Review

Formate, die auf realen Ereignissen basieren, stehen bei Filmfans hoch im Kurs, auch – oder gerade? – im Zusammenhang mit den Ereignissen des 2. Weltkriegs. Während wir hier in Mitteleuropa durch zahllose Aufbereitungen des Themas bereits alles über alle Aspekte des Kriegsgeschehens in unserem Land wissen, kann man leicht vergessen, dass auch in anderen Regionen der Welt schreckliche und heldenhafte Dinge geschahen. Die chinesische Produktion „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ des Regisseurs Tsui Hark bringt nun Licht ins dunkle Europa und beleuchtet exemplarisch Geschehnisse, die sich so 1946 in China abgespielt haben.

(Wer nun zunächst den Klappentext zu dieser Veröffentlichung studiert haben sollte, darf sich von dem kleinen Vertipper nicht irritieren lassen: Die gezeigte Story spielt nicht in Japan, sondern ist eine bekannte Geschichte, die in China auch in einem Roman verarbeitet wurde.)

Im Kern des Geschehens steht eine dreißig Mann starke Truppe der Volksarmee, die im tiefsten Winter nicht nur versucht zu überleben, sondern auch der Bevölkerung zu helfen. Die größten Feinde neben Hunger und Kälte sind Diebesbanden. Diese ziehen plündernd und mordend durch das Land, die Bewohner kleiner Dörfer stehen dem Geschehen machtlos gegenüber. Nach einem erfolgreichen Coup gegen eine kleinere Ganovenbande und eingetroffener Verstärkung in Form des Kundschafters Yang Zirong und der hübschen Krankenschwester Bai Ru, packt die militärische Einheit der Ehrgeiz.
Sie wollen die Dorfbewohner schützen, die sie verzweifelt um Hilfe bitten. Dazu müssen sie es nicht mit gewöhnlichen Schurken aufnehmen, sondern mit der Armee des Falken. Diese hat neben überragender Manpower auch das verlassene japanische Waffenlager am Tigerberg besetzt. Die einzige Möglichkeit? Infiltration!

Eingebettet wird diese durchaus spannende Erzählung in eine kleine Rahmenhandlung. Ein junger Asiate, der fast 70 Jahre später über die Feiertage nach Hause fährt und an diese Geschichte denkt. Nette Idee, unglückliche Umsetzung: Zwar löst sich das Rätsel um die Einschübe am Ende irgendwie auf, aber ohne diese Filmschnipsel, die insgesamt vielleicht fünf Minuten Spielzeit haben, wäre der Film sicherlich noch runder gewesen.

In den übrigen 136 Filmminuten gibt es an der Story selbst nichts zu meckern. Dabei ist das Erzähltempo insgesamt eher gemütlich, zumindest, wenn man sonst übliche Hollywood-Speedruns kennt. In Sachen Action muss man hingegen keine Abstriche machen: Schusswechsel, Handgemenge, Explosionen, großes Kriegsgerät und ein überdramatischer Kampf auf einem abstürzenden Flugzeug? Ja, ja und noch mal ja! Es rumst, es spritzt das Kunstblut. Nur klischeehafte Martial Arts-Fights mit Parcourseinlagen sind Mangelware, aber so wurde vermutlich sogar in China im 2. Weltkrieg nicht gekämpft.

"Die letzte Schlacht am Tigerberg" soll zwischen Filmgrößen wie "Indiana Jones" und "Inglourious Basterds" liegen. (Copyright: Koch Media)

„Die letzte Schlacht am Tigerberg“ soll zwischen Filmgrößen wie „Indiana Jones“ und „Inglourious Basterds“ liegen. (Copyright: Koch Media)

Sogar Verfolgungsjagden gibt es, auch wenn diese wetterbedingt von motorisierten Gefährten auf Ski verlegt werden müssen. Realismus, der trotzdem zwischendurch für einen kleinen Schmunzler sorgt.

Abgesehen davon ist die Inszenierung natürlich von asiatisch typischer Ästhetik geprägt. Wunderschöne verschneite Landschaften, eine hübsche Computergroßkatze und ein kauziger Protagonist. Sowieso sollte an dieser Stelle noch mal festgehalten werden: Tolle Schauspieler! Und ebenso toller Sound. Auf diesen Ebenen macht „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ wirklich nichts falsch.

Wenn allerdings der Rückseitentext vollmundig davon spricht, dass dieses Abenteuer zwischen Filmgrößen wie „Indiana Jones“ und „Inglourious Basterds“ liegt, wird man wohl beschwichtigend die Hände heben müssen, soviel steckt hier nicht drin. Soll ja auch gar nicht, schließlich bedient die chinesische Produktion eine andere Zielgruppe. Und auch ohne große amerikanische Vorbilder ist „Die letzte Schlacht am Tigerberg“ ein unterhaltsamer Actionfilm.

Trailer

Handlung

Nach dem Zweiten Weltkrieg: Nach der bedingungslosen Kapitulation herrschen Chaos und Anarchie in Japan. Diebesbanden haben sich die Waffenarsenale und ganze Landstriche unter den Nagel gerissen und es ist die Aufgabe der berühmt-berüchtigten People’s Liberation Front, die verlorenen Gebiete zurück zu erobern. Mit einer Gruppe von nur 30 Mann nehmen es Captain Shao Jianbo und seine berühmte Einheit 203 mit dem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner auf, um als finales Ziel die Bergfestung des skrupellosen Warlords Hawk (Tony Leung Ka-Fai) infiltrieren und stürmen zu können. (1 Blu-ray)

Basierend auf dem populären Abenteuerroman von Qu Bo und der gleichnamigen Oper lässt Hongkong-Routinier Tsui Hark den an sich ernsthaften Stoff zum spektakulär überdrehten Action-Abenteuer zwischen INDIANA JONES und INGLOURIOUS BASTERDS werden. Ein Fest für die Sinne, das mit sensationellen Effekten, unglaublicher Action-Inszenierung und viel Humor mit zum Besten gehört, was der Hongkong-Altmeister je auf die Leinwand gebracht hat.

(Quelle: Koch Media)

Details

Sprache: Mandarin (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 03.12.2015
Produktionsjahr: 2014
Spieldauer: 141 Minuten

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer