Review

Mit „Die in a Gunfight“ verpasst Regisseur Collin Schiffli dem William Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ ein Update. Als Romantic Crime Thriller entsprechend deklariert, erscheint der Film nun über Constantin Film im Heimkino.

Rome und Julia 2.0

Man tausche die Namen, die Orte und füge reichlich Farbe und wilde Kameraschnitte hinzu, schon hat man Schifflis moderne Version von „Romeo und Julia“.

Mary (Alexandra Daddario) und Ben (Diego Boneta) sind die rebellischen Nachkommen zweier mächtiger Familien, die sich in einer jahrhundertelangen Fehde befinden. Als nach vielen Jahren Trennung eine Affäre zwischen den beiden wieder aufflammt und ihre verbotene Liebe erstarkt, entzündet sich auch das Feuer, dass die Feindschaft ihrer Familien umgibt, erneut.

Bis dahin sind die Ähnlichkeiten mit dem Klassiker nicht von der Hand zu weisen, anschließend geht „Die in a Gunfight“ jedoch etwas andere Wege. So sorgen im Folgenden vor allem fliegende Fäuste und Kugeln, auf den Plan gerufene Auftragskiller sowie ein blutiger Showdown, der sich mehr und mehr von der Vorlage entfernt, für die Eigenständigkeit des Films, der Korruption, Liebe, Eifersucht, Rache, Gewalt, Lust und Emotionen aufeinanderprallen lässt. Das Ergebnis ist eine actiongeladene, aber vor allem sehr kurzweilige Liebesgeschichte. Und jeder weiß:

Love is messy

Auf Deutsch: Liebe ist chaotisch. Dem kann wohl jede/r beipflichten. Chaotisch wirkt hier zuweilen aber auch die Machart des Films an sich.

Weit entfernt vom Shakespeare’schen Stoff fällt daher die Inszenierung als solche aus. Diesbezüglich möchte man gerne derart modern sein, dass nicht nur die Handlung in den Hintergrund rückt, sondern auch der innovative Ansatz den persönlichen Geschmack gehörig auf die Probe stellt. Als „visuell anspruchsvoller Mix aus Action, Thrill, Drama und Lovestory“ angekündigt, schießen die diesbezüglichen Ambitionen der Macher gerne auch mal über das Ziel hinaus. Auf Kosten des Styles wird daher zuweilen wenig Rücksicht auf eine nennenswerte Figurenausarbeitung, einen ausgefeilten Spannungsaufbau oder eine etwaige Handlungsrelevanz genommen. Stattdessen birgt „Die in a Gunfight“ ein hohes Maß an kreativen Ideen, die zum Teil in farbenfrohen, extravaganten Szenen und wilden Kameraschnitten bzw. -perspektiven, teils in Flashbacks, Schnelldurchläufen und comicartigen Animationseinschüben münden. Das alles wirkt auch schon mal sehr pulpig, was dem Film gleichzeitig aber auch einen gewissen Charme verleiht.

Jenen erhält der Streifen auch durch seinen Erzähler (Billy Crudup), der die Story hier kommentierend begleitet. So werden die Zuschauer:innen quasi „an die Hand genommen“ und erleben das Geschehen sowohl aus Sicht des Erzählers als auch aus Sicht der Figuren.

Das Ja-Wort mal anders: Diego Boneta im Romantic Crime Thriller „Die in a Gunfight“. (Copyright: Constantin Film)

Diese werden verkörpert von Diego Boneta („Monster Hunter“) und Alexandra Daddario („Superman: Man of Tomorrow“, „Baywatch“) in den Hauptrollen sowie von u.a. Justin Chatwin, Travis Fimmel und Wade Allain-Marcus in den Nebenrollen. Ist das Spiel von Boneta noch ganz ansehnlich, kann Daddario wenig überzeugen. Rollen wie Wayne McCarthy (Travis Fimmel) und Terrence Uberahl (Justin Chatwin) fehlt es zudem an bissigem Humor. Zwar kommen bei ihnen vereinzelt Situationskomik oder flotte Sprüche zum Vorschein, das alles hätte aber noch verstärkter und – passend zur stylishen Inszenierung – überzogener vorhanden sein können, um letztlich für Unterhaltung zu sorgen. So aber bleibt der Humor zum Teil derart subtil, dass er auch hätte eingespart werden können. Dies betreffend wurde einiges an Potenzial verschenkt und auch die Spannung will nicht so recht aufkommen.

Fazit

„Kurzweilig, cool, stimmungsgeladen, atmosphärisch, blutig und ein bisschen verrückt“, so beschreibt Constantin Film seine Heimkinoveröffentlichung – und von allem besitzt „Die in a Gunfight“ auch ein bisschen. Partiell kann auch der Soundtrack punkten, doch schnell wird klar, dass in allen Belangen (mit Ausnahme des Style-Faktors) mehr möglich gewesen wäre. Immerhin: Für einen seichten Filmabend reicht es aus.


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Trailer

Handlung

Mary (Alexandra Daddario) und Ben (Diego Boneta) sind die rebellischen Nachkommen zweier mächtiger Familien, die sich in einer jahrhundertelangen Fehde befinden. Als nach vielen Jahren Trennung eine Affäre zwischen den beiden wieder aufflammt und ihre verbotene Liebe erstarkt, entzündet sich auch das Feuer, dass die Feindschaft ihrer Familien umgibt, erneut. Es fliegen Fäuste und Kugeln, Auftragskiller werden auf den Plan gerufen und es kommt zu einem blutigen Showdown. Korruption, Liebe, Eifersucht, Rache, Gewalt, Lust und Emotionen prallen in dieser schnelllebigen, actiongeladenen Liebesgeschichte aufeinander.

(Quelle: Constantin Film)

Details

Sprache / Ton: Deutsch (DTS-HD 5.1), Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (DTS-HD 5.1), Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
Bildseitenformat: 2.39:1 in 16:9
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Constantin Film
Erscheinungstermin: 14.10.2021
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: ca. 92 Minuten
Extras: Making-of / Deleted Scene „To Paris and back“

Copyright Cover: Constantin Film



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde