Review

Lange war es still, nun schweigt >Der Tatortreiniger< für immer

Seit der sechsten Staffel 2017 war es still, nun schweigt „Der Tatortreiniger“ sogar für immer, denn die vorliegende siebte Staffel ist gleichzeitig auch die letzte der – im wörtlichen Sinne ausgezeichneten – Serie.

Nach sieben Jahren und nunmehr 31 Folgen darf der Zuschauer somit ein letztes Mal in vier Episoden dem Treiben der charismatischen Fernsehfigur beiwohnen. Dabei knüpfen vor allem die ersten beiden Folgen „Rebellen“ und „Currywurst“ nahtlos an die bisherigen Qualitäten der erfolgreichen Produktion an.

Filzgleiter-Philosophien: Wenn Banalitäten an Relevanz gewinnen

Bedenkt man, dass in „Rebellen“ knapp 25 Minuten lang unterhaltsam und witzig über so ein banales Thema wie Filzgleiter (im Übrigen als nettes Gimmick neben einer Postkarte als Bonusmaterial enthalten) diskutiert und philosophiert wird, indes der Zuschauer auf alte Bekannte wie Didi (Olli Schulz) und Frido (Jan Georg Schütte) trifft, während sich Schotty selbst als wahrer Fachmann auf diesem Gebiet outet, ist es kaum zu glauben, dass Autorin Mizzi Meyer die Figur des Tatortreinigers als auserzählt ansieht.

Es geht auch ernst

Abseits dieser gelungenen Staffeleröffnung finden natürlich auch ernste sowie ethisch-moralische Themen wieder ihren Platz. Diesbezüglich sticht besonders die Episode „Der Kopf“ hervor, die Schotty mitsamt einem Komapatienten in ein surrealistisches Szenario katapultiert und Figuren sowie Zuschauer über das Für und Wider von Patientenverfügungen nachdenken lässt. Durch die surrealistische Herangehensweise, die man auch bereits in vorausgegangenen Staffeln vereinzelt antraf, fehlt es der Folge jedoch an Witz und Biss. Das Thema selbst bleibt somit zu oberflächlich, abstrakt und ohne neue Impulse.

Finale

Philosophieren über Filzgleiter – das kann niemand so schön wie Olli Schulz und Bjarne Mädel in „Der Tatortreiniger – Staffel 7“ (Copyright: Studio Hamburg Enterprises)

Surreal fällt schließlich auch das Finale namens „Einunddreißig“ aus. Nicht zuletzt dadurch tappt der Zuschauer über einen längeren Zeitraum im Dunkeln, wo die Folge eigentlich hin will. Diese Ungewissheit und äußerst künstlerische Inszenierung, die Regisseur Arne Feldhusen für viele Fans gewiss einen Tick zu kunstvoll angelegt hat, nimmt dem Zuschauer zudem die Chance, von den emotionalen Aspekten der Folge tangiert zu werden. Darunter insbesondere Merles „Abgesang“, der zwar inhaltlich sehr gefühlvoll ausfällt, mitunter metaphorisch auch einen Abschied von der Serie selbst offenbart, leider aber das einzige darstellt, was an dieser Folge tatsächlich gefällt. Dabei sind hier gute Ansätze erkennbar, wie etwa die Integration alter Requisiten und Figuren vergangener Staffeln. Das dabei erkennbare Potenzial wird aber zugunsten der „abstrakten Kunst“ nicht ausgeschöpft und so lässt die gesamte Inszenierung der finalen Folge den Zuschauer mehr als unbefriedigt und enttäuscht zurück.

Fazit

Obwohl „Der Tatortreiniger – Staffel 7“ Schotty in Gesprächen über Filzgleiter und moderne Kunst noch einmal in Höchstform erleben lässt, fällt das Finale insgesamt für einen Serienabschluss dieser grandiosen Produktion leider enttäuschend – und aufgrund der surrealen Ausrichtung außerdem zu emotionsarm – aus. Damit wird man weder einem würdigen Abschied der Hauptfigur noch den Ansprüchen des Zuschauers gerecht.

Inhalt

Lange war es still um ihn – doch nun darf er wieder ran an Blut, Hirnmasse und andere Körperflüssigkeiten: Der Tatortreiniger Heiko „Schotty“ Schotte bereinigt die grässlichen Folgen grässlicher Taten und lotet dabei die Untiefen des Alltags aus. Dabei wird Schotty wieder mit ebenso verstörenden wie komischen Erfahrungen konfrontiert. Was macht man eigentlich, wenn man neben einem Patienten putzt, der schon seit vielen Jahren im Koma liegt? Kann man sich mit so jemandem eigentlich unterhalten und sich unbefangen vorstellen? Wo befindet sich Schotty, wenn ihm alte Weggefährten begegnen, ohne ihn zu erkennen, und ihm seine alte, aber ferne Geliebte Merle erklärt, dass er ihre wahre Liebe gewesen sei? Schottys so unverwüstlich scheinende Natur wird in den neuen Episoden auf eine harte Probe gestellt.

(Quelle: Studio Hamburg Enterprises)

Episoden

Staffel 1
01 Ganz normale Jobs
02 Spuren
03 Nicht über mein Sofa
04 Geschmackssache

Staffel 2
05 Über den Wolken
06 Die Challenge
07 Schottys Kampf
08 Angehörige
09 Auftrag aus dem Jenseits

Staffel 3
10 Fleischfresser
11 Schweine
12 Carpe Diem
13 Ja, ich will

Staffel 4
14 Wattolympiade
15 Der Putzer
16 Damit muss man rechnen
17 Der Fluch
18 Tauschgeschäfte

Staffel 5
19 Bestattungsvorsorge
20 Das freie Wochenende
21 Pfirsichmelba
22 Anbieterwechsel
23 E.M.M.A. 206
24 Freunde

Staffel 6
25 Sind Sie sicher?
26 Özgür
27 Schluss mit Lustig

Staffel 7
28 Rebellen
29 Currywurst
30 Der Kopf
31 Einunddreißig

Details

Format: Dolby
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Studio Hamburg Enterprises
Erscheinungstermin: 25.01.2019
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 100 Minuten
Extras: Behind the Scenes / Premium Filzgleiter / Postkarte

Copyright Cover: Studio Hamburg Enterprises



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde