Review

Erinnert sich noch jemand an „Das große Krabbeln“? Der zweite Animationsfilm der Pixar-Studios begeisterte in den 90ern ganze Familien mit knuddeligen Krabbeltierchen, die sich gemeinsam gegen einen großen Feind wehren müssen. Mit „Die Winzlinge – Operation Zuckerdose“ versuchen es jetzt noch einmal Ameisen auf die große Leinwand – oder zumindest ins heimische Wohnzimmer – zu schaffen.

Der Vergleich mit bisherigen Animationsfilmen endet allerdings schon bei der Tatsache, dass es Animation gibt und um Insekten geht, denn die französische Umsetzung des Sujets kommt zwar mit einem ähnlichen Thema, aber doch ungleich mehr Schönheit und Anmut auf die Fernsehgeräte. Hauptgrund für die faszinierende Qualität der Aufnahmen ist sicherlich, dass sich das kreative Team, bestehend aus Hélène Giraud und Thomas Szabo, die gemeinsam vom Drehbuch bis zum Film konzipierten und umsetzten, entschied, ihre Insekten in einer realen Welt leben zu lassen. So begannen, nachdem vor fast 10 Jahren die Arbeit an den Drehbüchern für den Film und eine zugehörige Serie abgeschlossen waren, die Dreharbeiten in der freien Natur. Als Wirkort wurden die südfranzösischen Nationalparks von Mercantour und Ecrins ausgewählt. Beeindruckend, was für eine üppige, beinahe unberührte Flora dort vorzufinden ist.

Inmitten dieser saftig grünen Wiesen, weitläufigen Wälder und auf kargem Stein spielt sich dann der Storyteil des Films ab, der per Animation nachträglich in die Aufnahmen integriert wurde. Es beginnt mit einer kleinen Marienkäferfamilie. Die frischgeschlüpften, unbeholfenen Minikäfer sollten allerdings von ihren Eltern besser nicht unbeaufsichtigt bleiben, besonders, wenn so ein kleiner Rabauke wie unser Protagonist dabei ist. Es kommt, wie es kommen muss: Er legt sich mit einer Horde Schmeißfliegen an und verliert seine Familie. Verletzt und verlassen findet er während eines Unwetters in einer vergessenen (aber noch gefüllten) Zuckerdose Unterschlupf. Am nächsten Tag wird diese jedoch von ein paar schwarzen Ameisen entdeckt. Prompt schnappen sich die Krabbelkäfer den Schatz samt Marienkäfer – nicht ahnend, dass sie damit den Futterneid ihrer roten Ameisenkollegen wecken würden. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, der zwangsläufig in einem Kampf um die besten Nahrungsressourcen gipfeln wird.

Damit ist die Handlung grob umrissen und gleichzeitig auch klar: Überraschende Wendungen oder dramatische Szenen sind hier nicht zu erwarten. Allerdings wird ebenso schnell deutlich, dass sich dieser Film ganz bewusst Zeit nehmen möchte. Zeit für einzelne Momente, Schritte und Begegnungen. Ungewohnt, diese Entschleunigung, aber gleichzeitig sehr angenehm. Außerdem bleibt dabei viel Raum, um kleine witzige Schmankerl unterzubringen, wie beispielsweise eine Spinne, die in einem Puppenhaus wohnt, oder eine Ameise, die im Licht einer Taschenlampe ein Zahlenrätsel löst. Das durchdachte Konzept, das auf das Wesentliche reduziert und trotzdem kleine Überraschungen bereithält, macht „Die Winzlinge“ zu einem Film, der Alt und Jung begeistern wird.

Animation trifft auf reale Filmaufnahmen in "Die Winzlinge - Operation Zuckerdose" (Copyright: Pandastorm / Edel:Motion)

Animation trifft auf reale Filmaufnahmen in „Die Winzlinge – Operation Zuckerdose“ (Copyright: Pandastorm / Edel:Motion)

Ebenfalls in der Kategorie „ungewöhnlich“: Die gesamte Geschichte wird ohne Worte erzählt. Dennoch schafft es das Kreativteam, ihren Krabbeltieren die richtigen Regungen aufs Gesicht zu zaubern. Außerdem bleibt so akustischer Raum für das 60-köpfige Orchester, das unter der musikalischen Leitung von Sir Alastair King („Shrek“, „Harry Potter und der Halbblutprinz“, u. a.) den Szenen den letzten Schliff gibt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Zum Schluss muss daher noch einmal betont werden: Nein, „Die Winzlinge – Operation Zuckerdose“ hat nicht wirklich viel mit den Krabbelkäfern der 90er zu tun. Diese rund 90 Minuten verstehen es, auf ihre ganz eigene, unaufgeregte Art zu begeistern.

Trailer

Handlung

In einem wunderschönen Tal leben winzige Bewohner friedlich miteinander, bis eines Tages eine schwarze Ameise einen fabelhaften Schatz entdeckt: Eine vergessene Zuckerdose. Darin versteckt sich ein kleiner Marienkäfer, der seine Familie verloren hat. Die Ameisen und der Käfer freunden sich schnell an und begeben sich zusammen auf eine abenteuerliche Reise zum heimatlichen Hügel. Doch ein Stamm roter Ameisen hat es ebenfalls auf die wertvolle Fracht abgesehen. Es beginnt eine wilde Jagd durch Wälder und Wiesen und auf einem reißenden Fluss …

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Sprache: Deutsch
Ton: 5.1 DTS-HD MA
Laufzeit: ca.88 Min.
Bildformat: 2,39:1 (Widescreen)
Auflösung: 1080/24p FULL HD
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: PandastormEdel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 14.05.2016
Produktionsjahr: 2015
Extras: Making of, Interviews mit Philippe Delarue, Hélène Giraud & Thomas Szabo, Kinotrailer, Trailershow (40 Min.)

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer