Review

Starke Frauen

Es erscheint nicht ganz glücklich, dass mit „Colette“ und „Die Frau des Nobelpreisträgers“ zwei Filme über brillante und selbstbewusste Frauen am gleichen Tag für das Heimkino erscheinen. So mögen sie sich leider gegenseitig der Aufmerksamkeit berauben.

Während „Colette“ von Regisseur Wash Westmoreland mit Keira Knightley in der Hauptrolle vom Leben der realen französischen Schriftstellerin, Varietékünstlerin und Journalistin Sidonie-Gabrielle Claudine Colette erzählt, handelt es sich bei „Die Frau des Nobelpreisträgers“ von Regisseur Björn Runge um die fiktive Geschichte einer Frau, die ihre Leidenschaft und ihr Talent als Schriftstellerin stets den Interessen und dem Ansehen ihrer Familie sowie insbesondere der Karriere ihres Mannes untergeordnet hat.

Das Drama basiert auf dem Roman „Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer.

Eine scheinbar heile Welt

Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce) sind seit fast 40 Jahren verheiratet. Sie leben in einem schmucken Anwesen, haben zwei Kinder (Max Irons, Alix Wilton Regan) und sind in freudiger Erwartung ihres ersten Enkelkindes.

Als Joe, ehemaliger Professor der Literatur und ein weltweit anerkannter Schriftsteller, dann den Literatur-Nobelpreis verliehen bekommen soll, ist die Freude scheinbar unermesslich. Doch der Schein soll trügen.

Bereits vor dem Flug nach Stockholm kommt es zu ersten Spannungen zwischen dem Vater und Schriftsteller-Genie und dem Sohn, der selbst eine Karriere als Literat anstrebt und sich vom großen Vorbild zurückgesetzt fühlt.

Doch auch unter der Fassade der an sich so abgeklärten und intellektuellen Joan brodelt es und bricht nach und nach hervor. Eine bittere Lebenslüge entblättert sich allmählich.
Da ist es wenig hilfreich, dass der Journalist und Möchtegern-Castleman-Biograph Nathaniel Bone (Christian Slater) mit nach Schweden gereist ist. Der scheint viel über die Familiengeheimnisse zu wissen und streut immer wieder gezielt Salz in die Wunden. 

Über Risse einer Ehe und unverdiente Anerkennung

„Die Frau des Nobelpreisträgers“ erzählt nur zunächst von einer Frau, die die perfekte Gattin eines Schriftstellers in der intellektuellen und kulturellen Elite zu sein scheint – Liebende und sorgende Ehefrau, Hausfrau und Mutter.

Gekonnt inszeniert Björn Runge einen Film, der dem Zuschauer nach und nach – teils über Rückblenden – ein vielschichtiges Bild einer Frau präsentiert, die einst große Ambitionen hegte, jedoch mit den gesellschaftlichen Zwängen, traditionellen Vorstellungen und klaren Rollenbildern ihrer Zeit ringen musste.

Daneben und insbesondere erzählt das Drama von der ambivalenten Liebesgeschichte zwischen Joan und Joe. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, Joe in die Rolle des Haustyrannen und fiesen Unterdrückers seiner Frau, und diese wiederum in eine schlichte Opferrolle zu drängen. Doch so einfach macht es sich „Die Frau des Nobelpreisträgers“ nicht. Vor allem die Rolle von Glenn Close als selbstbewusste wie zerbrechliche Literaten-Gattin Joan Castleman, aber auch die Rolle des unsicheren Ehemannes und Schriftstellers von Jonathan Pryce bieten Raum für tiefe, psychologisch ausdifferenzierte Figuren und ein facettenreiches Spiel. Denn trotz der Scharade, die in dieser Ehe zuweilen gespielt wurde, macht der Film auch immer wieder unmissverständlich deutlich, dass da echte Liebe zwischen den beiden Charakteren ist.

Beeindruckende Performances

Dass der Film derart gut funktioniert, ist aber selbstverständlich auch seinem Cast geschuldet.

Die Oscar-nominierte Glenn Close liefert in „Die Frau des Nobelpreisträgers“ eine schauspielerische Glanzleistung ab. (Copyright: Graeme Hunter / stills.tv / capelight pictures)

In den Nebenrollen können vor allem Christian Slater und Max Irons glänzen, wobei Letzterer noch mehr Spielzeit hätte vertragen können.

Jonathan Pryce brilliert in seiner Rolle als unsicherer und bisweilen überheblicher Schriftsteller und bekommt meines Erachtens nicht die Anerkennung, die er für diese schauspielerische Leistung verdient hätte.

Zuvorderst ist „Die Frau des Nobelpreisträgers“ aber das Meisterstück von Glenn Close. Sie liefert hier eine umwerfende, einfühlsame und facettenreiche Performance ab. Allein mit Blicken und der Sprache ihres Körpers kann Close zuweilen Gefühle und Verletzlichkeit transportieren, wie es Worte nicht besser hätten ausdrücken können. Völlig zu Recht wurde die Grande Dame bei den Golden Globe Awards 2019 als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet und darüber hinaus mit diversen anderen Preisen und Nominierungen bedacht. 

Fazit

Eine umwerfende Glenn Close, eine ergreifende Lebens- und Liebesgeschichte sowie ein Stück über Emanzipation, das komplett ohne Vorschlaghammer auskommt.

Trailer

Inhalt

Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce) sind seit fast 40 Jahren verheiratet. Joe gefällt sich als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. Er genießt in vollen Zügen die Aufmerksamkeit, die ihm zu Teil wird, diverse Affären inklusive. Seine Frau Joan scheint dabei mit viel Charme, einem scharfen Sinn für Humor und intelligenter Diplomatie die perfekte Unterstützung im Hintergrund.

Als Joe für sein literarisches Oeuvre mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden soll, reisen sie gemeinsam nach Schweden. Begleitet werden sie dabei von ihrem Sohn David (Max Irons) – selbst angehender Schriftsteller ohne Vaters Segen.

Zwischen hochoffiziellen Empfängen, Ehrfurchtsgebaren und Damenprogramm werden die Risse der Ehe sichtbar und eine unruhige Unzufriedenheit beginnt durch Joans stoische Fassade zu brechen.

Zu allem Überfluss werden die Castlemans auch noch von Journalist und Möchtegern-Biograph Nathaniel Bone (Christian Slater) verfolgt, der unnachgiebig versucht, ein dunkles Geheimnis aufzudecken.

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 10.05.2019
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 101 Minuten
Extras: Hinter den Kulissen / Interview mit Cast & Crew / Kinotrailer

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)