Review

Das Stockholm-Syndrom

Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.

(Quelle: Wikipedia)

Der Begriff fand seinen Ursprung in der „Geiselnahme am Norrmalmstorg“ vom 23. bis 28. August 1973 in Schweden und bot respektive bietet immer mal wieder Stoff für einen Film.

Die >Stockholm Story< als True-Crime-Comedy

So machte sich auch Regisseur Robert Budreau daran, besagtes Ereignis zu adaptieren. Entstanden ist „Die Stockholm Story – Geliebte Geisel“, die mit Ethan Hawke in der Hauptrolle nun im Heimkino erscheint.

„Die Stockholm Story – Geliebte Geisel“ kommt – orientiert an den wahren Begebenheiten – im 70er Stil daher und vereint Thriller mit komödiantischen Elementen. Als True-Crime-Comedy weiß sie dann auch zu überzeugen, wenngleich dem Film gegen Ende ein wenig Witz und Charme ausgehen. Diesbezüglich hätte man sich ein wenig mehr – und vor allem bis zum Schluss aufrechterhaltene – Konsequenz gewünscht. Insbesondere deshalb, weil „Die Stockholm Story“ gerade dadurch sehr unterhaltsam ausfällt, das eigentliche Geiselnahme-Geschehen immer wieder aufgelockert wird und der Film nicht zuletzt Kult-Potenzial besitzt.

Auch das eigentliche „Stockholm Syndrom“ bleibt insgesamt eher eine Randnotiz. Das ist positiv und negativ zugleich. Dem Titel zwar gerecht werdend, nimmt der Film jedoch zeitweilig seltsame Romanzen-Züge an, während kaum tiefgründig auf das hier thematisierte psychologische Phänomen eingegangen wird. Dafür entwickeln sich die Beziehungen unter den Figuren aber nahezu beiläufig – und auch glaubwürdig. Selbst der Zuschauer vor dem Bildschirm kommt nicht umhin, den Geiselnehmern gewisse Sympathien abzugewinnen. Wie das Stockholm-Syndrom also entstehen kann, wird nicht nur deutlich, sondern auch persönlich spürbar.

Noomi Rapace als >geliebte Geisel< von Ethan Hawke

Dazu trägt zudem das Schauspiel von Ethan Hawke („Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, „24 Hours to Live“) bei.

Noomi Rapace als „geliebte Geisel“ von Ethan Hawke in „Die Stockholm Story“. (Copyright: Koch Films)

Ihm zur Seite stehen Noomi Rapace („What Happend To Monday?“) und Mark Strong („Shazam!“) in weiteren Hauptrollen.

Sie alle – inklusive der vielen Nebenrollen – fügen sich hervorragend in die 70ies Ausstattung von „Die Stockholm Story – Geliebte Geisel“ ein und tragen entscheidend zum bereits erwähnten Kult-Faktor bei.

Ebenso steht vor allem Hawke und Rapace die humorvolle Seite des Films gut zu Gesicht. Trockene Sprüche, coole Gesten sowie witzige, teils absurde und dadurch komische Dialoge sind die Folge.

Fazit

Das alles deutet darauf hin, dass „Die Stockholm Story – Geliebte Geisel“ auf pure Unterhaltung abzielt. Wer dahinter einen tiefgründigen Thriller erhofft, sucht hier also vergebens. Dies ist jedoch nicht als Kritik zu verstehen, denn in seiner Herangehensweise weiß der Film als True Crime Comedy durchaus zu gefallen. Für knapp 88 Minuten wird man bestens unterhalten und erhält einen kleinen Blick in das Innenleben der Figuren obendrein.

Verlangt es einen anschließend noch nach einem „Blick hinter die Kulissen“ des Films, so wird man im Bonusbereich lediglich mit Trailern vorliebnehmen müssen. Auf weitere Extras wurde bei der DVD-Veröffentlichung verzichtet.

 

Trailer

Handlung

Stockholm, 1973: Mit Langhaar-Perücke, Porno-Sonnenbrille und Lederjacke überfällt Lars (Ethan Hawke) eine Bank in der schwedischen Hauptstadt und nimmt alle darin als Geiseln. Schnell wird klar, dass er es weniger auf Geld als auf die Freilassung seines inhaftierten Kumpels Gunnar (Mark Strong) abgesehen hat. Doch nachdem die Polizei den wie vereinbart zur Bank bringt, beginnt erst die eigentliche Geschichte: Zwischen Lars und seinen Geiseln, im Besonderen der Bankangestellten Bianca (Noomi Rapace), hat sich eine persönliche, bisweilen sogar innige Beziehung entwickelt, die nicht nur Schweden, sondern die ganze Welt in Atem hält. Das legendäre „Stockholm-Syndrom“ ist geboren!

(Quelle: Koch Films)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 05.12.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 88 Minuten
Extras: Trailer

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde