstrittene Schauspielerin ist. Das mag zum einen an ihrer Rolle in der „Twilight“-Reihe liegen, wo sie ein Mädchen spielt, dessen einziger Lebensinhalt ein Typ zu sein scheint. Nun geht es in „Equals – Euch gehört die Zukunft“ im Kern auch um eine Liebesgeschichte. Ob Regisseur Drake Doremus mehr aus der Lovestory und Kristen herausholen konnte?

Statt der Vampire gibt es hier eine emotionsfreie Gesellschaft. Anscheinend ist es der Menschheit nicht nur gelungen, Krebs, Grippe und Co. medizinisch in den Griff zu kriegen, nein, man hat auf diesem Weg auch direkt die Gefühle mit ausgeschaltet. Ohne lästige Dinge wie Wut, Ärger, Eifersucht, Liebe, Begehren oder Trauer kann der Mensch nun effizient funktionieren. Auch die zwei Protagonisten Silas und Nia leben in gleichförmiger Monotonie. Während andere Mitglieder der Gemeinschaft Medizin, Wissenschaft und Technik voranbringen – anscheinend sind sogar bemannte Weltraum-Expeditionen möglich! –, arbeiten die zwei als Texterin und Illustrator. Für Bücher, die im gesamten Film übrigens nicht zu sehen sind.

Allerdings ist diese heilige Monotonie in Gefahr: Die Unterdrückung der Emotionen funktioniert bei manchen nur unvollständig, sie fangen plötzlich wieder an zu fühlen. So geschieht es auch Silas, kurz nachdem er einen Selbstmord beobachtet. Für solche Fälle bietet das System eine abgestufte Therapie (Stufe 4 ist übrigens ein „schmerzloses Selbstmord-Szenario“). Als Silas allerdings bemerkt, dass auch Nia fühlt, hinterfragt er das System. Er muss mit ihr zusammen sein!

Für die beiden beginnt ein verwirrender Tanz der Gefühle. Liebe vermischt mit der stetigen Angst, von anderen entdeckt und gemeldet zu werden. Gerade als die zwei sich sicher fühlen, kommt von außen der große Schock. Endlich haben Wissenschaftler (wieder) eine dauerhafte Methode zur Gefühlsunterdrückung gefunden und dann soll Nia auch noch künstlich befruchtet werden. Fight or Flight?

So finden sich Kristen Stewart (Nia) und Nicholas Hoult (Silas) also in einer typischen „Romeo und Julia“-Situation wieder. Ein wirklich klassisches Thema, das meistens auch gar keine größeren Veränderungen braucht, um zu funktionieren. Theoretisch würden auch bei „Equals“ das gesellschaftliche Setting und die sterile Umgebung bereits reichen, um etwas Neues einzubringen. Trotzdem leistet sich „Equals“ den einen oder anderen ärgerlichen Logikfehler. Auch die gesellschaftlichen Hintergründe könnten etwas stärker dargestellt werden.

Allerdings steckt hinter dieser fragmentarischen Gestaltung wohl das Ziel, die Liebesbeziehung ganz in den Fokus zu rücken. Durch sehr viele Detail- und Nahaufnahmen werden hier viel Intimität und Nähe erzeugt. Action sucht man hingegen vergeblich. Gleichzeitig soll die unruhige Kameraführung den Effekt noch verstärken, die Wackler bei Nahaufnahmen wirken oft aber deplatziert.

Kristen Steward (Nia) und Nicholas Hoult (Silas) in einer typischen "Romeo und Julia"-Situation - "Equals - Euch gehört die Zukunft" | Copyright: Koch Media

Kristen Steward (Nia) und Nicholas Hoult (Silas) in einer typischen „Romeo und Julia“-Situation – „Equals – Euch gehört die Zukunft“ | Copyright: Koch Media

Was hingegen überzeugen kann, ist die Optik. Insbesondere die Lichtstimmungen wirken modern und clean, perfekt passend zum Setting eben. Als wäre man gerade in einen Applestore spaziert. Dazu gesellen sich dezente Klänge, welche die Situationen gut einfangen.

Damit ist „Equals – Euch gehört die Zukunft“ eine gut gemachte Romanze im Sci-Fi-Setting. Besonders auch die schauspielerischen Leistungen überzeugen, ohne dass noch einmal ein Vergleich zu „Twilight“ nötig wäre. Nur für diesen Film ein Publikum zu finden, könnte schwer sein: Für eine Romanze zu zurückhaltend, für Sci-Fi zu wenig Hintergrund und für alle anderen vielleicht zu ruhig.

Trailer

Handlung

In einer Welt nach dem totalen atomaren Krieg haben es Wissenschaftler geschafft, den Grund allen Leidens auszuschalten: menschliche Emotionen. Freudlos und ruhig gehen Silas (Nicholas Hoult) und Nia (Kristen Stewart) ihren Jobs nach und werden Zeuge, wie eine mysteriös um sich greifende Seuche die Gefühle der Infizierten wieder „anschaltet“. Silas und Nia werden beide von der heimtückischen Krankheit befallen und entdecken schnell, dass sie mehr füreinander empfinden als nur Freundschaft. Als geächtete Außenseiter müssen sie jetzt entscheiden, ob sie für ihre Liebe kämpfen wollen …

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Bild: 16:9 – 1.77:1
Untertitel: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 10.11.2016
Produktionsjahr: 2015
Filmlänge: 101 Minuten

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer