Review

Der moderne Blaubart

Es war einmal ein äußerst wohlhabender und geistreicher Nobelpreisträger (Ciarán Hinds), der nahm sich ein junges und wunderschönes Mädchen zur Ehefrau (Abbey Lee). An einem sonnigen Tage entführte der intellektuelle Wissenschaftler seine Angebetete in seine prachtvolle und abgelegene Villa in den Bergen. Dort sollte es der Herzensdame an nichts mangeln. Opulente Kleider, Schmuckstücke jeder Façon, täglich frische Blumen und Bedienstete (Carla Gugino; Matthew Beard), die ihr jeden Wunsch erfüllen sollten. Nur eines beanspruchte der Gatte gänzlich für sich allein, einen geheimnisvollen Raum im Keller der Villa, den die junge Elizabeth nicht betreten durfte. Und trotz aller Annehmlichkeiten, die das neue luxuriöse Leben mit sich brachte, war es ebendiese Kammer, die der jungen Frau schlaflose Nächte bereitete. Sie ahnte nicht, dass sich hinter der Tür zu dieser intimen Kemenate großes Unheil verbarg. Dabei wurde die Dame des Hauses stets mit Argusaugen von der Haushälterin Claire und dem blinden Oliver beobachtet …

Der Märchenstoff als Ausgangspunkt

Dass das vielfach adaptierte Märchen vom Blaubart von Charles Perrault, das auch Eingang in die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gefunden hat, dem Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Gutierrez als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle für seinen Science-Fiction-Psychothriller „Elizabeth Harvest“ gedient hat, ist offenkundig und räumt dieser auch freimütig ein. Indes dient ihm die Faszination um das volkstümliche Märchen, dessen Kenntnis er bei seinem – anspruchsvollen, vorgebildeten – Publikum voraussetzt, nur als eine Facette einer tiefgängigen und vielschichtigen Geschichte.

Verschachtelte Erzählweise und namhafte Vorbilder

Durchzogen von kleineren und größeren Wendungen, ohne auf einen komplett umwälzenden Plot-Twist zu setzen, erinnert der Film an Werke großer Vorbilder wie Dario Argento („Dario Argentos Dracula“), Hitchcock oder auch Brian De Palma („Dressed To Kill“), denen er auch stilistisch immer wieder nacheifert. Aus der jüngeren Vergangenheit lassen sich Parallelen zum Regiedebüt Ex Machina von Alex Garland ziehen.

Die verschachtelte Erzählweise von Sebastian Gutierrez‘ Film, die immer neue Erkenntnisse offenbart, schafft es, den Zuschauer zu packen und immer tiefer in den Kaninchenbau zu entführen.
Dabei ist der Film visuell brillant in Szene gesetzt und insbesondere in seinen Traumsequenzen von einem enormen Stilwillen geprägt.

Themenkreise

Liebe, Sehnsucht, Begierde, Obsession, Herrschsucht, Identität sowie Freiheit und Unfreiheit sind die wohl prägenden Emotionen und Themen, die in Elizabeth Harvest“ verhandelt werden. Dabei steht jedoch auch die Entwicklung einer jungen Frau im Fokus, die sich von einer verträumten und gefügigen Gespielin glaubhaft zu einer selbstbestimmten Protagonistin wandelt.

Der Cast

Ciarán Hinds als Henry & Abbey Lee als Elizabeth in „Elizabeth Harvest“ (Copyright: capelight pictures)

Dass diese Entwicklung so glaubhaft vonstattengeht, verdankt der Thriller auch Newcomerin Abbey Lee, die zum Zeitpunkt des Drehs primär durch ihre Arbeit als Model und lediglich in kleineren Rollen (z.B. in „Mad Max: Fury Road“) in Erscheinung getreten ist. Lee macht ihre Sache ausgesprochen gut und lässt sich von der wunderbaren Carla Gugino („Das Spiel“, „Watchmen – Die Wächter“) sowie Charakterdarsteller Ciarán Hinds („Justice League“, „Game of Thrones“) nicht an die Wand spielen. Und das, obwohl gerade Hinds sichtlich in Spiellaune ist und sich pudelwohl in seiner Rolle des getriebenen und wortgewandten Intellektuellen fühlt.

Fazit

Für ein Publikum, das gerne mitdenkt und interpretationsoffenen Stoff analysiert, bietet „Elizabeth Harvest“ empfehlenswerte Unterhaltung mit einigen Wendungen. Das moderne Sci-Fi-Märchen funktioniert als Psychothriller allerdings nur ansatzweise, da es an den ganz großen Überraschungen fehlt und auch die Spannung hier und da weiter hätte ausgereizt werden können. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die entschleunigte Erzählweise, die der Film durchgehend beibehält. Durch die Drehung an einzelnen Stellschrauben wäre hier sicherlich noch mehr möglich gewesen.

Auch dieser Film erscheint bei capelight wieder als wunderbare 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook mit Blu-ray und DVD sowie 24-seitigem Booklet.

Trailer

Inhalt

Nach ihrer Hochzeit mit dem brillanten und vermögenden Wissenschaftler Henry zieht die junge Elizabeth in sein luxuriöses Anwesen in den Bergen. Henry legt seiner frisch angetrauten Ehefrau die Welt zu Füßen – ihr Leben scheint  perfekt zu sein. Doch Elizabeth spürt, dass etwas nicht stimmt: In dem riesigen Haus gibt es einen verschlossenen Raum, den sie unter keinen Umständen betreten darf. Als sie es eines Tages dennoch wagt, die Tür zu öffnen, stößt sie auf ein dunkles Geheimnis …

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 25.01.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 109 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)