Review

Mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet, findet der Animationsfilm „Die sagenhaften Vier“ von den Regisseuren Christoph und Wolfgang Lauenstein nun den Weg ins Heimkino.

Moderne >Bremer Stadtmusikanten<!?

Die Lauenstein-Brüder nahmen sich für ihr neuestes Schaffen „Die Bremer Stadtmusikanten“ der Gebrüder Grimm zum Vorbild und inszenierten mit „Die sagenhaften Vier“ eine moderne Fassung dieses Märchens. Letztlich hat ihr Ergebnis jedoch weniger gemein mit besagter Vorlage als vermutet. Denn herausgekommen ist eine bunte Mischung aus Krimi, Detektivgeschichte und einem daraus folgenden tierischen Abenteuer.

Bunt fällt auch die Optik des Films und die Zusammenstellung der Figuren aus.
Bei letztgenannten, nämlich Katze Marnie, Hund Elvis, Hahn Eggbert und Zebra/Esel Mambo Dibango, entschied man sich für eine vermenschlichte Darstellungsweise, sodass die Tiere nicht nur auf zwei Beinen laufen, sondern auch mit Gegenständen hantieren und untereinander (nicht aber mit den Menschen) kommunizieren.

Jüngeres Zielpublikum

Dies muss nicht, aber kann bereits darauf hindeuten, dass „Die sagenhaften Vier“ ein eher jüngeres Publikum ansprechen soll.

Untermauert wird diese Vermutung durch die sehr kindgerechten Animationen. „Lego Duplo“-ähnlich wirken viele Sequenzen und Charaktere sehr grobschlächtig. Zwar findet man hin und wieder bewährte Kindchenschema-Anleihen, um dem Film einen gewissen Niedlichkeitsfaktor zu verpassen, davon abgesehen verzichtet man jedoch weitgehend auf allzu viele Details. Umgebungsaufnahmen und Hintergründe bleiben damit oftmals sehr leblos und ohne Dynamik. Es gibt wenig in einzelnen Bildern zu entdecken. Das macht auch die insgesamt äußerst farbenfrohe Gestaltung nicht wett.

Während das Visuelle also vermehrt auf eine jüngere Zuschauerschaft abzielt, kann sich die humorvolle Seite des Films nicht genau entscheiden, wen sie ansprechen möchte. Changierend zwischen Albernheiten, Kinderwitzen, satirischen Anleihen, popkulturellen Anspielungen und stumpfen Erwachsenenkalauern, wirkt der Humor in „Die sagenhaften Vier“ auf der Gesamtlaufzeit von 92 Minuten zu inkonsequent. Womöglich als abwechslungsreich angedacht, zünden viele der unterschiedlichen Gags nicht bei jedem.

Freundschaft ist die Message

Auch inhaltlich möchte der Film viel. So ufert die Handlung zwischenzeitlich derart aus, dass Kürzungen und auf den Punkt gebrachte Sequenzen stellenweise wünschenswert gewesen wären. Das hätte auch der Präsentation der einzelnen Figuren gutgetan, kommen diese doch über weite Strecken – trotz ihrer jeweiligen skurrilen Art – stereotyp daher und wollen langfristig nicht im Gedächtnis der Zuschauer haften bleiben.

Nichtsdestotrotz spiegeln die unterschiedlichen Charaktere die Botschaften des Films gelungen wider. Auch diesbezüglich wartet man mit bewährten Themenfeldern auf. Andersartigkeit, Akzeptanz, Toleranz, Zusammenhalt und letztlich der Wert von Freundschaften sind es, die hier – kindgerecht verpackt – angesprochen werden.

Fazit

Katze Marnie, Hahn Eggbert, Hund Elvis und Zebra/Esel Mambo Dibango im tierischen Abenteuer „Die sagenhaften Vier“. (Copyright: Universum Film / © scopas medien AG, Grid Animation. All rights reserved)

Während Erinnerungen an „Die Bremer Stadtmusikanten“ nur selten wach werden, weckt „Die sagenhaften Vier“ stattdessen andere Assoziationen. So zeigt Katze Marnie Garfield-eske Züge und Zebra Mambo Dibango trabt „Madagascar“-like daher. Über allem schwebt zudem ein Hauch „Mullewapp“ und für kindgerechtes Hitchcock-Flair  sorgt die Krimi-Note im Film.

Das alles spricht für ein unterhaltsames Fernsehvergnügen für Groß und Klein. Leider ist der animierte tierische Kinder-Krimi letztendlich aber nur bedingt für die ganze Familie geeignet. So schweifen mal die erwachsenen, mal die jungen Zuschauer phasenweise ab. Davor bewahrt auch die u.a. mit Alexandra Neldel und Axel Prahl namhaft besetze Synchronisation nicht.

 

Trailer

Handlung

Die behütete Hauskatze Marnie wird durch einen gemeinen Trick ausgesetzt. Schon bald trifft sie auf Leidensgenossen, die auch kein Zuhause mehr haben: den Wachhund Elvis, den neurotischen Hahn Eggbert und das Zebra Mambo Dibango. Schnell geraten die Vier in einen Strudel voller haarsträubender Abenteuer.

Durch ein Missverständnis werden sie für eine gesuchte Diebesbande gehalten, die mit zahllosen Einbrüchen für Angst und Schrecken sorgt. Da bleibt den vier sehr gegensätzlichen Charakteren nur eine Möglichkeit, um ihre Unschuld zu beweisen: sie müssen sich zusammenraufen und auf eigene Faust die wahren Diebe überführen. Ausgerechnet die weltfremde Hauskatze Marnie macht sich zum Anführer der schrägen Gruppe. Doch am Ende gelingt es ihnen, das überraschende Geheimnis hinter der mysteriösen Einbruchserie zu lüften, und sie erfahren zum ersten Mal, was wahre Freundschaft bedeutet.

(Quelle: Universum Film)

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Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 27.09.2019
Spieldauer: 92 Minuten
Extras: Deutsche Hörfilmfassung

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde