Review

Wenn die Kulissen den Charme von Freilichtbühnen-Pappmaché versprühen, die Farben teils sehr bunt, aber stets äußerst weichgezeichnet ausfallen und der Humor teils kindisch, teils altbacken wirkt, dann weiß man, dass sich eine DVD im Player befindet, deren Inhalt schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Und so legt auch der italienische TV-Mehrteiler „Die falsche Prinzessin“ von den Machern der Kult-Serie „Prinzessin Fantaghirò“ Zeugnis davon ab, wie schnell sich Filme, Humor und die technischen Möglichkeiten abnutzen bzw. über die Jahre weiterentwickeln.

Was Anfang der 90er noch als innovativ, kreativ und bahnbrechend gefeiert wurde, gelangte über die Jahre zwar an Kultstatus, erscheint nun, ca. 25 Jahre später, wie eine nostalgische Reise in eine Märchenwelt, die es damals nicht nötig hatte, mit Specialeffects oder bildgewaltiger Opulenz zu arbeiten. So ist „Die falsche Prinzessin“ in keiner Weise mit Blockbustern wie „The Huntsman“ und Co. zu vergleichen, ein Publikum wird jenes Fantasy-Märchen jedoch auch heute noch finden. Grund genug, dass Studio 100 „Die falsche Prinzessin“ nun als komplette Serie auf DVD veröffentlicht.

Gesplittet auf zwei Episoden taucht der Zuschauer in eine märchenhafte Welt ab, die genrespezifischer nicht ausfallen könnte. Daher werden hier auch vorrangig jene Konsumenten auf ihre Kosten kommen, deren Herz ohne Kompromisse für Märchen schlägt. Es reicht somit nicht, sich als Fantasy-Fan zu bezeichnen, um mit „Die falsche Prinzessin“ warm zu werden, denn dafür mangelt es an Epik, während sich stattdessen an üblichen Märchen-Zutaten bedient wird, die u.a. auch sprachlich in pathetisch-poetischer Form zum Ausdruck gebracht werden und sich in moralischen Aspekten der Handlung wiederfinden.

Zudem schadet es nicht, im Geiste jung geblieben zu sein, da die Inszenierung sehr kindlich und kindgerecht ausfällt.
Das von technischen Raffinessen verwöhnte Auge mag die Effekte in „Die falsche Prinzessin“ vielleicht eher als plump oder albern wahrnehmen, Kinderaugen dürften hingegen zu funkeln beginnen, wenn Katze oder Hund zu sprechenden Wesen mutieren, die dem Schicksal der Hauptfiguren den richtigen Weg weisen.

König Hamil (Mathieu Carrière) und "Die falsche Prinzessin" (Anna Falchi) | Copyright: Studio 100

König Hamil (Mathieu Carrière) und „Die falsche Prinzessin“ (Anna Falchi) | Copyright: Studio 100

Wie bei Regisseur Lamberto Bava üblich, steht auch in „Die falsche Prinzessin“ eine Frau im Mittelpunkt seiner Produktion. Besetzt durch Anna Falchi sorgt Bava für einen lohnenswerten Hingucker. Ihr affektiertes Schauspiel passt zum Genre und überzeugt auch (oder gerade) dann, wenn der Kitsch und die Romantik mehr als deutlich gestreift werden. Ebenfalls sparen die weiteren Schauspieler nicht am genretypischen „Overacting“. Dabei trifft man auf namhafte Darsteller wie Thomas Kretschmann, Max von Sydow oder Mathieu Carrière.

„Die falsche Prinzessin“ wirkt 2016 sicherlich ein wenig überholt und bietet auch thematisch keine Innovation im Märchensektor. Für damalige Verhältnisse jedoch durchaus spektakulär und nahezu fortschrittlich inszeniert, erleben auch gegenwärtig Märchenkundler hier eine schöne Geschichte um Verzweiflung, Macht und natürlich die wahre Liebe. Empfehlenswert für alle Fans des Genres.

Handlung

Der Magier Gamesh hat König Hamil zu einem Sohn und Thronfolger verholfen. Doch sein Rivale, der Hexer Epos, lässt den Prinzen entführen. König Hamil muss Mirabella, die uneheliche Tochter seiner Dienerin, zur Thronfolgerin erklären. Der rechtmäßige Erbe, Prinz Ademaro, wächst unerkannt mit dem gleichaltrigen Leonardo in einer Bauernfamilie auf. Das Schicksal führt Mirabella mit den ungleichen Brüdern zusammen – und beide verlieben sich in in sie. Die Hexenmeister greifen ein …

(Quelle: Studio 100) 

Details

Format: PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Studio 100
Erscheinungstermin: 07.10.2016
Produktionsjahr: 2007
Spieldauer: 182 Minuten

Copyright Cover: Studio 100



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde