Review

Seit 2008 entführt Autorin Ulrike Schweikert vornehmlich jüngere Leser ab 12 Jahren in ihre Welt der Vampire. Zugleich stellt ihr „Der Erben der Nacht“ Zyklus eine Reise durch das Europa des 19. Jahrhunderts dar.

Vom Romanzyklus zur Fernsehserie

Regisseur Diederik Van Rooijen bringt die fantastische Romanreihe nun auch auf die heimischen Bildschirme, indem er sich an die Verfilmung der gleichnamigen Jugendbuchreihe wagt.

Herausgekommen ist eine Vampir-Serie, die mit ihren typischen, bekannten Zutaten zwar nicht viel Neues im Genre beizutragen hat, dafür aber für die heranwachsende Generation an Fantasy- und Vampir-Fans einen netten Stoff zum Einsteigen bietet.

Der Einstieg in die Serie wiederum fällt ebenfalls leicht. Visuell eher unspektakulär, dafür aber angenehm stimmungsvoll wird in der ersten Folge namens „Der Funke erwacht“ wie folgt in den Hintergrund der Serie eingeführt:

1889: Überall in Europa leben Vampire mitten unter der menschlichen Bevölkerung. Unauffällig im Verborgenen. Doch ihr Leben wird von den „Rotmasken“ bedroht, einer Gruppe von Menschen, die sich der Jagd auf Vampire verschrieben hat.
Der Legende nach wird es zum alles entscheidenden Kampf zwischen beiden Welten kommen … ausgelöst durch einen einzigen Funken.

Doch nicht nur die Menschen stellen eine Gefahr für die Vampire dar, auch in den eigenen Reihen drohen Unruhen. Allen voran ist es niemand Geringeres als Dracula, der den verschiedenen Vampir-Clans zur Gefahr wird. Jene werden direkt im Anschluss – sowie im Vorspann einer jeden weiteren Folge – vorgestellt. Klar wird schnell, um zu überleben, müssen sich die unterschiedlichen Clans (laut einer Prophezeiung) vereinen.

Aus den Augen des Vampir-Nachwuchses

Nach einigen schönen Landschaftsaufnahmen und dem ersten Kennenlernen einzelner Figuren und Clans bildet dann ab Folge 2 ein Schiff als „Schulschiff“ (so auch der Name der Episode) den Hauptschauplatz. Während Hogwarts die Schule für die Zauberschüler ist, ist die Elisabetha nun also die Lehranstalt für den Vampir-Nachwuchs.

Obschon es immer wieder ein Treffen der verschiedenen Vampir-Generationen gibt, liegt der Fokus – titelgemäß – in allen 13 Folgen der Serie auf den „Erben der Nacht“. Wie die Zielgruppe befinden sich diese im Kindes- und Jugendalter und bieten mit ihrer Diversität reichlich Identifikationspotenzial für die entsprechende Zuschauerschaft. Da darf dann auch eine Romanze respektive ein Dreiecksverhältnis nicht fehlen. Auch einige Kampfszenen finden Eingang in die Produktion. Alles jedoch im Rahmen der Altersfreigabe ab 12 Jahren.

Spannung wird dabei nicht nur durch die Nebenhandlungen und Bedrohungen aufgebaut. Ebenso sorgen einige „Geheimnisse“ und Verschwörungen sowie die stetig wachsende Macht Draculas für atmosphärische und unterhaltsame Momente.

Kleine Kritikpunkte

Auch wenn der Inhalt zunehmend an Komplexität und Zusammenhängen gewinnt, bleiben Rückblicke zu Beginn einer jeden Episode aus. Bei der Kürze einer Folge (knapp 25 Minuten) ist dies jedoch zu verschmerzen.

Dies gilt auch für die Besetzung der „Rotmasken“-Anführerin Calvina (gespielt von Christina Chong). In ihrer Rolle als weiblicher Van Helsing-Verschnitt noch glaubwürdig, nimmt man ihr die Mutterrolle eines pubertierenden Sohnes aufgrund ihres doch recht jungen Alters nicht ganz ab. Aber sei es drum.

Anastasia Martin als Nachwuchs-Vampirin Alisa von Vamalia in „Die Erben der Nacht“. (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Weniger kann man da schon über die Synchronisation und die Menüführung hinwegsehen. Insbesondere die Nachsynchronisation von Florian Bartholomäi als Hindrik wirkt teils wie offensichtlich nachträglich eingefügt und passt damit nicht zum sonstigen (gut gelungenen) „Klangbild“ der Synchronisation. Eine helle Markierung bei der Menüpunkt-Anwahl (auf heller Schrift) macht indes die Menüauswahl schwieriger als nötig.

Fazit

Davon abgesehen ist „Die Erben der Nacht – Staffel 1“ eine gelungene Vampir-Serie für den Nachwuchs an Fantasy-Fans, an der jedoch auch so manch ein Erwachsener Gefallen finden wird. Da von glitzernden Vampiren erfreulicherweise abgesehen und sich stattdessen auf das klassische Vampir-Motiv, gebettet in die Kulisse des 19. Jahrhunderts, konzentriert wird, kommen zwar Zuschauer mit Hang zu modernen Elementen zu kurz. Jene, die es aber gerne traditionell mögen, werden bestens bedient.

Staffel 2 befindet sich bereits in Produktion – und wird sicherlich schon jetzt von einer wachsenden Fangemeinde heiß erwartet.


Trailer (engl.)

Handlung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schwindet die Macht der letzten großen Vampir-Clans in Europa. Von Vampirjägern, den gefürchteten Rotmasken, verfolgt und durch Clankriege zu Erzfeinden geworden, steht die Zukunft aller Vampire auf dem Spiel. Um ihr Überleben zu sichern, beschließen die Clan-Ältesten, ihre Nachfahren – die Erben – künftig gemeinsam auf dem Schulschiff Elisabetha auszubilden. Die jungen Vampire stehen schon bald vor der größten Herausforderung ihres Lebens: kein geringerer als Graf Dracula fürchtet um seine Macht und ist bereit, die Vampire, die er selbst erschaffen hat, zu opfern.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Episoden

01 Der Funke erwacht
02 Das Schulschiff
03 Die Kraft der Nosferas
04 Blinde Passagiere
05 Das Buch der Bücher
06 Gegen alle Regeln
07 Liebe und Leid
08 Der Beweis
09 Fluch oder Segen?
10 Gedankenlabyrinth
11 Familienspuren
12 Dunkle Zeiten
13 Nacht der Entscheidung

Details

Sprache: Deutsch
Bildformat: 16:9
Ton: Dolby Digital 2.0 Stereo
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 29.01.2021
Produktionsjahr: 2019/2020
Spieldauer: ca. 332 Minuten (13 x 25 Min.)

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde