Review

Möchte man sich der Krimiserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ widmen, ist vorab schon eines ganz klar: Es gilt viel Zeit mitzubringen, denn bei dieser deutsch-skandinavischen Koproduktion hat es der Zuschauer mit einem Krimi- und Thriller-Vergnügen im XXL-Format zu tun. Diesbezüglich stellt auch die dritte Staffel keine Ausnahme dar, die mit insgesamt fünf zusammenhängenden Folgen, verteilt auf fünf DVDs, auf eine Gesamtlänge von 568 Minuten, sprich über neun Stunden kommt.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Macher von „Die Brücke – Transit in den Tod“ einen einzigen Fall, wenngleich jener in Staffel 3 eine Mordserie darstellt, so interessant auf eine derartige Länge ausdehnen können, ohne Langeweile beim Publikum oder langatmige Passagen innerhalb des Films aufkommen zu lassen. Zu verdanken ist das vor allem der Komplexität, die Haupthandlungsstrang und Nebenschauplätze aufweisen.
Immer mehr verdichten sich die Geschehnisse, während die Zusammenhänge klarer werden.

Das Team der dritten Staffel von "Die Brücke" (Copyright: Baldur Bragason / Edel:Motion)

Das Team der dritten Staffel von „Die Brücke“ (Copyright: Baldur Bragason / Edel:Motion)

Klar ist auch das Bild, jedoch zugleich – für skandinavische Krimis und Thriller nicht ungewöhnlich – sehr düster, gedeckt und die Kulissen stetig in Tristesse tauchend. Der gelungene Schnitt sorgt zusätzlich für Atmosphäre und auch die Titelmelodie, der Song „Hollow Talk“ von dem dänischen Musikprojekt Choir of Young Believers, spiegelt die Stimmung passend wider.

Doch nicht nur auf die Bildqualität kommt es an, viel wichtiger ist natürlich, wie der Krimi inhaltlich abschneidet. Und hier überzeugt Staffel 3 von „Die Brücke – Transit in den Tod“ auf ganzer Linie. Ziemlich zügig werden viele unterschiedliche Figuren eingeführt, die sich im Laufe der Episoden alleine durch die Zunahme an Mordopfern weiter mehren. Trotz der Vielzahl an unterschiedlichen Personen verliert der Zuschauer dennoch nicht den Überblick; eine Kunst, die „Die Brücke“ zu meistern versteht.

Darüber hinaus lässt sich die dritte Staffel auch ohne Kenntnisse der vorausgegangenen Veröffentlichungen gut ansehen, werden doch dadurch fehlende Informationen dezent und an geeigneter Stelle eingestreut, um schnell Anschluss an die bisherige Handlung zu finden. Der Fall bzw. die Mordserie, die in der dritten Staffel präsentiert wird, bleibt davon unberührt, denn sie ist komplett eigenständig und greift nicht auf Geschehnisse der ersten beiden Staffeln zurück. Somit können Fans und Neulinge ohne Einbußen oder Schwierigkeiten die aktuelle Veröffentlichung genießen.

Doch alle Komplexität und großartige Umsetzung nützen letztlich nichts, wenn die schauspielerische Leistung nicht stimmt. Und jene fällt hier einmal mehr brillant aus. Besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang Sofia Helin, die ihre – nicht gerade einfache und sehr spezielle – Rolle der Saga Norén überragend spielt. Vor allem die der Protagonistin zugeschriebenen Schwierigkeiten in empathischen Interaktionen mit anderen Menschen bringen die Hauptfigur oftmals in Situationen, die eine gewisse Tragikomik besitzen und trotz ernstem und dramatischem Hintergrund beim Zuschauer kurzzeitig für humorvolle Momente sorgen. Dies lockert als wohldosiert eingesetztes Element immer mal wieder „Die Brücke“ auf. Dass dies nicht selten lediglich durch Mimik und Gestik hervorgerufen wird, zeugt von der großartigen Leistung der Schauspielerin.

Bei der Arbeit: Sofia Helin als Saga Norén (Copyright: Fotograf Carolina Romare / Edel:Motion)

Bei der Arbeit: Sofia Helin als Saga Norén (Copyright: Fotograf Carolina Romare / Edel:Motion)

Selbst wenn man schließlich nach der üppigen Spielzeit von „Die Brücke – Transit in den Tod (Staffel 3)“ noch die Muse hätte, sich etwaigem Zusatzmaterial zu widmen, so wird man dies betreffend leider nicht fündig werden. Außer einiger DVD-Highlights im Werbeformat gibt es keine weiteren Extras im Rahmen der DVD-Veröffentlichung. Da den Zuschauern jedoch Schauspieler und Rollen inzwischen ans Herz gewachsen sind, hätte beispielsweise ein Blick hinter die Kulissen vielleicht das Tüpfelchen auf dem i bedeuten können. Dieser fehlende Mehrwert (besonders für jene relevant, die „Die Brücke – Transit in den Tod (Staffel 3)“ bereits im Fernsehen (ZDF) gesehen haben und sich daher eventuell die ebenfalls erhältliche limitierte Fanbox einmal ansehen sollten) führt zu einem minimalen Punktabzug. Wen das jedoch nicht stört, darf sich hier gerne die Höchstwertung denken.

Trailer

Handlung

13 Monate später …

Saga Norén ermittelt weiterhin bei der Polizei in Malmö, allerdings ohne Martin Rhode, der eine 10-jährige Haftstrafe verbüßt. Nach wie vor ist Saga überzeugt, mit ihrer Aussage gegen ihn das Richtige getan zu haben. Auch, wenn sie Martin als Kollegen und als ihren einzigen Freund vermisst.

Die bekannte Gender-Forscherin und Aktivistin Helle Anker wird ermordet auf einer Baustelle in Malmö aufgefunden. Der Tatort ist wie ein Kunstwerk inszeniert – ein verstörendes Bild, das der Polizei Rätsel aufgibt.
Saga bekommt von dänischer Seite einen neuen Partner zugewiesen. Gemeinsam erfahren sie von einem weiteren bizarren Mord und ihnen wird klar, dass dies erst der Auftakt einer grausamen Mordserie war.
Als plötzlich auch noch Sagas Mutter nach Jahren wieder auftaucht, erhöht sich der Druck auf Saga. Denn dies hat nicht nur unvorhersehbare Konsequenzen für sie, auch der Fall wird immer brisanter. Dem Täter geht es um Verantwortung für das eigene Handeln. Und diese fordert er mit allen Mitteln ein, bis zum bitteren Ende …

(Quelle: Edel:Motion)

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Dänisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 5
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 11.03.2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 568 Minuten
Extras: DVD Highlichts (The Team / Code 37 / Varg Veum)

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde