Review

Nach bereits zahlreichen Verfilmungen des erstmals 1906 erschienenen Romans „Wolfsblut“ (engl. Originaltitel: „White Fang“) von Jack London folgt mit „Die Abenteuer von Wolfsblut“ nun auch eine kindgerechte Animationsfilmadaption des Jugendbuchklassikers durch die Tobis Film GmbH.

Die Lebens- und Leidensgeschichte des Wolfshundes >Wolfsblut<

Im Mittelpunkt steht die Lebens- und Leidensgeschichte des Wolfshundes „Wolfsblut“.
Er sammelt seine Erfahrungen (zuerst) in seiner natürlichen Umwelt und (später) mit den Menschen. Dabei lernt er diese von sehr unterschiedlichen Seiten kennen: Gutmütige und uneigennützige Zeitgenossen stehen skrupellosen und gierigen Vertretern der menschlichen Spezies gegenüber. Wolfsblut muss erkennen, wie unterschiedlich die Menschen in ihrer Art und ihrem Charakter sein können. Er lernt letztlich – nicht selten auf schmerzvolle Art und Weise -, wem er vertrauen kann oder wer als „Feind“ besser gemieden werden sollte, wenn er denn diesbezüglich eine Wahl hätte.

Mensch & Tier / Mensch vs. Tier

Der Film „Die Abenteuer von Wolfsblut“ thematisiert damit nicht nur den Umgang des Menschen mit Tieren, sondern auch, dass Tiere zu sensiblen Empfindungen in der Lage sind, Emotionen entwickeln und ein Recht auf ein würdevolles, artgerechtes Leben haben.

Dieser Thematiken geschuldet, finden sich fast keinerlei humorvolle Einlagen in dem eher ernsten und teils bedrückend wirkenden Film wieder, sodass der Fokus ganz auf „Wolfsblut“ und seinem – oftmals traurigen – Schicksal liegt.

Die Schreckensszenarien, die er dabei im Laufe seiner Entwicklung erleben muss, werden angedeutet, jedoch nie explizit dargestellt. Ganz dem Erfahrungshorizont und der Vorstellungskraft der jeweiligen Zuschauer angemessen, lassen sich diese Szenen somit mit eigenen Gedanken und Bildern ausfüllen. Unabhängig davon, wie diese „Lücken“ durch den Zuschauer individuell an Plastizität gewinnen, verlieren sie jedoch selbst schon in ihrer nur angedeuteten Ausführung zu keinem Zeitpunkt an emotionaler Wirkung.

Gelungene Bildsprache

Hervorgerufen wird dies auch durch die Bilder des Films. Denn während die Sprache als solche eher einfach und dadurch gleichsam kindgerecht ausfällt, lässt der Animationsfilm vielmehr seine Bilder für sich „sprechen“.

So werden positive Situationen, die Wolfsblut durchlebt, vermehrt farbenfroh und weitläufig gezeigt, negative Begebenheiten indes mit gedeckten Farben dargestellt.

Auch die Figurenzeichnung spiegelt die für Wolfsblut „guten“ und „bösen“ Charaktere anhand von weichen und harten, kantigen Gesichtszügen wider.

Ausgiebige und weitläufige Landschaftsaufnahmen stehen zudem stellvertretend für das Freiheitsgefühl des tierischen Protagonisten, während er in Menschenhand häufig angeleint oder eingesperrt in engen Räumlichkeiten gezeigt wird.

Der Animationsfilm „Die Abenteuer von Wolfsblut“ zeigt die Lebens- und Leidensgeschichte des tierischen Protagonisten aus dem Jugendbuchklassiker von Jack London. (Copyright: Tobis Film GmbH / 2018 Superprod, Bidibul Productions, Big Beach, France 3 Cinéma)

Insgesamt wirkt die Animation von „Die Abenteuer von Wolfsblut“ wie gemalt. Das passt sowohl zum Inhalt und zur Intention des Films als auch zu dessen zeitlichem Kontext (Alaska zur Zeit des großen Goldrausches) hervorragend.

Die historischen Bezüge erwähnt man jedoch nur am Rande und integriert sie beiläufig und als Selbstverständlichkeit in die filmische Handlung. Damit lenken sie weder von der eigentlichen Geschichte zu sehr ab, noch wirken sie zu fremdartig.

Berührend für Jung und Alt

All dies dürfte nicht nur Erwachsene zutiefst berühren, sondern auch für ein jüngeres Publikum (FSK ab 6 Jahren freigegeben) geeignet sein.

Gut geeignet sind „Die Abenteuer von Wolfsblut“ darüber hinaus auch dafür, um nach dem Film mit dem Nachwuchs beispielsweise über einen verantwortungsvollen Umgang mit etwaigen eigenen (Haus)tieren zu sprechen.

Fazit

Ob jung oder alt, wer von dieser Zuschauerschaft auch nur ansatzweise tierlieb und ein Hundefreund ist, der sollte sich spätestens jetzt den als Animationsfilm von Regisseur Alexandre Espigares liebevoll inszenierten Jugendbuchklassiker hiermit zu Gemüte führen. Dabei vorsichtshalber eine Packung Taschentücher bereitzuhalten wird sicherlich außerdem nicht schaden.

Trailer

Handlung

Alaska, zur Zeit des großen Goldrausches. Ein junger Welpe, halb Hund, halb Wolf, erkundet die noch unberührte Wildnis und wird von seiner Mutter liebevoll umsorgt und ein ums andere Mal vor den Gefahren des Waldes gerettet. Er lernt schnell, dass das Leben ein andauernder Existenzkampf ist. Als die Mutter verletzt wird, nimmt ihn ein alter Indianer in Obhut, der einst schon seine Mutter zum Schlittenhund ausgebildet hat und ihm den Namen Wolfsblut gibt. Mittlerweile zu einem stattlichen Vierbeiner herangewachsen, erkämpft er sich die Position des Leittiers unter den Schlittenhunden, bis er in die Hände von skrupellosen Geschäftemachern fällt und für Hundekämpfe missbraucht werden soll. Doch Wolfsblut erlangt das Mitleid eines Marshalls, der ihn vor dem sicheren Tod rettet. Der Beginn einer unzertrennlichen Freundschaft …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Tobis Film GmbH / Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 08.03.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 87 Minuten

Copyright Cover: Tobis Film GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde