Review

Adaptionen

Bei Thriller-Fans in aller Munde war im Jahr 2000 der Film „Die purpurnen Flüsse“ von Regisseur Mathieu Kassovitz in Kooperation mit Jean-Christophe Grangé, der zugleich die Romanvorlage lieferte. Nun, 2018, erfolgt durch die Miniserie „Die purpurnen Flüsse“ eine weitere Adaption des Buches bzw. des Blockbusters mit Jean Reno in der Hauptrolle.

Die Serienumsetzung des Kultfilms hält als belgisch-deutsch-französische Co-Produktion vier Thriller parat, die – aufgeteilt auf je zwei Folgen à 50 Minuten – nun auf Blu-ray, DVD und digital für das Heimkino veröffentlicht werden.

Kein Jean Reno

Auf den einstigen Hauptmimen Jean Reno muss man dabei allerdings verzichten, denn im Serienformat von „Die purpurnen Flüsse“ nimmt nunmehr Olivier Marchal die Rolle des Protagonisten Pierre Niémans ein.
An seiner Seite: Sein weibliches Pendant Camille Delaunay (gespielt von Erika Sainte).

Das Ermittlerduo erhält seinen Auftritt immer dann, wenn es für die örtlichen Polizeibehörden zu kniffelig und komplex wird.

Mystische Fälle

Komplex gestalten sich sodann auch die einzelnen Fälle, die mit einem meist mystischen Hauch versehen werden, religiöse Motive aufweisen und/oder auf regionale Mythen und Bräuche Bezug nehmen.
Dies führt dazu, dass die Fälle nicht unbedingt alltäglich sind. Ein Vor- und Nachteil zugleich, denn während diese Bezugnahmen auf der einen Seite gut zur düsteren Atmosphäre und Eigenwilligkeit der einzelnen Thriller (mit entsprechend grausamen Morden) beitragen, was sich auch visuell in meist dunklen Bildern widerspiegelt, sind sie auf der anderen Seite eher realitätsfern und für die Mehrheit der Zuschauer somit zu abstrakt.

Distanziertes Sehen 

Das Fernsehvergnügen fällt dadurch sehr distanziert statt packend und in den Bann ziehend aus.

Durch diesen distanzierten Blick von außen lassen sich außerdem die zahlreichen gängigen Klischees, derer man sich hier immer mal wieder mit Vorliebe bedient, viel offensichtlicher erkennen. Anstatt wohlwollend darüber hinwegzusehen, werden diese vom Zuschauer somit vielmehr als störend empfunden.

Auch die Schauspieler und vor allem ihre Rollen schaffen es nicht, die besagte Distanz aufzuheben.
Ihre ebenfalls eigenwillige Art macht es nicht leicht, Zugang zu ihnen zu finden, geschweige denn Sympathien für sie zu entwickeln. Wie bereits erwähnt, eilen die beiden Protagonisten als Mitarbeiter des „Zentralbüros für Gewaltverbrechen“ den örtlichen Polizeibehörden immer dann zur Hilfe, wenn diese aufgrund von Überforderung kapitulieren müssen. Entsprechend schlecht kommen diese Nebenfiguren dann auch in der Serie weg. Als Amateure dargestellt und von den Hauptcharakteren als solche abgefertigt, erzeugt auch das nicht gerade Sympathien für die beiden.

Wechselnde Schauplätze und Nebenfiguren

Immerhin: Die Ermittler verschlägt es bei ihren Einsätzen nicht nur in die (entlegensten) Regionen Frankreichs, und dort an außergewöhnliche Schauplätze wie Klöster und Sekten-Kommunen, sondern auch schon mal nach Deutschland – wie in Episode „Die letzte Jagd“ zu sehen ist.
In dieser Folge treffen die Zuschauer dann auch auf bekannte Gesichter der Fernsehwelt: Ken Duken (u.a. „Berlin Falling“, „Inglourious Basterds“, „Northmen – A Viking Saga“) und Nora Waldstätten (zuletzt u.a. in „The Team II“ zu sehen). Eine Episode wie „Melodie des Todes“ baut hingegen eine Stimmung à la „Der Name der Rose“ auf, ohne dessen Qualitäten jedoch zu erreichen.

Das Ermittlerduo Pierre Niémans (Olivier Marchal) und Camille Delaunay (Erika Sainte) in der Serienadaption „Die purpurnen Flüsse – Staffel 1“ (Copyright: Edel:Motion)

Insgesamt können aber auch jene namhaften Nebenrollen, da zu ebenjenen ganz offensichtlich degradiert, sowie die wechselnden Schauplätze den distanzierten Eindruck nicht wettmachen.

Weil zudem die Abschlüsse der Fälle und somit die Enden der jeweiligen Thriller sehr abrupt ausfallen, lässt dies die vorab in minutiöser Kleinarbeit aufgebaute Handlung und Spannung binnen weniger Augenblicke in sich zusammenfallen.

Fazit

Nichtsdestotrotz besticht die sonstige Spielzeit durch stimmungsvolle Bilder, raue, grausame Mordfälle, deren mysteriöse Hintergründe und einer insgesamt düsteren Inszenierung, die Modernes und „Altertümliches“ harmonisch miteinander verbindet. Krimi- und Thriller-Fans, die sich an obigen Kritikpunkten nicht allzu sehr stören, sollten daher einen Blick riskieren. Für alle anderen bleiben erst einmal noch Luft nach oben und die Hoffnung, das Potenzial der Serienadaption in einer weiteren Staffel besser ausgenutzt zu sehen.

Trailer

Inhalt

Wann immer sich außergewöhnliche, bizarre Mordfälle ereignen, werden Pierre Niémans (Olivier Marchal) und seine Partnerin Camille Delaunay (Erika Sainte) gerufen.
Die beiden erfahrenen Ermittler arbeiten für das „Zentralbüro für Gewaltverbrechen“ und werden in die entlegensten Regionen Frankreichs entsendet, um komplexe Fälle zu lösen, welche die örtlichen Polizeibehörden überfordern.
Und jeder Fall hat eine mystische Anmutung basierend auf regionalen Mythen oder vergessenen Bräuchen.

Angelehnt an seinen gleichnamigen Bestseller, schickt Jean-Christophe Grangé seinen furchtlosen Helden Pierre Niémans in dieser Miniserie erneut auf eine nervenaufreibende Jagd nach dem Bösen.
Die vier packenden Thriller zeigen eine Welt voll von grausamen Kriminalfällen, sadistischen Mördern, schauderhaften Ritualen und mysteriösen Vorfällen.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Melodie des Todes
02 Tag der Asche
03 Kreuzzug der Kinder
04 Die letzte Jagd

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 30.11.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 381 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde