Review

Die Geiselnahme

Der japanische Großindustrielle Katsumi Hosokawa (Ken Watanabe) reist anlässlich geschäftlicher Beziehungen und Investitionen nach Südamerika in eine vom Militär beherrschte Diktatur. Dort wird der Magnat gepudert und hofiert. Zu seinen Ehren wird die weltberühmte und begnadete amerikanische Sopranistin Roxanne Coss (Julianne Moore) für ein Privatkonzert im kleinen Kreis eingeflogen, deren Operngesang der japanische Industrielle verehrt. Es soll ein prunkvoller Abend im Palazzo werden. Die feierliche Stimmung wird jedoch empfindlich gestört, als eine Gruppe von Guerillas das Gebäude stürmt.

Die Gesellschaft wird in Geiselhaft genommen, um den amtierenden Präsidenten unter Druck zu setzen und die Freilassung ihrer inhaftierten Kameraden zu erreichen. Zusammengepfercht auf engstem Raum kommt es nach einer anfänglich hitzigen Atmosphäre zu unerwarteten Liebschaften …

Einschätzung

Mit „Die Geiselnahme“ oder auch „Bel Canto“, wie der Film im Original heißt, der auf dem gleichnamigen Roman von Ann Patchett basiert, betritt Regisseur Paul Weitz Neuland. Der „American Pie“- und „About a Boy“-Regisseur widmet sich einem thematisch ernsten und eher schwerfälligen Film, den man am ehesten in den Genres Thriller oder Drama verorten kann.

Dabei sind die Macher sichtlich darauf bedacht, ausgetretene Pfade zu verlassen und dem Geiselnahme-Kino neue Impulse zu geben. Insbesondere soll hier ein komplexeres, vielschichtigeres Bild einer Geiselnahme gezeichnet werden, als dies üblicherweise geschieht. Die Geiselnehmer sind nicht bloß rücksichts- und gesichtslose Verbrecher, die sich von den verwerflichsten Motiven leiten lassen, sondern empfindsame Freiheitskämpfer, die zwar ein schlechtes verwerfliches Mittel wählen, aber einen einsichtigen, jedenfalls nicht verwerflichen Zweck verfolgen.

Bedient kein Genre so richtig

Dieses Plädoyer für eine differenzierte Herangehensweise mit den zwischenmenschlichen Komponenten einer Geiselnahme ist zwar grundsätzlich begrüßenswert. Allein, der Film bleibt seltsam schal und will aus diversen anderen Gründen nicht so recht zünden.

Das die Menschen verbindende Element soll hier die Kunst, vor allem der Operngesang, sein. Dabei kommt es indes immer wieder zu befremdlich anmutenden Szenen. Beispielsweise, wenn die Sopranistin auf den Balkon des Palazzo geschickt wird, um zu singen, damit das Gebäude wieder mit Wasser versorgt wird, welches zwischenzeitlich abgestellt worden war. Welcher diktatorische Machthaber würde darauf nicht reagieren?

Auch, dass einer der Guerilla-Kämpfer auf einmal unbedingt den Operngesang von Roxanne Coss erlernen will, wirkt – gelinde gesagt – bizarr, ebenso wie ein gemeinsames Fußballspiel von Guerillas und Geiseln.

In seiner Darstellung der Geiselnehmer als greifbare, empathische Wesen treibt es der Film, vor allem auf Kosten des Spannungsaufbaus, einfach viel zu weit. Da hilft auch ein – erwartbarer – „Twist“ zum Ende nicht mehr viel.

Der hochkarätige Cast 

„Die Geiselnahme“ kann mit Oscar-Preisträgerin Julianne Moore („Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft“) sowie dem für den Oscar nominierten Ken Watanabe („The Sea Of Trees“) zwei hochkarätige Hauptrollen darbieten.

An deren Seite spielen insbesondere noch Demian Bichir, der Deutsche Sebastian Koch sowie Christopher Lambert.

Julianne Moore und Ken Watanabe in ihren Hauptrollen in „Die Geiselnahme“ (Copyright: dcm)

Leider gibt Julianne Moore zu keiner Zeit eine glaubhafte Sopranistin ab. In dieser Rolle vermag sie schlicht nicht zu überzeugen. Wenig hilfreich ist es dann, dass sich die Liebesgeschichten, die sich hier vor allem zwischen den Rollen von Moore und Watanabe entfalten, alles andere als gewachsen und konsequent aufgebaut anfühlen. Die hiesigen Paare verströmen keine spürbare Leidenschaft, die den Zuschauer packen oder gar mitreißen könnte.

Überzeugen kann am ehesten Sebastian Koch in seiner Rolle als engagierter Verhandlungsführer vom Roten Kreuz. „Highlander„-Christopher Lambert vermag keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Fazit

Unter dem Strich bietet „Bel Canto“ leider außer einer interessanten Prämisse wenig Inhalt, der haften bleibt. Ohne größere Spannungsmomente plätschert der „Thriller“ die überwiegende Zeit vor sich hin und wirkt am Ende unausgegoren und bruchstückhaft.

Schade, mit diesem starbesetzten Cast war sicherlich mehr drin.

Trailer

Inhalt

Abendkleider, Champagnergläser und Operngesang. Die begnadete Sopranistin Roxane Coss gibt im Rahmen eines Empfangs in Südamerika für den japanischen Industriellen Katsumi Hosokawa, ihren größten Bewunderer, ein Privatkonzert im Palazzo des Vizepräsidenten. Es soll ein glanzvoller Auftritt der Feierlichkeit werden, doch plötzlich bekommt der Abend eine grauenhafte Wendung: Es fallen Schüsse und eine schwerbewaffnete Gruppe von maskierten Guerilla-Kämpfern nimmt die Abendgesellschaft brutal in Geiselhaft.

Abgeschnitten von der Außenwelt und die tödliche Gefahr stets vor ihren Augen, durchleben die Geiseln die Schrecken und das Martyrium einer Gefangenschaft. In quälender Unkenntnis, wie lange ihre Gefangenschaft und die Freilassungsverhandlungen unter Medienbeobachtung noch anhalten werden, kommen sich nicht nur Gefangene und Rebellen näher. Auch Operndiva Coss erkennt, dass sie trotz Sprachbarrieren mit der Kraft ihrer Stimme nicht nur ihren größten Bewunderer für sich gewinnen kann …

(Quelle: DCM)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: DCM / Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 22.02.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 101 Minuten

Copyright Cover: DCM



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)