Review

Die US-amerikanische Fernsehserie „Emerald City“ entführt alle Märchen- und Fantasy-Begeisterte als lose Adaption des Romans „Der Zauberer von Oz“ von Lyman Frank Baum in „Die dunkle Welt von Oz“.

Produktion mit Hindernissen

2015 vom Sender NBC in Auftrag gegeben, sorgten Produktionsschwierigkeiten für eine zwischenzeitliche Einstellung des Projektes, bis 2017 dann doch die Premiere gefeiert werden konnte. Aber die Zeichen für die Serie standen nach wie vor nicht gut, sodass „Emerald City“ bereits nach der ersten Staffel eingestellt wurde.

Wer auf die ersten und einzigen zehn Episoden jedoch nicht verzichten will, der bekommt durch capelight pictures nun die Gelegenheit, sich die Serie als Blu-ray, DVD oder digital ins Heimkino zu holen.

Neue und dunkle Vision vom >Zauberer von Oz<

Regisseur Tarsem Singh („The Fall“, „The Cell“) entschied sich bei seiner Inszenierung für eine äußerst moderne Adaption des Urstoffes. Entsprechend selten treffen die märchenhaften Grundelemente hier auf klassische Fantasy-Kost. Vielmehr erinnern Steampunk-Anleihen und das aufwendig ausgefallene Kostümdesign zuweilen entfernt an Produktionen wie „The Shannara Chronicles“. Das bietet mitunter hohe Schauwerte, gleitet des Öfteren aber auch in skurrile, surreale und künstlerische Szenen ab, wie sie auch ein Film wie „The Tempest – Der Sturm“ aufweist.

Abgeschwächt werden die sehenswerten und (nicht nur zu Werbezwecken) als visionär bezeichneten Sequenzen dann wiederum von den Szenen, in denen die Bildqualität merklich nachlässt. So stößt man im Rahmen der Gesamtlaufzeit von 424 Minuten auch mal auf eher unklare, verrauschte und „nebelige“ Bildfolgen. Im Kontext der teils eigenwilligen Umsetzung kann dies jedoch beinahe schon als gewollt gewertet werden.

Mit durchschnittlich etwa 40 Minuten Laufzeit pro Folge fallen die einzelnen Episoden kompakt und kurzweilig aus.

Weniger kompakt kommt erfreulicherweise die Figurenauswahl daher. Divers angelegte Charaktere und eine hohe Quote an hexender und heldenhafter Frauenpower sorgen für eine Vielfalt an Rollen, die bekannte, aber auch neue Figuren im Oz-Universum aufgreifen respektive etablieren.
Gespielt werden jene sowohl von Namen wie Vincent D’Onofrio (u.a. „Stürmische Ernte“, „Gangster Chronicles“), Adria Arjona („Pacific Rim: Uprising“) oder Joely Richardson („Die Tudors“, „Fallen – Engelsnacht“, „Vampire Academy“). Bleiben einige zwar hinter ihren schauspielerischen Möglichkeiten, wirkt der Cast insgesamt sehr stimmig.

Von Kansas nach Oz

Während die Zuschauer noch damit beschäftigt sind, diese vielen unterschiedlichen Charaktere kennenzulernen und dabei eventuell auch die eine oder andere bekannte Figur des „Oz“-Universums wiederzuentdecken – so ist beispielsweise die Rolle des Roan bzw. Lucas (gespielt von Oliver Jackson-Cohen) an die Vogelscheuche des Originals angelehnt -, nimmt die Handlung ihren Lauf.

Hier helfen „Was bisher geschah“-Rückblenden vor jeder Episode, den Überblick über das Geschehen zu behalten. Ein nettes Feature, das angesichts einer nicht allzu komplexen Handlung allerdings kein Muss darstellt.

Auf dem Weg in die Smaragdstadt. (Copyright: NBC / capelight pictures)

Denn nachdem Protagonistin Dorothy Gale (besetzt durch Adria Arjona und in dieser Neufassung vom „Zauberer von Oz“ nunmehr eine erwachsene Frau) durch einen Tornado von Kansas nach Oz gelangt, trifft sie nach und nach besagte unterschiedliche Figuren, muss die eine und andere Gefahr abwehren und lernt sowohl Freund als auch Feind kennen. Dabei kristallisieren sich immer wieder Hauptthemen wie Gut gegen Böse und Wissenschaft vs. Magie heraus, um die sich der Inhalt herum weiterentwickelt. Diesbezüglich bleibt es nicht aus, dass einige Stellen für die Zuschauer sehr berechen- und vorhersehbar ausfallen.

Nicht zu erahnen ist jedoch die teils explizite und blutige Darstellungsweise in einigen Sequenzen. Trotz FSK-Angabe ab 12 Jahren scheint die Serie partiell somit nicht gerade für jüngere und zartbesaitete Zuschauer empfehlenswert zu sein.

Fazit

Inwiefern es Sinn macht, die heimische DVD-/Blu-ray-Sammlung mit der Auftaktstaffel von „Emerald City – Die dunkle Welt von Oz“ im Wissen zu erweitern, dass es keine weiteren Staffeln der Serie geben wird, muss jeder selbst entscheiden. Dass die Staffel aber ein gutes Ende findet, das zwar die Option auf eine Fortsetzung bietet, diese aber nicht zwangsweise erforderlich macht, könnte einen Kauf attraktiv machen. Zudem finden Märchen-Fans hier eine solide Unterhaltung, die für Serienverhältnisse auch recht ansehnlich daherkommt.

 

Trailer

Handlung

Nach zwanzig Jahren erhält die junge Krankenschwester Dorothy endlich ein Lebenszeichen von ihrer leiblichen Mutter. Auf der Suche nach ihr wird Dorothy von einem heftigen Sturm überrascht. Sie rettet sich in einen Polizeiwagen, doch der Tornado macht auch vor dem Auto nicht halt und reißt sie samt Polizeihund Toto mit sich, geradewegs in die magische und düstere Welt von Oz. Dort liefern sich verfeindete Königreiche erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft. Nur ein allmächtiger Zauberer in Emerald City kann ihr helfen, wieder nach Hause zu finden. Mit ihrem vierbeinigen Begleiter macht sich Dorothy auf den Weg zu ihm. Auf ihrer Reise erkennt sie schon bald, dass sie fest mit dem Schicksal der fremden Welt verbunden ist und die Zukunft von Oz in ihren Händen liegt.

(Quelle: capelight pictures)

Episoden

01 Das ewige Biest?
02 Im Gefängnis der Erbärmlichen
03 Oh, so viele Geheimnisse
04 Wissenschaft und Magie
05 Ein jeder lügt
06 Schönheit des Bösen
07 Hexen unter den Mädchen?
08 Zauber und Zank um Glinda
09 Der Schurke, der er geworden ist
10 Es gibt einen Weg, der irgendwann nach Hause führt

Details

Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 04.10.2019
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 424 Minuten
Extras: Entfallene Szenen / Making-of

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde