Review

Die Bücher um den kauzigen Kommissar Kluftinger, aus der Feder von Volker Klüpfel und Michael Kobr, sind mittlerweile Bestsellergaranten. Der aktuell erschienene Band „Grimmbart“ (hier unser Review zum Buch) hat wieder einmal bewiesen, dass Regionalkrimis, denen ja oft ein Nischendasein beschieden wird und die hauptsächlich durch Menschen konsumiert werden, die in der entsprechenden Region leben, wenn sie gut geschrieben sind, durchaus die Massen begeistern können.

Dass versucht wird, derart erfolgreiche Bücher noch effektiver zu vermarkten, ist mittlerweile keine Besonderheit mehr und so ist es nicht verwunderlich, dass es Kluftinger mittlerweile bis ins Fernsehen geschafft hat. Eine kurze Zeit wurde sogar überlegt, dieses „Allgäuer Urviech“ als regelmäßigen „Tatort“-Kommissar zu etablieren, diese Idee wurde allerdings mittlerweile verworfen.

Dennoch hat der Bayrische Rundfunk bis jetzt drei „Kluftinger“-Romane verfilmt: „Erntedank“, „Milchgeld“ und „Seegrund“. Diese Filme sind jetzt zusammen in einer DVD-Box erschienen.

Kenner der „Kluftinger“-Bücher werden sicherlich merken, dass die Reihenfolge der Filme chronologisch nicht mit der Buchreihe übereinstimmt, denn eigentlich ist „Milchgeld“ der erste „Kluftinger“-Roman. Dies ist aber nicht wirklich dramatisch, da ja in den Büchern und logischerweise auch in den Filmen alle Fälle immer in sich abgeschlossen sind.

Nichtsdestotrotz werde ich mich in dieser Rezension den Filmen in der Reihenfolge ihres Erscheinens beschäftigen, beginne also zunächst mit „Erntedank“. In diesem Film wird Kluftinger mit einem brutalen Serienmörder konfrontiert, der seine Opfer nach Sagen aus der Region aussucht und sie dem Inhalt entsprechend umbringt und drapiert.
Es handelt sich dabei um einen düster inszenierten Film, in dem vor allem das Volkslied „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“, welches auch im Buch immer wieder untergebracht wurde, unterlegt mit recht verstörenden Bildern gesprochen vorgetragen wird.
„Erntedank“ ist sehr spannend inszeniert und fesselt den Zuschauer schnell.

Wie bei Kluftinger üblich, geht es natürlich nicht nur um den – in diesem Fall sehr krassen – Mordfall, sondern es wird sich auch intensiv mit dem Drumherum und dem Privatleben des Protagonisten beschäftigt, wodurch man immer wieder schmunzeln oder sogar lachen muss.

Der Tod ist nicht immer schön... (Copyright: Bayrischer Rundfunk)

Der Tod ist nicht immer schön… (Copyright: Bayrischer Rundfunk)

Fans der Bücher müssen allerdings stark sein, denn in „Erntedank“ fährt Kommissar Kluftinger keinen Passat, sondern einen Mercedes-Kombi.

Dieser Fehler wurde bei „Milchgeld“, dem zweiten Film der DVD-Box, allerdings behoben, sodass sich Kluftinger hier, wie es sich gehört, mit einem Passat durch das wunderschöne Allgäu ermittelt.
Im Gegensatz zum Buch ist dieser Film leider ein wenig schwächer, da der Spannungsfaktor nicht gänzlich übernommen wurde. Zwar ist der Fall im Kern wie im Buch und wird auch sehr spannend in Szene gesetzt, allerdings kommt „Milchgeld“ nicht ganz an die hohe Qualität des Films „Erntedank“ heran.

Das eigentliche Highlight dieser Trilogie ist schließlich „Seegrund“, der dritte Film, der sich in dieser Box befindet. Hier wurde bei der Produktion alles richtig gemacht. Es wurde sich sehr dicht ans Buch gehalten, was Fans sicherlich erfreuen wird. Der Fall wurde hervorragend transportiert und packt den Zuschauer bereits während der ersten Minuten. Auch die Konfrontation Kluftingers mit seiner japanischen Schwiegertochter in spe sorgt regelmäßig für Lacher.

Die Besetzung der Filme ist relativ konstant, lediglich die Gattin des Kommissars wird zwischenzeitlich ausgetauscht. Ansonsten fällt vor allem Herbert Knaup ins Auge, welcher die Hauptrolle hervorragend spielt.

Es macht wirklich Spaß, sich diese Filme anzuschauen, allerdings sollte man in der Lage sein, die süddeutschen Dialekte zu verstehen, denn im Gegensatz zu den Büchern, die größtenteils in Hochdeutsch verfasst sind, wird in den Filmen konsequent Dialekt gesprochen. Aber keine Panik, nicht so extrem, dass „Nordlichter“ gar nichts mehr verstehen. Diese Vorgehensweise ist zudem in meinen Augen sehr löblich, da es sich ja um Regionalkrimis handelt und so ein gewisser Grad an Authentizität unterstützt wird.

Auch wenn „Milchgeld“ ein wenig schwach ist, ist diese Box für Kluftinger-Fans eine Anschaffung wert, denn neben dem (im Vergleich zum Einzelkauf der Titel) sehr günstigen Preis wird auch noch eine Menge Bonusmaterial geboten, welches durchgehend sehr interessant ist.

Trailer

Handlung

Erntedank

Erntedank. Ein Allgäu-Krimi – jetzt auf DVD ! Der Allgäuer Kriminalhauptkommissar Kluftinger traut seinen Augen nicht. Auf dem Mordopfer liegt sorgfältig drapiert eine tote Krähe. Im Verlauf der Ermittlungen kommt Kluftinger einem Täter auf die Spur, der nach Allgäuer Sagenmotiven mordet. Das erste Mordopfer ist Gernot Sutter: ein Kleinunternehmer von Kaffeefahrten. Er wird mit aufgeschlitzter Kehle bei einem Gedenkstein der Burg Rappenscheuchen aufgefunden. Dort lebte im Mittelalter ein Raubritter, der nach einer Allgäuer Sage von Rabenvögeln angegriffen wurde und so zu Tode kam. Bald gibt es eine zweite Leiche: eine Frauenärztin aus Memmingen wird mit einer auf der Stirn eingeritzten 11 tot an einem Fluss gefunden. Auch diesem Fall liegt eine Sage zugrunde. Immer tiefer taucht Kluftinger bei seinen Ermittlungen in die mystische Welt des Allgäu ein. Kluftinger ist ein liebenswert altmodischer Held wider Willen, einer, dem Größenwahn und Eitelkeit verhasst sind, ein eigenwilliger Traditionalist, der seine Heimat liebt und sie so erhalten wissen will, wie sie ist.

(Copyright: Bayrischer Rundfunk)

Milchgeld

Ein Mord – ausgerechnet in Kommissar Kluftingers beschaulichem Heimatdorf Altusried: Der Betriebsleiter der örtlichen Molkerei wurde erdrosselt. Der Fall kommt Kluftinger richtig gelegen, denn nun braucht er nicht mit seiner Frau Erika in Urlaub zu fahren. Wo er doch sowieso am liebsten daheim bleibt. Ungut ist nur, dass er seine Ermittlungen gegen seine Bekannten und die Bauern der Nachbarschaft richten muss. Dabei will ihm sein Vater, ein pensionierter Polizist, noch vorschreiben, wie er arbeiten muss was für Kluftinger so gar nicht geht. Der Besuch des ihm unsympathischen Dr.Langhammer macht die Sache nicht besser. Und auch der Fall macht dem Kommissar zu schaffen – kriminalistisch wie emotional. Auf einmal scheinen sich alle, die ihm nahestehen, von ihm ab- oder gar gegen ihn zu wenden. Kluftinger gerät immer mehr in die Isolation. Doch seine Hartnäckigkeit und sein sicherer Instinkt führen ihn schließlich auf die Spur eines handfesten Skandals, der das ganze Allgäu erschüttert.

(Copyright: Bayrischer Rundfunk)

Seegrund

Statt gemütlich mit seiner Familie Kässpatzen essen zu dürfen, stolpert Kommissar Kluftinger beim Spaziergang am Ufer des Alatsees über einen Taucher in einer blutroten Lache. Was zunächst aussieht wie Blut, entpuppt sich schnell als eine seltene Bakterienart, die das Tauchen im See zur Lebensgefahr macht. Bei der Lösung des Falls wird Kluftinger mit seiner Füssener Kollegin Friedel Marx konfrontiert, die er am Telefon immer für einen Mann gehalten hat. So wie Marx kein Mann ist, so ist der tote Taucher nicht tot. Und seine echte Identität bleibt lange ungeklärt. Das geheimnisvolle Zeichen, das Kluftinger auf dem Erdboden neben ihm findet, ist nicht das einzige Rätsel in diesem Fall. Der Schlüssel zur Lösung liegt lange tief verborgen unter der blutroten Bakterienschicht auf dem rätselhaften Grunde des Sees …

(Copyright: Bayrischer Rundfunk)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch, Englisch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: KNM Home Entertainment GmbH
Erscheinungstermin: 16.10.2014
Spieldauer: 270 Minuten

Copyright Cover: Bayrischer Rundfunk



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.